Kurze Fakten zur Frühsommer-Meningoenzephalitis

Spielt Ihr Kind gerne im Garten, im Wald oder auf Wiesen? Zecken sind tückisch, sie lauern im Unterholz und auf Wiesen, können zur Not zwei Jahre ohne Nahrung auskommen und übertragen tückische Krankheiten. Sie sind zähe Überlebenskünstler – und für Menschen leider ziemlich gefährlich. Stechen sie zu, können sie über ihren Speichel nicht nur Borreliose, sondern auch Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen. Die unter dem Kürzel FSME bekannte Virus-Erkrankung kann zu einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute führen und geht oft mit schweren Komplikationen und Folgeschäden einher.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) gelten auch Teile Thüringens als Risikogebiet. Vor allem in den Kreisen Hildburghausen, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis und Sonneberg sowie den Städten Gera und Jena besteht Ansteckungsgefahr. Ob auch Sie in einem Risikogebiet leben, können Sie auf der Karte des RKI überprüfen. 

FSME-Risikogebiete in Deutschland (2017)

FSME-Risikogebiete in Deutschland zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt eine Deutschlandkarte, in der die Risikogebiete für eine FSME-Infektion durch einen Zecken-Stich markiert sind. Dazu gehören auch Gebiete in Süd-Thüringen. Diese Karte wird von dem Robert Koch-Institut jährlich erstellt und wird auf der Webseite www.rki.de veröffentlicht.

Fakt ist:

  • Nicht jede Infektion mit FSME führt zu Symptomen. Aber: Bricht die Krankheit aus, drohen schwere Komplikationen und Folgeschäden.
  • Teile Thüringens, vor allem der Südosten, zählen zu den Risikogebieten, eine Impfung schützt Kinder, die dort leben.
  • Der Krankheitsverlauf ist bei Kindern deutlich milder als bei Erwachsenen und Senioren. Viele überstehen die Krankheit unbeschadet.
  • Die Krankheit wird fast ausschließlich von Zecken übertragen, in Einzelfällen ist aber auch eine Ansteckung über Lebensmittel möglich.
  • FSME ist nicht ansteckend, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. 

So wird gegen FSME geimpft:

Eine Impfung bietet zuverlässigen Schutz vor der Krankheit. Sie ist vor allem für Menschen wichtig, die in Risikogebieten leben, viel Zeit in der Natur verbringen oder in Länder reisen, in denen FSME ein Problem ist. Für sie empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) unabhängig vom Alter eine FSME-Schutzimpfung. Für Kinder ist sie ab einem Jahr möglich. Da sie zum Spielen oft viel Zeit im Freien verbringen, haben sie ein erhöhtes Risiko für Zeckenstiche. 

Für eine Grundimmunisierung sind drei Teilimpfungen notwendig. Es ist daher sinnvoll bereits frühzeitig mit dem Aufbau der Grundimmunisierung zu beginnen. So erfolgt die Impfung: 

  • Ein bis drei Monate nach der ersten Impfung wird die zweite Impfdosis verabreicht.
  • Je nach Impfstoff (lassen Sie sich durch Ihren Arzt beraten) erfolgt nach 5-12 Monaten bzw. 9-12 Monaten die dritte Impfung. 

Sollten die Kinder weiterhin in einem Risikogebiet für FSME sein, wird eine erste Auffrischungsimpfung nach 3 Jahren und danach alle 5 Jahren empfohlen. Auch wenn die FSME besonders bei Kleinkindern leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft, kann sie doch in einigen Fällen zu einer schweren Erkrankung, manchmal mit langanhaltenden Schäden führen.

FSME-Erkrankungen in Deutschland

FSME-Erkrankungen in Deutschland zwischen zweitausendzwei und zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt die Anzahl der FSME-Erkrankungen zwischen zweitausendzwei und zweitausendsiebzehn. In zweitausendsiebzehn gab es vierhundertvierundfünfzig FSME-Fälle. Die jährlichen Fallzahlen seit zweitausendzwei schwankten stark zwischen einem Minimum von einhundertfünfundneunzig im Jahr zweitausendzwölf und einem Maximum von fünfhundertsechsundvierzig im Jahr zweitausendsechs. Diese Zahlen werden vom Robert Koch-Institut erhoben.

Sieben Fakten zu FSME:

Fakt 1: Die Krankheit wird fast ausschließlich von Zecken übertragen.

Die meisten FSME-Infektionen gehen auf das Konto von Zecken. Zwar ist grundsätzlich auch eine Übertragung durch Rohmilch von infizierten Schafen, Ziegen oder Kühen möglich, doch diese machen nur einen kleinen Teil der Infektionen aus [1]. Zecken hingegen übertragen das Virus bereits im Moment des Stichs durch ihren Speichel. Mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen reißen sie die Haut ihres Wirts auf und stoßen ihren Stachel hinein. Dabei sondern sie ein Betäubungsmittel ab. So bleibt der Stich zunächst unbemerkt und entzündet sich nicht. Allerdings trägt nicht jede Zecke das Virus in sich: Eine von 150 Zecken in ausgewiesenen Risikogebieten ist infiziert, das entspricht etwa 0,1 bis 5 Prozent der Population in Risikogebieten [2].

Fakt 2: Etwa 30 Prozent der Infizierten zeigen Symptome.

Warum FSME bei manchen Personen ausbricht und bei anderen nicht, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass die Krankheit nur bei jeder dritten infizierten Person ausbricht, also bei rund 30 Prozent [3]. FSME verläuft bei ihnen in zwei Phasen: Zunächst treten etwa ein bis zwei Wochen nach dem Stich Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf – Symptome, die einer Grippe ähneln. Meist bessern sich die Beschwerden vorübergehend wieder, bevor ein Teil der Infizierten neurologische Symptome wie Krämpfe, Kopfschmerzen und Lähmungen entwickelt, meist gepaart mit Übelkeit, extremen Unwohlsein und heftigen Fieberschüben. In diesem Fall sind das Gehirn und die Hirnhäute, in seltenen Fällen auch das Rückenmark entzündet.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[3] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Fakt 3: Bricht die Krankheit aus, ist sie gefährlich.

Die Tatsache, dass nicht jede Infektion eine Krankheit nach sich zieht, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass FSME bei einem Ausbruch sehr gefährlich werden kann. In vielen Fällen hinterlässt die Erkrankung bleibende Schäden, in einem Prozent der Fälle endet sie tödlich. Allerdings sind bei Kindern schwere Verläufe und bleibende Schäden deutlich seltener als bei Erwachsenen. Das liegt daran, dass sie in 50 Prozent der Fälle eine Hirnhautentzündung (Meningitis) entwickeln, aber so gut wie nie eine Entzündung des Rückenmarks [3]. Das verbesserte ihre Prognose im Vergleich zu Erwachsenen enorm. Trotzdem: Ausschließen lassen sich dauerhafte neurologische Schäden auch für Kinder nicht. 

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[3] Webseite des Robert Koch-Instituts.

FSME-Erkrankungen und Hospitalisierungen in Deutschland (2016)

FSME-Erkrankungen und Hospitalisierungen in Deutschland zweitausendsechzehn. Die Grafik zeigt, dass von dreihundertachtundvierzig nachgewiesenen Fällen zweihundertsechsundneunzig im Jahr zweitausendsechzehn in einem Krankenhaus behandelt wurden.

Fakt 4: Bei Kindern verläuft FSME oft milder.

Weil Kinder viel im Freien spielen, werden sie besonders oft von Zecken gestochen und haben ein erhöhtes Risiko für eine FSME-Infektion. Allerdings verläuft die Krankheit bei ihnen oft weniger dramatisch als bei Erwachsenen. Während Erwachsene häufiger mit bleibenden Schäden zu kämpfen haben, überstehen Kinder die Erkrankung häufig völlig unbeschadet. Studien zufolge leiden Kinder in rund 25 Prozent der Fälle unter einem schweren Krankheitsverlauf. In nur zwei Prozent der Fälle treten neurologische Folgeschäden auf, mit denen immerhin 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen kämpfen [3]. Allerdings lässt sich der Krankheitsverlauf nicht vorhersagen und rund ein Drittel der Kinder, die eine FSME-Infektion durchgemacht haben, weisen in neuro-psychologischen Tests Defizite wie Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörungen auf. 

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[3] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Fakt 5: Eine FSME-Impfung schützt zuverlässig.

Bei einer FSME-Impfung werden inaktive Viren gespritzt, die sich nicht mehr vermehren können. Trotzdem handelt es sich um eine aktive Impfung, der Körper muss also selbst Antikörper bilden, die ihn im Ernstfall schützen. Untersuchungen zeigen, dass die Impfung sehr zuverlässig schützt. Nach dreimaliger Gabe wird die Wirksamkeit des Impfstoffs auf 96 bis 99 Prozent geschätzt – er bietet also eine nahezu hundertprozentige Sicherheit [4]. Daten aus dem einst stark FSME-geplagten Österreich zeigen, dass die Anzahl der Krankheitsfälle durch Impfungen drastisch reduziert werden konnte. Während vor der Zulassung des Impfstoffs in den 1970er Jahren noch jedes Jahr um die 700 Menschen an FSME erkrankten, waren es in den letzten zehn Jahren nur noch rund 70 Personen jährlich.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[4] Antworten auf häufig gestellte Fragen zur FSME-Impfung des RKI

Fakt 6: FSME ist keine Borreliose.

Die einzige Gemeinsamkeit von FSME und Borreliose besteht in der Übertragung durch Zecken. Sonst haben die beiden Krankheiten nichts miteinander zu tun. Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung und die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. Etwa 5 bis 35 Prozent der Zecken sind mit Borrelien befallen und übertragen diese bei einem Stich [5]. Das Krankheitsbild ist vielfältig und reicht von einer Wanderröte der Haut über grippeähnliche Symptome, Abgeschlagenheit, Fieber- und Kopfschmerzen bis hin zu Geschwülsten auf der Haut, Gelenkschmerzen, Herz-Rhythmus-Störungen oder Nerven- und Muskelentzündungen. Im Gegensatz zu FSME kann gegen Borreliose nicht geimpft werden. Dafür ist die Krankheit mit Antibiotika behandelbar, die wiederum bei FSME wirkungslos sind. 

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[5] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Die Unterscheidung zwischen FSME und Borreliose

Die Unterscheidung zwischen FSME und Borreliose. Die Grafik zeigt, worin sich FSME und Borreliose unterscheiden.  Infektionsart: FSME ist viral, Borreliose bakteriell. Behandlung: Bei FSME können lediglich die Symptome gelindert werden. Bei Borreliose wird mit Antibiotika behandelt.  Impfung: Gegen FSME ist eine Impfung möglich. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung.  Verlauf: Eine FSME-Infektion verläuft in zwei Phasen. Zunächst grippe-ähnlich, dann Entzündung des autonomen Nervensystems. Bei der Borreliose gibt es extrem uneinheitliche Symptome. Diese reichen von Fieber und Kopfschmerzen über Abgeschlagenheit bis hin zu schweren Muskel- und Nervenentzündungen oder Herz-Rhythmus-Störungen.  Vorkommen: FSME ist lokal begrenzt auf Risikogebiet. Borreliose tritt deutschlandweit auf.

Fakt 7: Nebenwirkungen der FSME-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die FSME-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der FSME und deren mögliche Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der FSME-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines der zwei zugelassenen Impfpräparate dargestell.

Nebenwirkung der FSME-Impfung. Die Grafik zeigt, dass bei mehr als zehn Personen von einhundert geimpften Personen Schmerzen an der Injektionsstelle auftreten können.  Bei etwa bis zu zehn Personen von einhundert geimpften Personen können Kopf- und Muskelschmerzen, Schwellung, Verhärtung und Rötung an der Injektionsstelle, Krankheitsgefühl, Erbrechen, verminderter Appetit, Müdigkeit und Unwohlsein, Unruhe, Schlafstörungen (bei jüngeren Kindern) und eventuell Fieber auftreten.  Bei weniger als eine Person von einhundert geimpften Personen können Lymphknotenschwellungen, Bauch – und Gelenkschmerzen und Schüttelfrost auftreten.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.