Kurze Fakten zu Mumps

Immer wieder treten in Deutschland Erkrankungswellen mit Mumps auf. Zuletzt gab es in Bayern in den Jahren 2010 und 2011 einen großen Ausbruch mit fast 300 registrierten Fällen [1]. Doch auch unabhängig von einzelnen Spitzen in der Statistik bleibt die Viruserkrankung ein Problem. Bundesweit erkrankten in den letzten drei Jahren über 2.000 Menschen daran, 51 Fälle davon traten in Thüringen auf [2]. Besonders häufig traf es Säuglinge und Kinder.

Mumps-Erkrankungen in Deutschland*

* bis Anfang 2013 bestand keine bundesweite Meldepflicht für Mumps-Erkrankungen in Deutschland. Hier lesen Sie mehr zum Meldeweg der SurvStat.

Mumps-Erkrankungen in Deutschland in den Jahren zweitausendsechs bis zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt, dass sich die Mumps-Erkrankungen zwischen zweitausendsechs und zweitausendzwölf auf einem vergleichbaren Niveau bewegten, während sie dann zwischen zweitausenddreizehn und zweitausendvierzehn stark anstiegen und danach auf einem etwas geringeren Niveau jährlich schwankten.  Zwischen zweitausendsechs und zweitausendzwölf bewegten sich die Zahlen zwischen einem Minimum von vierunddreißig Fällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von hunderteinem Fall im Jahr zweitausendacht.  Daraufhin zeigt sich dann ein sprunghafter Anstieg der Erkrankungen auf fünfhunderteinundsiebzig Fälle im Jahr zweitausenddreizehn und achthundertfünfunddreißig Fällen im Jahr zweitausendvierzehn. Der Zahl der Mumps-Erkrankungen pendelte sich in den darauffolgenden Jahren ein bis auf sechshundertdreiundfünfzig Fälle im Jahr zweitausendsiebzehn. Die Daten sind den Statistiken des Robert Koch-Instituts entnommen.

Symptome und mögliche Folgen von Mumps

Die Mumps-Viren werden meist durch Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion) übertragen. Mit ungefähr 60 Prozent ist die Ansteckungsrate relativ hoch [3]. Ungefähr zwei Wochen nach der Ansteckung können grippeähnliche Symptome auftreten, beispielsweise Fieber, Husten oder Kopfschmerzen. Charakteristisch ist eine ein- oder beidseitige Schwellung der Ohrspeicheldrüse. Weil dieses Krankheitszeichen längst nicht alle Kinder entwickeln, wird Mumps häufig nicht erkannt und für einen harmlosen Infekt gehalten. Das gefährliche an der Infektion: Ungefähr ein Drittel aller angesteckten Menschen entwickeln gar keine Symptome, sie können die Erreger aber weiterverbreiten [3].

Fast zehn Prozent der Erkrankten bekommen in Folge der Infektion eine Hirnhautentzündung. In seltenen Fällen tritt auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Entzündung des Hörnervs auf, die zu bleibenden Hörschäden führen kann. Jungen sind außerdem manchmal von einer sehr schmerzhaften Hoden- oder Nebenhodenentzündung betroffen. Ungefähr jeder vierte erkrankte Jugendliche leidet darunter. Das Problem: Wie bei vielen Infektionskrankheiten können auch bei Mumps nur die Symptome, aber nicht die Erkrankung selbst behandelt werden [3].

Fakt ist:

  • Nur die Impfung schützt wirksam vor einer Ansteckung mit Mumps.
  • Mumps kann bleibende Schäden verursachen.
  • Sind nicht genügend Menschen gegen Mumps geimpft, können sich die Viren auch in Deutschland wieder ausbreiten.

So wird gegen Mumps geimpft:

Deshalb ist es gut zu wissen: Durch eine zweimalige Impfung können Sie Ihr Kind wirksam gegen Mumps schützen. Üblicherweise wird sie zusammen mit den Impfstoffen gegen Masern und Röteln verabreicht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt:

  • die erste Teilimpfung im Alter von 11 bis 14 Monaten;
  • die zweite Teilimpfung frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres.

Ihr Kind ist noch nicht geimpft? Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über geeignete Impftermine.

Sechs Fakten zu Mumps:

Fakt 1: Die Mumps-Impfung löst kein Diabetes aus.

In Deutschland kursiert das Gerücht, dass Impfungen dazu beitragen, dass junge Menschen an Diabetes erkranken. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es keinen Hinweis darauf, dass Impfungen im Kindesalter Diabetes auslösen können [1]. Wie kam es zu dem Gerücht? Anlass zur Diskussion war der Mumps-Impfstoff, da das Mumps-Virus in seltenen Fällen zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse führt und der Impfstoff abgeschwächte Viren enthält. Die Bauchspeicheldrüse bildet den Botenstoff Insulin. Wenn Insulin fehlt, dann kann Diabetes entstehen. Allerdings konnte bisher nicht belegt werden, dass es überhaupt einen Zusammenhang zwischen einer Mumps-Erkrankung und Diabetes gibt. Das Risiko an einer Zuckerkrankheit zu erkranken, wird durch die Impfung also nicht erhöht.

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Deutschsprachige Fachinformation.

Fakt 2: Die Impfung ist keine Ursache von Autismus.

Entgegen eines weiteren kursierenden Gerüchts erhöht die Impfung auch nicht das Risiko, an Autismus zu erkranken. Zahlreiche großangelegte wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt. Entstanden war das Gerücht durch einen Artikel von Andrew Wakefield, der 1998 erschienen war. Es stellte sich heraus, dass der britische Arzt die Studienergebnisse gefälscht hatte. Wakefield war von einem Anwalt beauftragt und bezahlt worden, der die Interessen von Eltern autistischer Kindern vertrat. 2010 wurde sein Artikel vollständig widerrufen, Andrew Wakefield erhielt ein Berufsverbot [1]. Für den in der Vergangenheit beobachteten Anstieg von Autismus-Fällen gibt es eine gute wissenschaftliche Erklärung: Er liegt vor allem an neueren, sensibleren Diagnosekriterien und dem gesteigerten öffentlichen Bewusstsein für die Erkrankung [2,3,4]. Auch die amerikanische Autismus-Wissenschaftsstiftung (Autism Science Foundation) weist ausdrücklich darauf hin, dass es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Impfung und Autismus gibt.

Fakt 3: Mumps kann schwere Folgen haben.

In den meisten Fällen verläuft Mumps eher harmlos. Doch einige Erkrankten leiden unter schlimmen Komplikationen. Dazu zählen Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis), die in 1,5 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Auch der Hörnerv kann sich entzünden, so dass manche Patienten unter dauerhaften Hörschäden leiden. Jungen sind außerdem manchmal von einer sehr schmerzhaften Hoden- oder Nebenhodenentzündung betroffen, die in seltenen Fällen zu Unfruchtbarkeit führt. Weitere Komplikationen sind Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, des Herzmuskels, der Niere oder der Gelenke. Schützen Sie sich und Ihr Kind vor diesen Folgen: mit einer Impfung. Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob und wann eine Mumps-Impfung für Sie und Ihre Familie sinnvoll ist.

Fakt 4: Zu wenige Deutsche sind gegen Mumps geimpft.

Dass es immer wieder Erkrankungswellen in Deutschland gibt, hat einen Grund: Zu wenige Deutsche sind gegen Mumps geimpft. Bis 2001 hatte nicht einmal die Hälfte aller Kinder vor Schuleintritt die zweite Mumps-Impfung erhalten [1]. Mittlerweile hat sich die Situation zum Glück gebessert. In Thüringen sind heute 93 Prozent aller Kinder ausreichend vor Mumps geschützt [2]. Bei den Erwachsenen sind es allerdings nach wie vor nur 30 Prozent [3]. Die geringen Impfquoten verhindern, dass der Virus dauerhaft eingedämmt werden kann. Erst wenn über 90 Prozent aller Menschen geimpft sind greift der sogenannte Gemeinschaftsschutz. Schützen Sie deshalb sich selbst und Ihre Kinder durch eine Impfung.

Mumps-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland (2008–2011)

Mumps-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland zweitausenddreizehn. Die Grafik zeigt, dass bei den achtzehn bis neunundzwanzigjährigen fünfundsiebzig Komma acht Prozent geimpft waren, bei den dreißig bis neununddreißigjährigen einunddreißig Komma drei Prozent und bei den vierzig bis neunundvierzigjährigen waren vierzehn Prozent geimpft. In der Altersgruppe der fünfzig bis neunundfünfzigjährigen waren im Jahr zweitausenddreizehn elf Komma vier Prozent und in der Gruppe der sechzig bis vierundsechzigjährigen waren drei Komma eins Prozent geimpft. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt 5: Nebenwirkungen der Mumps-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Mumps-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Mumps-Symptome und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Mumps-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines vierfach-Kombinationspräparat für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken für Kinder ab einem Alter von 12 Monaten dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen Schmerzen und Rötungen an der Injektionsstelle und Fieber von achtunddreißig Grad oder höher auftreten können. Bei etwa bis zu zehn Personen von einhundert geimpften Personen treten Schwellungen an der Injektionsstelle, Fieber von höher als neununddreißig Komma fünf Grad, Reizbarkeit, Hautausschlag wie Flecken und oder Bläschen auf. Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften treten Unwohlsein, Lethargie, Müdigkeit, ungewöhnliches Schreien, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Infektion der oberen Atemwege, Schnupfen sowie Schwellung der Lymphknoten auf.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Fakt 6: Manchmal muss eine Impfung verschoben werden.

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn das Kind eine akute, behandlungsbedürftige Erkrankung hat. Sollte Ihr Kind Fieber oder Allergien haben, informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. Nicht-fiebrige Erkrankungen, wie beispielsweise ein Schnupfen, sind meist unproblematisch. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin unterstützt Sie bei der richtigen Entscheidung.