Kurze Fakten zur Diphtherie

„Würgeengel der Kinder“ wurde Diphtherie früher im Volksmund genannt. Mit gutem Grund: Die Infektionskrankheit forderte jahrhundertelang unzählige Kinderleben. Verursacht wird sie von Bakterien, übertragen wird sie durch Tröpfcheninfektion oder direkten Körperkontakt. Typische Symptome sind Fieber, Halsschmerzen, Unwohlsein, weißlicher Belag im Rachenraum und Atemnot. In schweren Fällen kann es zu Erstickung, Kreislaufversagen, Entzündung des Herzmuskels, Herzversagen und Lähmungen kommen. Zwar sucht der „Würgeengel“ keineswegs nur Kinder heim – auch Erwachsene sind betroffen – allerdings endet die Krankheit bei ihnen öfter tödlich.

Heute sind die Erkrankungszahlen zum Glück deutlich geringer, denn mittlerweile stehen uns gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung. Dank sehr hoher Impfraten erkranken in Deutschland kaum noch Kinder an Diphtherie [1]. So gab es in Thüringen nur einen Diphtheriefall in den letzten drei Jahren [2]. Dennoch bleibt die Impfung sehr wichtig. Denn in anderen Ländern, vor allem in Osteuropa, sind die Erreger noch weiter verbreitet. Ist die Bevölkerung nicht ausreichend geschützt, so kann die Diphtherie auch in Deutschland jederzeit wieder ausbrechen.

Diphtherie-Erkrankungen in Deutschland

Diphtherie-Erkrankungen in Deutschland. Die Grafik zeigt die Anzahl der Fälle in Deutschland zwischen neunzehnhundertfünfundsechzig und zweitausendfünfzehn. Neunzehnhundertfünfundsechzig gab es in Deutschland noch vierhundertfünfzehn Fälle, neunzehnhundertsiebzig nur noch dreiundsechzig und neunzehnhundertachtzig nur noch neunzehn Fälle. Zweitausendfünfzehn gab es wieder vierzehn Fälle von Diphtherie in Deutschland.

Fakt ist

  • Nur dank der hohen Impfquote ist Diphtherie in Deutschland heute so selten.
  • Diphtherie ist ansteckend, daher trägt die Impfung Ihres Kindes auch zum Schutz von anderen bei.
  • Diphtherie ist in vielen Reiseländern noch ein Problem.

So wird gegen Diphtherie geimpft:

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb eine frühe Immunisierung für Kinder. Diese besteht aus mehreren Teilimpfungen:

  • Die erste Impfung erfolgt ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat (ab der 9. Woche).
  • Die zweite Impfdosis bekommt das Kind mit vollendetem dritten Lebensmonat.
  • Die dritte Impfdosis erfolgt ab dem vollendeten vierten Lebensmonat.
  • Die letzte Teilimpfung wird am Ende des ersten Lebensjahres gegeben (11.-14. Lebensmonat).

Die Impfung sollte mit fünf bis sechs Jahren, dann im Alter von neun bis 17 Jahren und danach alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Bitte sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder dem Kinderarzt über geeignete Impftermine. Viele Impfungen können im Rahmen der U-Untersuchungen (Früherkennungsuntersuchungen) gegeben werden. Übrigens: Die von der STIKO empfohlenen Impfungen werden von den Krankenkassen übernommen und sind für Sie kostenlos.

Sechs Fakten zur Diphtherie:

Fakt 1: Die Diphtherie-Impfung schützt.

Über Jahrhunderte forderte Diphtherie überall auf der Welt unzählige Todesopfer. Erst die Entwicklung des Diphtherie-Serums durch Emil von Behring konnte der Krankheit Einhalt gebieten. Heute gehört die Impfung zum Standard für Kleinkinder. Auch für Erwachsene wird eine Auffrischimpfung dringend empfohlen, da Diphtherie in anderen Ländern noch immer verbreitet ist und jederzeit wieder nach Deutschland eingeschleppt werden kann. Nur solange ein genügend großer Teil der Bevölkerung (95%) geimpft ist, werden Ausbrüche verhindert. Dabei ist es wichtig zu wissen: Auch wer bereits einmal Diphtherie durchgemacht hat, muss geimpft werden, denn die überstandene Krankheit bietet keinen dauerhaften Immunschutz. Nach drei Impfungen sind 94 bis 100 Prozent der Geimpften hingegen ausreichender geschützt. Der Impfschutz hält ca. zehn Jahren an und sollte dann wieder aufgefrischt werden.

Die Impfung wird Säuglingen üblicherweise mit einem Sechsfachimpfstoff verabreicht. Bei dieser Impfung wird außer gegen Diphtherie gleichzeitig auch gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio (Kinderlähmung), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft. Auch die späteren Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und gegebenenfalls auch Polio werden in der Regel kombiniert gegeben. So muss ihr Kind nur wenige Arzttermine einhalten und nur wenige Piekser mit der Spritze überstehen.

Fakt 2: Diphtherie ist selten – dank der Impfung.

Während in den 50er Jahren noch über 4.000 Deutsche an Diphtherie starben, waren es in den 60ern nur noch 273 Menschen. Seit 1984 werden – dank hoher Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen – nur noch Einzelfälle gemeldet [3]. Trotzdem ist die Gefahr nicht gebannt. Durch den internationalen Reiseverkehr und Migrationsbewegungen kann die Krankheit jederzeit wieder ausbrechen. Lassen Sie sich deshalb von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin beraten, ob bei Ihnen oder Ihren Kindern eine Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung fällig ist, und schützen Sie damit sich und Ihre Liebsten vor der Infektion.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[3] Webseite des Robert Koch-Instituts. 

Diphtherie-Erkrankungen und Impfquote weltweit

Diphtherie-Erkrankungen und Impfquote weltweit neunzehnhundertachtzig bis zweitausendfünfzehn. Die Grafik zeigt in einer Gegenüberstellung der Diphtherie-Erkrankungen und der Impfquote weltweit, dass mit steigender Impfquote die Anzahl der Diphtherie-Erkrankungen abnimmt.

Fakt 3: Auffrisch-Impfungen werden oft vergessen.

Die gute Nachricht: Etwa 95 Prozent der Klein- und Vorschulkinder in Deutschland sind ausreichend gegen Diphtherie geimpft [4]. Die schlechte: Oft erhalten Kinder die von der STIKO empfohlenen Auffrischungsimpfungen im 5. und 6. sowie im 11. bis 18. Lebensjahr nicht mehr. Bereits bei den jüngeren Erwachsenen zeigen sich daher oft Defizite im Impfschutz. Bei den Erwachsenen verfügt nur noch ein Drittel über schützende Antikörper. Das ist wiederum für Kinder ein Problem, für die Diphtherie gefährlicher ist als für Erwachsene – und durchaus tödlich enden kann. Daher gilt: Wer sich und andere schützen will, sollte die Impfung regelmäßig auffrischen.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[4] Epidemiologisches Bulletin 06/2001. 

Diphtherie-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland (2008–2011)

Diphtherie-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland im Jahr zweitausendacht bis zweitausendelf. Die Grafik zeigt, dass mit zunehmendem Alter die Impfquote abnimmt. Bei den achtzehn bis neunundzwanzigjährigen sind neunzig Komma neun Prozent geschützt. Bei den sechzig bis fünfundsechzigjährigen sind es noch sechsundsiebzig Komma zwei Prozent und bei den siebzig bis neunundsiebzigjährigen noch siebzig Komma sieben Prozent.

Fakt 4: Die Zusatzstoffe der Impfung sind gut verträglich.

Alle Inhaltsstoffe in den zugelassenen Impfungen sind vom Bundesinstitut für Impfstoffe (Paul-Ehrlich-Institut) geprüft. Es ist ein Irrglaube, dass in den Impfstoffen gesundheitsgefährdende Zusatzstoffe enthalten wären. Es gilt: Die Inhaltsstoffe von Impfungen sind sicher.

So wird ein Impfstoff geprüft

So wird ein Impfstoff geprüft. Die Graphik zeigt die verschiedenen Stufen der Prüfung von Impfstoffen durch das Paul-Ehrlich-Institut. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, wird dieser zuerst an Tieren und zuletzt an bis zu 10000 Menschen getestet auf Wirksamkeit, Sicherheit und Effektivität. Selbst nach der Zulassung werden Impfstoffe im Einsatz überwacht.

Fakt 5: Nebenwirkungen der Diphtherie-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Diphtherie-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Diphtherie und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Diphtherie-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines eines vierfach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung für Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr und Erwachsene dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Kindern im Alter zwischen vier bis acht Jahre bei mehr als zehn Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Schläfrigkeit vorkommen. Bei weniger als zehn Personen kann Fieber bis zu siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, Blutung, Juckreiz und Verhärtung an der Injektionsstelle, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit und Kopfschmerzen auftreten. Bei bis zu einem Kind von einhundert geimpften Kindern kommt es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit, trockener Rachen und Müdigkeit.  Bei Kindern über zehn Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen kann es bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen zu Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen kommen. Bei einer bis zu zehn von einhundert geimpften Personen kann es zu Fieber von siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, zu Bluterguss, Juckreiz und Verhärtung, Wärme und Taubheit an der Injektionsstelle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei weniger als einer Person kommt es zu Fieber höher als neununddreißig Grad Celsius, Schüttelfrost, Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen, Juckreiz, Lippenherpes, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Appetitlosigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Schläfrigkeit und Asthma kommen. Bei mehr als zehn Personen verringerter Appetit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Schreien, Reizbarkeit, Rötung, Schmerz und Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber auftreten können.  Bei etwa bis zu zehn Personen von geimpften Personen können Diarrhö, Induration, Bluterguss oder Knötchen an der Injektionsstelle auftreten.  Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften Personen können verstärkter Appetit, Schlafstörung einschließlich Schlaflosigkeit, Unruhe, Schnupfen, Schwellung von Lymphknoten, erniedrigter Blutdruck, Husten, Blässe, Bauchschmerz, allgemeiner Ausschlag, übermäßige Schweißproduktion, Ausschlag und Erwärmung an der Injektionsstelle sowie Müdigkeit auftreten können.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Fakt 6: Manchmal muss eine Impfung verschoben werden.

Manchmal kommt es vor, dass Impfungen verschoben werden – z.B. weil Ihr Kind zum Impfzeitpunkt einen Infekt hatte. Vielleicht haben Sie auch einfach den Termin vergessen oder er ging im Alltagstrubel unter. Das kann jedem einmal passieren. Sie sollten jedoch darauf achten, den Termin rechtzeitig nachzuholen. Zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr sollten Sie den Impfschutz vervollständigen und fehlende Impfungen ergänzen. Beachten Sie, dass die meisten Impfungen mehrfach verabreicht werden müssen, damit der Impfschutz komplett und effektiv ist. Dafür können Sie mit Ihrem Kind auch zu Hausärzten oder Gynäkologen gehen.