Kurze Fakten zu Röteln

Röteln sind eine hochansteckende Virusinfektion. Sie wird durch eine Tröpfcheninfektion (zum Beispiel durch Husten und Niesen) übertragen und hat besonders schwerwiegende Konsequenzen, wenn sich eine schwangere Frau damit ansteckt. Dann kann das ungeborene Kind eine sogenannte Rötelnembryopathie bekommen, eine Schädigung des Ungeborenen während der ersten vier Schwangerschaftsmonate. Fehlgeburten, Frühgeburten oder Fehlbildungen sind die Folge.

Weniger dramatisch verläuft die Krankheit bei schon geborenen Kindern, bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Bei der Hälfte treten keine oder nur ganz leichte Krankheitszeichen auf, so dass die Röteln häufig gar nicht erkannt werden. Bei den anderen 50 Prozent kommt es zu einem kleinfleckigen Hautausschlag, der im Gesicht beginnt und sich dann über den restlichen Körper ausbreitet [1]. Außerdem leiden Erkrankte zum Teil an Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellungen, leichtem Fieber, Bindehautentzündungen oder Schnupfen. Selten treten Komplikationen wie Entzündungen der Gelenke, der Atemwege, der Ohren, des Gehirns oder des Herzmuskels auf. Das Problem dabei: Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, können nur die Symptome gelindert werden. Eine Behandlung der Ursache ist nicht möglich.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Röteln-Symptome bei Kindern

Röteln-Symptome bei Kindern. Die Grafik zeigt ein Mädchen, das Röteln Symptome aufweist. Zu den Symptomen zählen ein leichtes Fieber, Kopfschmerzen, eine Bindehautentzündung, Lymphknotenschwellungen und rote Hautflecken beginnend im Gesicht, die nicht zusammenfließen und dauern von ein bis drei Tagen.

Nicht nur Mädchen und Frauen sollten sich impfen lassen

Auch wenn die Gefahr für Ungeborene am größten ist: Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass es nicht ausreicht, die Röteln-Impfung nur für Mädchen und Frauen mit Kinderwunsch zu empfehlen. Denn dass sich Schwangere anstecken, kann erst dann ganz ausgeschlossen werden, wenn sich Röteln-Infektionen gar nicht mehr ausbreiten. Hierfür müssten über 90 Prozent aller Menschen geimpft sein. Zwar sind in Thüringen bei Schuleintritt rund 93 Prozent der Kinder auseichend geschützt [1]. In Deutschland ist die Impfrate aber insgesamt noch nicht erreicht. Nur 35 Prozent der Erwachsenen wurden hierzulande mindestens einmal gegen Röteln geimpft [2].

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Epidemiologisches Bulletin 16/2018, 
[2] Deutschsprachige Fachinformation.

Röteln-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland (2008–2011)

Röteln-Impfquote nach Altersgruppe in Deutschland zweitausendacht bis zweitausendelf. Die Grafik zeigt, dass bei den achtzehn bis neunundzwanzigjährigen dreiundsiebzig Komma eins Prozent geimpft waren, bei den dreißig bis neununddreißigjährigen siebenunddreißig Komma fünf Prozent und bei den vierzig bis neunundvierzigjährigen waren fünfundzwanzig Komma fünf Prozent geimpft. In der Altersgruppe der fünfzig bis neunundfünfzigjährigen waren vierzehn Komma sechs Prozent und in der Gruppe der sechzig bis vierundsechzigjährigen waren drei Komma neun Prozent geimpft. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt ist:

  • Röteln sind besonders für ungeborene Kinder eine große Gefahr.
  •  Nur wenn 90 Prozent der Bevölkerung gegen Röteln geimpft sind, sind Schwangere vor einer Ansteckung geschützt.
  • Auch für ältere Kinder und Jugendliche kann eine Ansteckung ernsthafte Komplikationen bedeuten.

Röteln-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland

Röteln-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland Die Grafik zeigt, dass jüngere Menschen generell stärker von Röteln betroffen waren als ältere Menschen.  So lag das Minimum der Röteln-Erkrankungen in der Altersgruppe der unter neunzehnjährigen im Jahr zweitausendelf bei vier Fällen und das Maximum im Jahr zweitausenddreizehn bei vierundzwanzig Fällen. Zweitausendsechzehn erkrankten in dieser Altersgruppe elf Personen und zweitausendsiebzehn zehn Personen an Röteln.  In der Altersgruppe der zwanzig- bis neununddreißigjährigen lag das Minimum im Jahr zweitausendsiebzehn bei zwei Fällen und das Maximum im Jahr zweitausenddreizehn bei sechsundzwanzig Fällen.  In der Altersgruppe der vierzig- bis neunundfünfzigjährigen gab es zweitausendelf und –zwölf überhaupt keine Röteln-Erkrankungen. In den darauffolgenden Jahren schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von vier Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn und einem Maximum von elf Fällen im Jahr zweitausendvierzehn.  In der Altersgruppe der sechzig- bis neunundsiebzigjährigen gab es in den Jahren zweitausendelf und zweitausendzwölf ebenfalls keine Fälle von Röteln, in den Jahren zweitausenddreizehn bis zweitausendfünfzehn einen Fall jährlich und im Jahr zweitausendsechzehn und –siebzehn dann drei Fälle von Röteln-Erkrankungen. Die Daten stammen aus dem Robert Koch-Institut.


So sind Röteln nach wie vor eine Gefahr. Bundesweit wurden in den letzten fünf Jahren über 800 Fälle gemeldet [1]. Am meisten betroffen waren dabei Säuglinge und Kinder. 

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Datenbank zur Abfrage der Röteln-Krankheitsfälle.

So wird gegen Röteln geimpft:

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine zweimalige Impfung gegen Röteln. Die Impfung wird üblicherweise gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Mumps als Kombinationsimpfung gegeben:

  • Die erste Teilimpfung sollte im Alter von 11. bis 14. Monat gegeben werden.
  • Die zweite Impfung soll frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres, mit 23 Monaten, gegeben werden.

Kindern und Jugendlichen werden zwei Impfungen empfohlen, weil zwischen fünf und zehn von 100 Geimpften durch die erste Impfung nicht ausreichend geschützt werden. Durch die zweite Impfung können bis zu 99 von 100 Personen einen Impfschutz aufbauen.

Ihr Kind ist noch nicht geimpft? Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin ob und wann Sie es gegen Röteln impfen lassen sollten.

Fünf Fakten zu Röteln:

Fakt 1: Die Impfung ist sicher.

Entgegen eines kursierenden Gerüchts erhöht die Impfung nicht das Risiko, an Autismus zu erkranken. Zahlreiche großangelegte wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt. Entstanden war das Gerücht durch einen Artikel von Andrew Wakefield, der 1998 erschienen war. Es stellte sich heraus, dass der britische Arzt die Studienergebnisse gefälscht hatte. Wakefield war von einem Anwalt beauftragt und bezahlt worden, der die Interessen von Eltern autistischer Kindern vertrat. 2010 wurde sein Artikel vollständig widerrufen, Andrew Wakefield erhielt ein Berufsverbot [1].
Für den in der Vergangenheit beobachteten Anstieg von Autismusfällen gibt es eine gute wissenschaftliche Erklärung: Er liegt vor allem an neueren, sensibleren Diagnosekriterien und dem gesteigerten öffentlichen Bewusstsein für die Erkrankung [2,3,4]. Auch die amerikanische Autismus-Wissenschaftsstiftung (Autism Science Foundation) weist ausdrücklich darauf hin, dass es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus gibt.

Fakt 2: Röteln können schlimme Folgen haben.

Vor allem für ungeborene Kinder. Durch eine Röteln-Infektion werden in den ersten acht Schwangerschaftswochen 90 Prozent der Kinder schwer geschädigt. Zu einem späteren Zeitpunkt sind es noch rund 25 bis 30 Prozent [1]. Während der ersten vier Monate kann es zu Fehlgeburten, Frühgeburten oder zu einer Rötelnembryofetopathie kommen, einer vorgeburtlichen Schädigung des Kindes im Mutterleib. Die möglichen Folgen reichen dabei von Defekten am Herz, an den Augen und dem Gehör, über eine verminderte Blutplättchenzahl und einen kleineren Kopfumfang, bis hin zu einer Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, einer Vergrößerung von Leber und Milz sowie einer Herzmuskelentzündung. 15 bis 20 Prozent der ungeborenen Kinder sterben an der Rötelnembryofetopathie [1].
Doch auch bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kann es zu unschönen Komplikationen kommen: Entzündungen der Gelenke, der Atemwege, der Ohren, des Gehirns oder des Herzmuskels treten in seltenen Fällen auf. Wirksamen Schutz bietet nur eine Impfung!

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Fakt 3: Auch Jungs brauchen eine Röteln-Impfung.

Zwar bräuchten Jungs für sich selbst weniger dringend eine Röteln-Impfung. Ungeschützt können sie aber jede schwangere Frau in ihrer näheren Umgebung gefährden. Im Erwachsenenalter kann das Ansteckungsrisiko auch die eigene Frau und das eigene ungeborene Kind betreffen. Deshalb reicht es nicht aus, wenn nur Mädchen und Frauen gegen Röteln geimpft sind. Erst wenn über 90 Prozent der Bevölkerung zwei Impfdosen erhalten haben, kann ausgeschlossen werden, dass sich Schwangere anstecken. Diese Impfrate ist in Deutschland noch nicht erreicht. Jeder Einzelne zählt!

Fakt 4: Nebenwirkungen der Röteln-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Röteln-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Röteln und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Röteln-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines vierfach-Kombinationspräparat für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken für Kinder ab einem Alter von 12 Monaten dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen Schmerzen und Rötungen an der Injektionsstelle und Fieber von achtunddreißig Grad oder höher auftreten können. Bei etwa bis zu zehn Personen von einhundert geimpften Personen treten Schwellungen an der Injektionsstelle, Fieber von höher als neununddreißig Komma fünf Grad, Reizbarkeit, Hautausschlag wie Flecken und oder Bläschen auf. Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften treten Unwohlsein, Lethargie, Müdigkeit, ungewöhnliches Schreien, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Infektion der oberen Atemwege, Schnupfen sowie Schwellung der Lymphknoten auf.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Fakt 5: Manchmal muss eine Impfung verschoben werden.

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn das Kind eine akute, behandlungsbedürftige Erkrankung hat. Sollte Ihr Kind Fieber oder Allergien haben, informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. Nicht-fiebrige Erkrankungen, wie beispielsweise ein Schnupfen, sind meist unproblematisch. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin unterstützt Sie bei der richtigen Entscheidung.