Kurze Fakten zu Pneumokokken

Pneumokokken sind Bakterien, die Krankheiten wie Nasennebenhöhlen- oder Hirnhautentzündungen verursachen. Besonders Säuglinge und Kleinkinder bis zu 5 Jahren sind durch eine Infektion mit Pneumokokken gefährdet. Pneumokokken sind zudem der häufigste Auslöser von Lungenentzündungen, die oft eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) zur Folge haben.

Pneumokokken sind besonders tückisch: Bei vielen Menschen besiedeln die Bakterien Rachen und Nase, ohne dass sie erkranken oder Symptome zeigen. Daher können auch Gesunde andere anstecken. Neben Kinder sind vor allem Menschen über 60 Jahre gefährdet. Die  Pneumokokken-Impfung schützt nicht nur Ihr kleines Kind, sondern bietet auch Schutz für Sie und Ihre Familie.

Fakt ist:

  • Für Säuglinge, Babys und Kleinkinder ist eine Pneumokokken-Infektion besonders gefährlich und verläuft in bis zu zehn Prozent der Fälle tödlich.
  • Impfen schützt vor schwerwiegenden Infektionsverläufen und damit vor Sepsis.
  • Weniger Infektionen bedeuten weniger Antibiotika: Damit tragen Sie dazu bei, die Entwicklung resistenter Bakterien zu bremsen. 

So wird gegen Pneumokokken geimpft:

Die Impfung gegen Pneumokokken wird deshalb allen Säuglingen ab einem Alter von zwei Monaten empfohlen. Die Immunisierung erfolgt zu drei Zeitpunkten:

  • Die erste Impfung im Alter von zwei Monaten.
  • Die zweite Impfung im Alter von vier Monaten.
  • Die letzte Impfung sechs Monate später im Alter von 11 bis 14 Monate

Alle Impftermine der Pneumokokken-Impfung können zeitgleich mit anderen empfohlenen Impfungen wahrgenommen werden und werden von den Krankenkassen bezahlt.

Generell gilt: Eine Pneumokokken-Impfung schützt alle Altersgruppen und hat kaum Nebenwirkungen. Sprechen Sie Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin darauf an. 

Dialog zwischen Ärztin und Patienten. Die Grafik zeigt einen Vater mit seiner Tochter in einem Gespräch mit einer Ärztin. Der Vater fragt die Ärztin: „Sind denn alle diese Impfungen notwendig? Ich kenne niemanden, der noch Diphtherie, Polio oder Masern hatte. Wieso sollte ich meine Tochter impfen lassen? Die Ärztin sagt: „Fragen Sie mich – bei einem Impftermin kann ich es Ihnen erklären!“

Sieben Fakten zu Pneumokokken:

Fakt 1: Für Säuglinge und Kleinkinder sind Pneumokokken besonders gefährlich.

Obwohl sie nur selten von einer Infektion betroffen sind, sind Pneumokokken-Bakterien für Säuglinge, Babys und Kleinkinder besonders gefährlich.
Die Bakterien können bei ihnen eine Sepsis, eine Hirnhautentzündung, Lungenentzündungen oder Mittelohrentzündung auslösen. In bis zu zehn Prozent der Fälle sterben Säuglinge und Kleinkinder an den Folgen einer solchen Infektion, in bis zu 15 Prozent bleiben neurologische Schäden wie Hörverlust oder Entwicklungsstörungen [1]. Der wirksamste Schutz dagegen ist nachweislich eine Pneumokokken-Impfung.

Fakt 2: Die Wirksamkeit der Pneumokokken-Impfung ist belegt.

Eine Impfung gegen Pneumokokken schützt nicht nur Sie und Ihre Kinder, sondern auch Ihre Mitmenschen. Würden sich mehr Menschen impfen lassen, könnten Krankheiten wie die Lungenentzündung in allen Altersgruppen wirksam eingedämmt werden.
Bei Kindern steigt die Impfquote bei der Pneumokokken-Impfung. Seit der Einführung der Impfung und der relativ hohen Impfquote beobachtet das Robert Koch-Institut einen Rückgang der Krankheitsfälle. Die Impfquote bei Menschen über 60 Jahre ist niedriger. Kinder erkranken daher fünf- bis zehnmal seltener als Menschen über 60. 

Altersverteilung der gemeldeten schweren Pneumokokken-Erkrankungen

Altersverteilung der gemeldeten schweren Pneumokokken-Erkrankungen Die Grafik zeigt, dass insbesondere Menschen ab sechzig Jahren von schweren Pneumokokken-Erkrankungen betroffen waren.   So zeigt sich in der Altersgruppe der über sechzigjährigen ein ansteigender Trend der Pneumokokken-Erkrankungen über die Jahre, ausgehend von einem Minimum von achthundertneunundsechzig Fällen im Jahr zweitausendzwölf auf ein Maximum von tausenddreihundertfünfundneunzig Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn.  In den anderen Altersgruppen der unter sechzigjährigen zeigt sich dieser ansteigende Trend nicht, gleichzeitig bewegten sich die Erkrankungszahlen generell auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. So schwankten die Zahlen in der Altersgruppe der unter fünfzehnjährigen zwischen einem Minimum von dreiundsiebzig Fällen im Jahr zweitausendvierzehn und einem Maximum von fünfundneunzig Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn. In der Altersgruppe der sechzehn- bis neunundfünfzigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von dreihundertfünfzig Fällen im Jahr zweitausendzwölf und einem Maximum von vierhunderteinundfünfzig Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt 3: Pneumokokken und Grippe können zu einer Superinfektion führen.

Eine Grippe ebnet den Weg für Pneumokokken, die rund 80 Prozent der Kinder im Nasen-Rachen-Raum tragen. Normalerweise richten sie keinen Schaden an, doch wenn das Immunsystem gegen eine Grippe kämpft, können die Pneumokokken auch in andere Körperteile wandern, etwa in Lunge und Ohr, Blut oder Gehirn. Breiten sie sich dort aus, droht eine gefährliche Superinfektion. Superinfektionen dauern länger und verlaufen schwerer als einfache Infektionen, vor allem kleine Kinder und solche mit chronischen Krankheiten sind anfällig dafür. Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken-Impfung daher für alle Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat und eine zusätzliche Grippe-Impfung für Kinder mit chronischen Krankheiten oder einem Herzfehler.

Fakt 4: Pneumokokken sind eine der häufigsten Ursachen einer Sepsis.

Die meisten Sepsis-Fälle entwickeln sich aus einer Lungenentzündung. Die Pneumokokken-Impfung kann vor dieser gefährlichen Komplikation schützen. Eine Sepsis ist letztlich eine Überreaktion unseres Immunsystems: Wie gegen viele Infektionen wehrt sich der Körper zunächst mit Fieber und anderen Reaktionen gegen die Erkrankung. Doch wenn diese eigentlich sinnvollen Abwehrmechanismen nicht mehr nur die Erreger abtöten, sondern auch die eigenen Organe angreifen, sprechen Mediziner von einer Sepsis. Die gefährlichen Krankheitskeime breiten sich dann über den Blutkreislauf aus und können zum Versagen lebensnotwendiger Organe führen. Wenn die Entzündungsreaktion so ausgeprägt ist, dass der Blutdruck des Patienten nur noch mit starken Kreislaufmedikamenten aufrechterhalten werden kann, spricht man von septischem Schock. Eine Sepsis und ein septischer Schock sind ein Notfall und müssen auf der Intensivstation versorgt werden. Das Risiko einer Sepsis kann durch eine Impfung gegen Pneumokokken und Grippe deutlich verringert werden. 

Patienten mit schweren Pneumokokken-Erkrankungen und Sepsis in deutschen Krankenhäusern (2014)

Patienten mit schweren Pneumokokken-Erkrankungen und Sepsis in deutschen Krankenhäusern im Jahr zweitausendvierzehn. Die Grafik zeigt, dass einhundertneunundneunzig Patienten im Jahr zweitausendvierzehn an einer schweren Pneumokokken-Erkrankung in der Altersgruppe null bis neunzehn erkrankten. Von diesen einhundertneunundneunzig Patienten sind einhundertachtundzwanzig, also vierundsechzig Komma drei Prozent, an einer Sepsis erkrankt. Die Daten stammen aus den Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Fakt 5: Eine Pneumokokken-Impfung ist der beste Schutz.

Ihr Kind hatte schon einmal eine durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung? Dann ist es zwar gegen einen Stamm immun, aber keineswegs vor weiteren Infektionen gefeit. Denn es gibt viele verschiedene Stämme des Bakteriums. Eine Impfung schützt Ihr Kind vor mehreren Stämmen und gefährdet seine Gesundheit nicht – jede weitere Lungenentzündung schon.

Fakt 6: Nebenwirkungen der Pneumokokken-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Pneumokokken-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Erkrankung und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Pneumokokken-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines 13-valenten Impfstoffes zur Verwendung ab einem Lebensalter von 6 Wochen dargestellt.

Nebenwirkungen der Pneumokokken-Impfung. Die Grafik zeigt, dass bei mehr als zehn in einhundert geimpften Säuglingen und Kindern im Alter von sechs Wochen bis fünf Jahren Reaktionen an der Injektionsstelle, Fieber, Reizbarkeit, verminderter Appetit sowie vermehrter oder verminderter Schlaf vorkommen. Bei bis zu zehn kann Fieber höher als neununddreißig Grad, Erythem, Verhärtung oder Schwellung an der Injektionsstelle (nach Grundimmunisierung bei Säuglingen), Erbrechen, Durchfall oder Ausschlag vorkommen. Bei weniger als einem Säugling oder Kind von einhundert geimpften kann Erythem, Verhärtung oder Schwellung an der Injektionsstelle, Weinen, Krampfanfälle einschließlich Fieberkrämpfe, Urtikaria oder Urtikaria-ähnlicher Ausschlag vorkommen. Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis siebzehn Jahren kann bei mehr als zehn von einhundert geimpften verminderter Appetit, Reizbarkeit, Erythem, Verhärtung, Schwellung oder Schmerz/ Berührungsempfindlichkeit an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit oder mangelhafte Schlafqualität vorkommen. Bei bis zu zehn können Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Urtikaria oder Urtikaria-ähnlicher Ausschlag oder Fieber vorkommen. Bei weniger als einem Kind oder Jugendlichen von einhundert geimpften kann Fieber höher als neununddreißig Grad, Schüttelfrost, Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen, Juckreiz, Lippenherpes, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Appetitlosigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Schläfrigkeit oder Asthma vorkommen.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Fakt 7: Manchmal muss eine Impfung verschoben werden.

Kinder mit hohem Fieber sollten nicht geimpft werden. Sollte Ihr Kind eine akute, schwere und mir Fieber verbundene Erkrankung oder eine Allergie haben, informieren Sie Ihren Arzt oder ihre Ärztin darüber. Nicht-fiebrige Erkrankungen wie ein leichter Schnupfen sind meist unproblematisch, aber fragen Sie in jedem Fall nach. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin unterstützt Sie bei der Impfentscheidung.