Kurze Fakten zu Rotaviren

Rotaviren sind die häufigsten Durchfallerreger im Säuglings- und Kleinkindalter weltweit. Vor allem in den ersten Lebensjahren erkranken viele Kinder daran, denn die Viren sind hochansteckend. Bis zum Alter von drei Jahren haben in Deutschland bereits tausende von Kindern eine Erkrankung mit Rotaviren durchgemacht – viele von Ihnen jünger als ein Jahr. Sie äußert sich durch eine Entzündung des Magen-Darm-Trakts, die mit Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber und oft blutigem Durchfall einhergeht. Das ist für kleine Patienten nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich: Aufgrund des Flüssigkeitsverlusts kann die Krankheit für Kleinkinder lebensbedrohlich werden. Unter den Patienten, die wegen der Viren im Krankenhaus behandelt werden müssen, finden sich daher besonders viele, die jünger als zwei Jahre sind. 

Rotaviren-Erkrankungen* nach Altersgruppen in Deutschland

*Rotavirus-Gastroenteritis

Rotaviren-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland von zweitausendelf bis zweitausendsiebzehn Die Grafik zeigt, dass die Altersgruppe der unter vierjährigen am stärksten von Rotaviren-Erkrankungen betroffen war. Gleichzeitig sanken die Erkrankungsfälle in dieser Altersgruppe kontinuierlich über die Jahre von einem Maximum von einunddreißigtausendeinhundertsechsundneunzig im Jahr zweitausendelf auf ein Minimum von achttausendsiebenhundertsiebzehn im Jahr zweitausendsechzehn. Im darauffolgenden Jahr zweitausendsiebzehn zeigt sich dann ein erneuter Anstieg auf fünfzehntausendvierhundertsiebenunddreißig Fälle.  In der Altersgruppe der fünf- bis Neunjährigen lag das Maximum im Jahr zweitausendsiebzehn bei viertausendvierhundert und das Minimum im Jahr zweitausendsechzehn bei zweitausendeinhundertzweiundfünfzig Fällen.  In der Altersgruppe der zehn- bis vierzehnjährigen gab es pro Jahr zwischen dreihundert und neunhundert Erkrankungen mit Rotaviren. Die Daten stammen aus dem Robert Koch-Institut.

Zwar sind Todesfälle aufgrund von Rotavirus-Erkrankungen in Deutschland und auch in Thüringen sehr selten geworden, doch sie kommen noch immer vor. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb, Kinder ab der sechsten Lebenswoche gegen Rotaviren zu immunisieren. Dafür gibt es eine Schluckimpfung, die meist in zwei oder drei Dosen, je nach Impfstoff, verabreicht wird. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffes ist gut, daher besteht kein Grund, das Risiko einer Erkrankung einzugehen.

Fakt ist:

  • Rotaviren sind weltweit die häufigste Ursache für Magen-Darm-Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern.
  • Für kleine Kinder ist eine Infektion gefährlich, weil sie den Flüssigkeits- und Salzverlust nicht gut verkraften. Säuglinge werden daher am häufigsten zur Behandlung ins Krankenhaus eingewiesen.
  • Die Viren sind hochansteckend und werden meist durch Schmierinfektionen oder verunreinigte Gegenstände und Lebensmittel übertragen.
  • Eine Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion, schützt aber effektiv vor schweren Krankheitsverläufen und langen Krankenhausaufenthalten. 

So wird gegen Rotaviren geimpft:

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung von unter 6 Monaten alten Säuglingen. Ein zuverlässiger Schutz gegen die durch Rotaviren verursachten Erkrankungen wird durch zwei bis drei (abhängig zum verwendeten Impfstoff) Schluckimpfungen gewährleistet.

  • Die erste Schluckimpfung kann ungefähr ab einem Alter von 6 Wochen gegeben werden.
  • Die zweite Schluckimpfung bekommt der Säugling frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung
  • Vorzugsweise sollte die Impfung bei Säuglingen die jünger als  16 Wochen sind starten.

Die Impfung sollte auf jeden Fall bis zu einem Alter von 32 Wochen (8 Monaten) abgeschlossen sein. Die Impfung gegen Rotaviren bietet einen Schutz gegen Brechdurchfälle. Da verschiedene Viren-Typen existieren die auch andere Erkrankungen verursachen können, können sich sowohl Kinder als auch Erwachsene mehrfach mit Rotaviren infizieren.

Eine Impfung schützt Kinder zuverlässig vor einer potenziell lebensbedrohlichen Infektion mit Rotaviren die Brechdurchfälle auslösen.

Sechs Fakten zu Rotaviren:

Fakt 1: Rotaviren sind hochansteckend.

Rotaviren sind hochansteckend und verbreiten sich meist von Mensch zu Mensch – etwa durch Schmierinfektionen. Sie sind außerdem extrem robust, überleben selbst auf glatten Oberflächen einige Tage und halten vielen Desinfektionsmitteln stand. In Studien konnten selbst nach zwei Wochen noch Rotaviren auf Legosteinen nachgewiesen werden. Dummerweise sind die Viren aber nicht nur besonders zäh, sondern auch effektiv: Bei einem Säugling reichen bereits zehn Viren, um eine Durchfallerkrankung auszulösen. Erkrankte scheiden allerdings ohnehin so große Mengen aus, dass eine Ansteckung selbst durch gute Hygiene-Maßnahmen kaum zu verhindern ist. Unabhängig von der hygienischen Situation in verschiedenen Ländern hat daher fast jeder Mensch bis zum Alter von fünf Jahren eine Rotavirus-Infektion durchgemacht [1]. 

Rotaviren-Erkrankungen* in Deutschland

*Rotavirus-Gastroenteritis

Rotaviren-Erkrankungen in Deutschland zwischen zweitausendsechs und zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt die Anzahl der Rotaviren-Erkrankungen, die in den Jahren zweitausendsechs bis zweitausendsiebzehn nachgewiesen wurden. Die jährlichen Fallzahlen seit zweitausendsechs schwankten mit abnehmender Tendenz zwischen einem Maximum von siebenundsiebzigtausendfünfhundertsechsundsechzig im Jahr zweitausendacht und dem Minimum von zweiundzwanzigtausendsiebenhundertdreiunddreißig im Jahr zweitausendsechzehn. Im Jahr zweitausendsiebzehn stieg die Zahl der Rotaviren-Erkrankungen wieder an, auf achtunddreißigtausendzweihundertachtundfünfzig Fälle. Diese Zahlen werden vom Robert Koch-Institut erhoben.

Fakt 2: Die Wirksamkeit der Impfung ist hoch.

Selbst eine Impfung kann eine Infektion mit Rotaviren nicht vollständig ausschließen. Laut klinischen Studien schützt sie allerdings in über 90 Prozent der Fälle vor schweren Krankheitsverläufen und notwendigen Krankenhausaufenthalten [1]. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schluckimpfung für Kinder daher ab der sechsten Lebenswoche. Sie profitieren am meisten von einem Impfschutz gegen Rotaviren, da die Erkrankung bei Säuglingen häufig besonders schwer verläuft. Von allen Altersgruppen landen sie am häufigsten im Krankenhaus oder sterben sogar an der Krankheit. Bei Erwachsenen verläuft sie hingegen meist sehr mild. Eine Impfung ist für Kinder auch deshalb wichtig, weil es keine Therapie gegen die Infektion gibt. Eine Behandlung zielt nur darauf ab, die Symptome zu lindern und Flüssigkeitsverluste auszugleichen. 

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Fakt 3: Hygiene schützt nur bedingt vor Rotaviren.

Wer einige Hygieneregeln beachtet, kann die Ansteckungsgefahr durch Rotaviren etwas eindämmen. Am wichtigsten ist dabei konsequentes und sorgfältiges Händewaschen, vor allem nach dem Toilettengang, dem Windelwechseln und vor dem Kochen. Auch die gründliche Reinigung von Türklinken, Armaturen und Spielzeug sowie das häufige Waschen von Handtüchern und Bettwäsche bei 60 Grad schützt, denn Rotaviren reagieren empfindlich auf Hitze. Sonst allerdings ist ihnen nur schwer beizukommen: Sie sind extrem robust und überleben auf vielen Oberflächen deutlich länger als andere Viren. Außerdem reichen winzige Mengen für eine Infektion aus. Daher sind Hygienemaßnahmen zwar sinnvoll, können Ansteckungen in aller Regel aber nicht verhindern. Echten Schutz bietet nur die Impfung. 

Fakt 4: Die Impfung ist sicher.

In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Rotaviren für den deutschen Markt zugelassen. Diese wurden erst nach einer Prüfung durch das Paul-Ehrlich-Institut zugelassen. Die Sicherheit der Impfstoffe wurde in Zulassungsstudien mit über 10.000 Teilnehmern getestet. Auch nach der Zulassung werden diese immer weiter kontrolliert. Wird Ihr Kind in Deutschland geimpft, wurde diese Charge im Rahmen der sogenannten Chargenprüfung durch das Paul-Ehrlich-Institut nochmals geprüft. 

So wird ein Impfstoff geprüft

So wird ein Impfstoff geprüft. Die Graphik zeigt die verschiedenen Stufen der Prüfung von Impfstoffen durch das Paul-Ehrlich-Institut. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, wird dieser zuerst an Tieren und zuletzt an bis zu 10000 Menschen getestet auf Wirksamkeit, Sicherheit und Effektivität. Selbst nach der Zulassung werden Impfstoffe im Einsatz überwacht.

Darminvagination ist eine insgesamt seltene Erkrankung, die insbesondere bei Kindern innerhalb des ersten Lebensjahres vorkommt. Die Häufigkeit beträgt in Deutschland ca. 60 – 100 Fälle auf 100.000 Säuglinge innerhalb des ersten Lebensjahres [1]. Durch die Prüfungen weiß man, dass sehr selten, also zusätzlich ein bis zwei Fälle je 100.000 geimpften Kindern, eine Darminvagination auftreten kann [2]. Sollte Ihr Kind in den ersten Wochen nach der Schluckimpfung starke Bauchschmerzen haben, anhaltend Erbrechen und/oder einen blutigen Stuhlgang haben, sollten Sie es unbedingt ärztlich untersuchen lassen. 

Übrigens ist das Risiko einer Darminvagination noch geringer, wenn die Impfung Ihres Kindes bereits im Alter von 6 bis 12 Wochen beginnt. Dies ist auch der Zeitraum den die STIKO zum Start der Impfung empfiehlt.

Fakt 5: Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Rotaviren-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Erkrankung und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines Impfstoffes zur Verwendung ab einem Lebensalter von 6 Wochen dargestellt.

Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Personen bei etwa bis zu zehn Personen Durchfall und Reizbarkeit auftreten können. Bei weniger als einer Person können Bauchschmerzen, Blähungen und Dermatitis auftreten.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Fakt 6: Nicht alle Kinder sollen die Impfung bekommen.

Kinder mit einer Neigung für eine solche Invagination sollten die Impfung nicht bekommen. Auch eine angeborene oder vermutete Immunschwäche kann gegen die Impfung sprechen. Generell gilt: Kinder mit hohem Fieber sollten nicht geimpft werden. Sollte Ihr Kind eine akute, schwere und mir Fieber verbundene Erkrankung oder eine Allergie haben, informieren Sie Ihren Arzt oder ihre Ärztin darüber. Nicht-fiebrige Erkrankungen wie ein leichter Schnupfen sind meist unproblematisch, aber fragen Sie in jedem Fall nach. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin unterstützt Sie bei der Impfentscheidung.