Kurze Fakten zum Keuchhusten

Keuchhusten, in der Fachsprache Pertussis genannt, ist weit mehr als „nur Husten“. Er wird durch Bakterien ausgelöst, ist hoch ansteckend und kann schlimme gesundheitliche Folgen haben. Weltweit ist Keuchhusten eine der häufigsten Infektionskrankheiten der Atemwege. Bestimmte Erreger befallen dabei die Schleimhäute und verursachen starke, krampfartige Hustenattacken. Bei Kindern und Säuglingen kann es sogar zu Erstickungsanfällen kommen.

Früher galt Keuchhusten als Kinderkrankheit, doch mittlerweile trifft die Infektion immer häufiger auch Jugendliche und Erwachsene. Der Grund: Zu wenige Menschen in Deutschland sind ausreichend vor den Erregern geschützt. Das ist gefährlich, denn beinahe jeder Kontakt zwischen einem Erkrankten und einem ungeschützten Gesunden führt zu einer Ansteckung. Beim Husten, Niesen oder Sprechen können sich die Bakterien über winzige Tröpfchen aus dem Nasen-Rachen-Raum in der Luft weiterverbreiten und eingeatmet werden.

Während sich Keuchhusten für die Eltern und Großeltern oft nur wie eine lästige Erkältung anfühlt, ist eine Infektion für Säuglinge lebensgefährlich. Sie werden in den allermeisten Fällen durch enge Kontaktpersonen angesteckt – teils ohne dass die sich dessen bewusst sind. Daher ist es sinnvoll, Säuglinge möglichst früh gegen Keuchhusten impfen zu lassen und die Impfung im Kindes- und Jugendalter aufzufrischen. Erinnern Sie auch Großeltern oder andere Erwachsene die mit Ihrem Kind zusammen kommen über die Notwendigkeit sich impfen zu lassen. 

Keuchhusten-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland

* bis Anfang 2013 bestand keine bundesweite Meldepflicht für Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland. Hier lesen Sie mehr zum Meldeweg der SurvStat.

Keuchhusten-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland in den Jahren zweitausendelf bis zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt, dass die Keuchhusten-Erkrankungen in allen Altersgruppen über die Jahre, mit kleinen Ausnahmen, kontinuierlich anstiegen.  In der Altersgruppe der unter neunzehnjährigen schwankten die Erkrankungszahlen zwischen einem Minimum von tausendfünfhundertvier Fällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von sechstausendfünfhundert Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn.  In der Altersgruppe der zwanzig- bis neununddreißigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von sechshunderteinunddreißig Erkrankungsfällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von dreitausendacht Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn.  In der Altersgruppe der sechzig- bis neunundsiebzigjährigen gab es im Jahr zweitausendelf ein Minimum von fünfhundertfünfundfünfzig Fällen und im Jahr zweitausendsiebzehn ein Maximum von zweitausendfünfhundertacht Fällen. Im Vergleich dazu gab es in der Altersgruppe der über achtzigjährigen insgesamt weniger Fälle von Keuchhusten; hier lagen die Zahlen zwischen siebenundvierzig im Jahr zweitausendelf und dreihundertfünfundvierzig im Jahr zweitausendsiebzehn.

Fakt ist:

  • Bei Säuglingen und Kindern kann Keuchhusten zu lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen führen.
  • Zu wenige Deutsche sind gegen Keuchhusten geimpft, es besteht also kein ausreichender Gemeinschaftsschutz.
  • Jugendliche und Erwachsene ohne Impfschutz stellen eine ernstzunehmende Ansteckungsquelle für Säuglinge und Kleinkinder dar.

So wird gegen Keuchhusten geimpft:

Damit Ihr Kind möglichst frühzeitig und vollständig gegen Keuchhusten geschützt ist, braucht es eine wirksame Grundimmunisierung, bestehend aus mehreren Teilimpfungen:

  • Die erste Impfung erfolgt ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat (ab der 9. Woche).
  • Die zweite Impfdosis bekommt das Kind mit vollendetem dritten Lebensmonat.
  • Die dritte Impfdosis erfolgt ab dem vollendeten vierten Lebensmonat.
  • Die letzte Teilimpfung wird am Ende des ersten Lebensjahres gegeben (11.-14. Lebensmonat).
  • Die Impfung sollte dann im Alter von fünf bis sechs Jahren und im Alter von neun bis 17 Jahren aufgefrischt werden.

Dabei werden Säuglinge üblicherweise mit einem Sechsfachimpfstoff geimpft. Bei dieser Impfung wird gleichzeitig auch gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft.

Bitte sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über passende Impftermine. Viele Impfungen können im Rahmen der U-Untersuchungen (Früherkennungsuntersuchungen) gegeben werden.

Sechs Fakten zu Keuchhusten:

Fakt 1: Heute erkranken mehr Menschen an Keuchhusten als früher.

Die Erkrankungszahlen steigen – das zeigen Erhebungen aus den neuen Bundesländern. Dort besteht schon seit ca. 15 Jahren eine Meldepflicht für Keuchhusten-Fälle. In den alten Bundesländern werden die Daten hingegen erst seit 2013 gesammelt. 1990 gab es in den neuen Bundesländern nur 0,4 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner [1]. Im Jahr 2012 waren es bereits 42 Fälle [2]. Während in der DDR eine Impfpflicht bestand, wurden Impfungen nach der Wiedervereinigung auch in den neuen Bundesländern zu einer freiwilligen Schutzmaßnahme. In der Folge sanken die Impfraten – und die Erkrankungszahlen stiegen an. Deutschlandweit wurden im Jahr 2017 rund 26.000 Keuchhusten-Fälle gemeldet [3]. Einen großen Teil davon hätten altersgerechte Impfungen verhindern können.

Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland* (1965–2015)

* bis Anfang 2013 bestand keine bundesweite Meldepflicht für Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland. Hier lesen Sie mehr zum Meldeweg der SurvStat.

Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland neunzehnhundertfünfundsechzig bis zweitausendfünfzehn.  Die Grafik zeigt, dass im Jahr neunzehnhundertfünfundsechzig zweiundzwanzigtausendvierzig Menschen an Keuchhusten erkrankten. Im Jahr neunzehnhundertsiebzig waren es siebentausendeinhundertsechsunddreißig, im Jahr neunzehnhundertfünfundsiebzig nur noch dreihundertsechzig, neunzehnhundertachtzig erkrankten zweihundertachtundfünfzig, im Jahr neunzehnhundertfünfundachtzig -dreihundertsechs, im neunzehnhundertneunzig noch siebenundfünfzig. Im Jahr zweitausend erkrankten zweitausendachthundertvierundfünfzig Menschen an Keuchhusten, im Jahr zweitausendfünf - dreitausendsechshunderteinundsechzig, im Jahr zweitausendzehn - zweitausendeinhundertsiebzehn und im Jahr zweitausendfünfzehn stieg Anzahl der Keuchhusten-Erkrankungen auf zirka neuntausend Fälle an. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut sowie der offiziellen Berichtserstattung, Themenhefte November zweitausenddrei. Es ist zu beachten, dass die Zahlen neunzehntausendfünfundsechzig bis neunzehnhundertachtundneunzig nur aus der DDR stammen.

In den Jahren von 1965-1989 waren in der DDR und BRD unterschiedliche übertragbare Infektionserkrankungen meldepflichtig. Zusätzlich wurde und wird die Meldepflicht angepasst. Sollte eine meldepflichtige übertragbare Krankheit über mehrere Jahre hinweg nicht vorkommen, so kann die Meldepflicht ausgesetzt werden. Dies wird gesetzlich festgelegt. Daher gibt es Daten zu der Anzahl und Art von Erkrankungen die nur die Fallzahlen der DDR oder nur der BRD wiedergeben oder Jahre in denen keine Daten vorliegen. Nach 1989 wurde die Meldepflicht zusammengeführt.

Fakt 2: Zu wenige Deutsche sind gegen Keuchhusten geimpft.

Nur 7,6 Prozent (2012) der Erwachsenen in Deutschland haben einen ausreichenden Impfschutz gegen Keuchhusten (in den letzten 10 Jahren) [1]. Vor allem in den neuen Bundesländern ist die Impfrate sehr niedrig. Im Vorschulalter sieht die Situation deutlich besser aus: Rund 96% der Kinder wurden in Thüringen vor Schuleintritt gegen Keuchhusten geimpft [2]. Doch die Grundimmunisierung in jungen Jahren schützt nicht ein Leben lang, sondern nur für ca. 4 bis 12 Jahre. Auch nach einer überwundenen Keuchhusten-Erkrankung können sich Menschen jeden Alters erneut anstecken und den Erreger an ungeschützte Personen weitergeben. Wichtig ist deshalb, dass die Impfung Ihres Kindes im Alter von fünf bis sechs und von neun bis 17 aufgefrischt wird.

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Deutschsprachige Fachinformation,
[2] Epidemiologisches Bulletin 16/2018.

Keuchhusten-Impfquoten nach Altersgruppen in Deutschland (2008–2011)

Keuchhusten-Impfquote nach Altersgruppe in Deutschland zweitausenddreizehn. Die Grafik zeigt, dass die Impfquote der achtzehn bis neunundzwanzigjährigen siebenundfünfzig Komma zwei Prozent war, bei den dreißig bis neununddreißigjährigen - neunundvierzig Komma vier Prozent, bei den vierzig bis neunundvierzigjährigen waren achtunddreißig Komma neun Prozent geimpft. In der Altersgruppe der fünfzig bis neunundfünfzigjährigen waren im Jahr zweitausenddreizehn dreiundzwanzig Komma drei Prozent und in der Gruppe der sechzig bis neunundsechzigjährigen achtzehn Komma zwei Prozent sowie bei den siebzig bis neunundsiebzigjährigen vierzehn Komma eins Prozent geimpft. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt 3: Keuchhusten kann mit schweren Komplikationen einhergehen – vor allem bei Kindern.

Krampfanfälle, Nebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen, Inkontinenz, Atemstillstand, Rippenfrakturen, Hirnschädigungen – die Liste möglicher Komplikationen durch Keuchhusten ist lang und hässlich. Das größte Risiko für derartige Beschwerden und Schäden haben Säuglinge. Sie landen häufiger als Erwachsene wegen einer Keuchhusten-Infektion im Krankenhaus. Ein wirksamer Schutz vor Keuchhusten durch eine entsprechende Impfung ist deshalb sehr wichtig!

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
Englischsprachige Fachinformation

Fakt 4: Die Impfung verursacht keine Schäden.

In den 70er Jahren kam der Verdacht auf, der damals verwendete ,,Ganzkeimimpfstoff" könnte für seltene Hirnschäden bei Säuglingen verantwortlich sein. Die Keuchhusten-Impfung wurde damals in Westdeutschland vorsichtshalber nur noch für Kinder mit hohem Erkrankungsrisiko empfohlen. Umfassende Untersuchungen konnten jedoch keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und möglichen Schädigungen finden. In Deutschland wird deshalb seit 1991 wieder flächendeckend gegen Keuchhusten geimpft. Im Gegensatz zu früher werden heute so genannte ,,azelluläre" Impfstoffe verwendet, die nur einzelne Bestandteile des Bakteriums enthalten und sehr gut verträglich sind. Auch Keuchhusten selbst kann dadurch nicht ausgelöst werden. Zwar kann es sein, dass die Einstichstelle in den ersten Tagen etwas gerötet und geschwollen ist. Auch kann die Körpertemperatur leicht ansteigen und ein Gefühl von Muskelkater im Arm entstehen. Doch diese Reaktionen sind kein Grund zur Sorge. Sie zeigen nur, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt und die Körperabwehr aktiv wird.

Fakt 5: Nebenwirkungen der Keuchhusten-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos.

Die Keuchhusten-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Keuchhusten-Symptome und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Keuchhusten-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines vierfach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung für Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr und Erwachsene dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Kindern im Alter zwischen vier bis acht Jahre bei mehr als zehn Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Schläfrigkeit vorkommen. Bei weniger als zehn Personen kann Fieber bis zu siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, Blutung, Juckreiz und Verhärtung an der Injektionsstelle, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit und Kopfschmerzen auftreten. Bei bis zu einem Kind von einhundert geimpften Kindern kommt es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit, trockener Rachen und Müdigkeit.  Bei Kindern über zehn Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen kann es bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen zu Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen kommen. Bei einer bis zu zehn von einhundert geimpften Personen kann es zu Fieber von siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, zu Bluterguss, Juckreiz und Verhärtung, Wärme und Taubheit an der Injektionsstelle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei weniger als einer Person kommt es zu Fieber höher als neununddreißig Grad Celsius, Schüttelfrost, Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen, Juckreiz, Lippenherpes, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Appetitlosigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Schläfrigkeit und Asthma kommen. Bei mehr als zehn Personen verringerter Appetit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Schreien, Reizbarkeit, Rötung, Schmerz und Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber auftreten können.  Bei etwa bis zu zehn Personen von geimpften Personen können Diarrhö, Induration, Bluterguss oder Knötchen an der Injektionsstelle auftreten.  Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften Personen können verstärkter Appetit, Schlafstörung einschließlich Schlaflosigkeit, Unruhe, Schnupfen, Schwellung von Lymphknoten, erniedrigter Blutdruck, Husten, Blässe, Bauchschmerz, allgemeiner Ausschlag, übermäßige Schweißproduktion, Ausschlag und Erwärmung an der Injektionsstelle sowie Müdigkeit auftreten können.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Fakt 6: Manchmal muss eine Impfung verschoben werden.

Sollte Ihr Kind eine akute, schwere, mit Fieber verbundene Erkrankung haben oder Allergien haben, informieren Sie Ihren Arzt oder Ärztin darüber. Nicht-fiebrige Erkrankungen, wie beispielsweise ein Schnupfen sind meist unproblematisch. Ihr Arzt oder Ärztin unterstützt Sie bei einer Impfentscheidung. Fragen Sie ruhig nach.