Kurze Fakten zu Windpocken

In Deutschland sind sie unter den Infektionskrankheiten am häufigsten: Windpocken, auch Varizellen genannt. Sie werden durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst. Rund 25.000 Erkrankte gibt es hierzulande pro Jahr, vor allem Kleinkinder sind betroffen [1]. Dabei könnten die Ansteckungen durch eine Impfung eigentlich verhindert werden.

Windpocken-Viren werden extrem leicht übertragen – fast jeder Kontakt mit Erkrankten führt zur Ansteckung. Sie werden meist durch Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion) verbreitet, eine Ansteckung ist aber auch durch die Flüssigkeit aus den Bläschen des Hautausschlags möglich. Die Viren aus diesen Windpocken-Bläschen schweben lange Zeit in der Luft und können auch in großer Entfernung noch eingeatmet werden. Daher der Name: „Windpocken“.

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[1] Datenbank zur Abfrage der Windpocken-Krankheitsfälle.

Windpocken-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland

Windpocken-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland in den Jahren zweitausendelf bis zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt, dass die Altersgruppe der unter neunzehnjährigen am stärksten von Windpocken betroffen ist. Hier stiegen die Fälle kontinuierlich über die Jahre an, ausgehend von einem Minimum von tausendvierhundertzweiundfünfzig Fällen in zweitausendelf auf ein Maximum von zweiundzwanzigtausendachtundachtzig Fälle im Jahr zweitausendsechzehn.  In Gegensatz dazu gab es in den höheren Altersgruppen insgesamt wesentlich weniger Windpocken-Erkrankungen. In der Altersgruppe der zwanzig- bis neununddreißigjährigen zeigt sich allerdings ebenfalls ein ansteigender Verlaufstrend der Erkrankungsfälle, wenngleich auf einem viel geringeren Niveau: hier stiegen die Fälle ausgehend von einem Minimum von neununddreißig Fällen im Jahr zweitausend elf auf ein Maximum von tausendsechshundertfünfundachtzig im Jahr zweitausendsechzehn. Zweitausendsiebzehn sank die Zahl erstmalig wieder auf tausenddreihundertzwanzig Fälle. In der Altersgruppe der vierzig bis neunundfünfzigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von achtundzwanzig Fällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von siebenhunderteinundzwanzig Fällen im Jahr zweitausendsechzehn.  In der Altersgruppe der sechzig bis neunundsiebzigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von zwanzig Fällen im Jahr zweitausendzwölf und einem Maximum von vierhundert Fällen im Jahr zweitausendvierzehn. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt ist:

  • Windpocken können mit lebensbedrohlichen Komplikationen einhergehen.
  • Säuglinge und Menschen mit geschwächtem Immunsystem können nicht selbst gegen Windpocken geimpft werden. Sie sind darauf angewiesen, dass ihr Umfeld sie vor einer Ansteckung schützt.
  • Die Impfung schützt erfolgreich vor einer Ansteckung mit Windpocken.

So wird gegen Windpocken geimpft:

Seit August 2004 wird die Varizellen-Schutzimpfung deshalb von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendliche empfohlen:

  • Die erste Dosis der Impfung soll im Alter von 11 bis 14 Monaten erfolgen.
  • Die 2. Dosis Varizellenimpfstoff sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten gegeben werden.

Bei allen ungeimpften Kindern, die bisher keine Windpocken hatten, sollte die Varizellen-Impfung mit zwei Dosen möglichst bald nachgeholt werden. Nur einmal geimpfte Kinder und Jugendliche sollen eine zweite Impfung bekommen, da eine Erkrankung bei älteren Kindern und Jugendlichen mit einer höheren Komplikationsrate einhergeht. Beide Teilimpfungen können auch in Kombination mit den Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV-Kombinationsimpfstoff) erfolgen.

Ihr Kind ist noch nicht geimpft? Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über geeignete Impftermine.

Symptome und mögliche Folgen von Windpocken

Ungefähr ein bis drei Wochen nach der Ansteckung leiden Betroffene häufig an Fieber und Abgeschlagenheit. In einem zweiten Schritt entwickelt sich ein Hautausschlag mit Bläschen, der im Gesicht und am Körper beginnt und sich anschließend auch auf Arme und Beine ausbreitet. Auch die Schleimhäute und die behaarte Kopfhaut können befallen sein. Damit sich der Ausschlag nicht entzündet und keine bakterielle Infektion entsteht, ist eine sorgfältige Hautpflege in dieser Zeit sehr wichtig. Nach ein bis zwei Wochen heilen die Bläschen wieder ab. Doch auch nachdem die Windpocken verschwunden sind, können die Viren noch in bestimmten Bereichen der Nervenendigungen verbleiben. Vor allem bei Kindern mit geschwächter Abwehr kann ein schmerzhafter Hautausschlag und eine Entzündung im Bereich des betroffenen Nervs entstehen. Es entwickelt sich dann eine sogenannte Gürtelrose (Herpes Zoster).

Windpocken-Symptome bei Kindern

Windpocken-Symptome bei Kindern. Die Grafik zeigt ein Mädchen, das Windpocken Symptome aufweist. Zu den Symptomen zählen Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Unwohlsein und ein juckender Hautausschlag mit wasserklaren Bläschen sowie „Sternenhimmel“.

Insgesamt verläuft die Erkrankung bei Jugendlichen und Erwachsenen schwerer als bei Kindern. Doch insbesondere bei Neugeborenen sowie Kindern und Jugendlichen mit geschwächter Immunabwehr kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Das Fatale: Genau diese Risikogruppen können nicht selbst gegen Windpocken geimpft werden. Sie sind darauf angewiesen, dass sie von den Menschen in ihrer Umgebung vor einer Ansteckung geschützt werden.

Vier Fakten zu Windpocken:

Fakt 1: Windpocken können schwere Folgen haben.

Bei etwa sechs Prozent der Windpockenfälle kommt es zu mehr oder weniger schweren Komplikationen. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass 25 bis 40 Menschen jedes Jahr an den Folgen einer Windpocken-Infektion sterben [2]. Vor allem bei Neugeborenen, Personen mit geschwächter Immunabwehr und Patienten unter einer immunsuppressiven Therapie verläuft die Erkrankung bisweilen schwer. Aber auch bei ansonsten gesunden Kindern können gefährliche Komplikationen auftreten. Dazu zählen: bakterielle Superinfektionen, Lungenentzündungen, kleinhirnbedingte Koordinationsstörungen, Sepsis, Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute, Gelenkbeschwerden, Leberentzündungen oder Veränderungen der Blutgefäße, die zu Schlaganfällen führen können. Schützen Sie Ihr Kind mit einer Impfung vor diesen Folgen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin berät Sie, ob und wann eine Impfung für Ihr Kind sinnvoll ist.

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[2] Epidemiologisches Bulletin 49/2004.

Fakt 2: Die Impfung schützt erfolgreich.

Vor der allgemeinen Impfempfehlung gab es in Deutschland durchschnittlich etwa 750.000 Erkrankungen pro Jahr [3]. Nach Einführung der allgemeinen Impfempfehlung gingen die Erkrankungszahlen bereits in den ersten acht Jahren um insgesamt 85% zurück [3]. Heute erkranken nur noch rund 25.000 Menschen jährlich an Varizellen [4]. Der Rückgang zeigte sich in allen Altersgruppen, am stärksten jedoch bei den (Klein-) Kindern. Auch in den Altersgruppen, für die es keine generelle Impfempfehlung gibt (wie Säuglinge und Erwachsene), sank die Zahl der Windpockenpatienten. Diese Tatsache kann damit erklärt werden, dass sich durch die Impfung der Gemeinschaftsschutz verbessert hat und der Virus in Deutschland weniger zirkuliert. Ein weiterer Beleg für die Wirksamkeit der Impfung: Auch die Zahl der Komplikationen durch Varizellen ist ebenfalls stark rückläufig. Sie sank von 142 auf 10 im sechsten Jahr, also um 93 % [5].

Fakt 3: Nebenwirkungen der Windpocken-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Windpocken-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Windpocken und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Windpocken-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines vierfach-Kombinationspräparat für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken für Kinder ab einem Alter von 12 Monaten dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen Schmerzen und Rötungen an der Injektionsstelle und Fieber von achtunddreißig Grad oder höher auftreten können. Bei etwa bis zu zehn Personen von einhundert geimpften Personen treten Schwellungen an der Injektionsstelle, Fieber von höher als neununddreißig Komma fünf Grad, Reizbarkeit, Hautausschlag wie Flecken und oder Bläschen auf. Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften treten Unwohlsein, Lethargie, Müdigkeit, ungewöhnliches Schreien, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Infektion der oberen Atemwege, Schnupfen sowie Schwellung der Lymphknoten auf.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Fakt 4: Manchmal muss eine Impfung verschoben werden.

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn das Kind eine akute, behandlungsbedürftige Erkrankung hat. Sollte Ihr Kind Fieber oder Allergien haben, informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. Nicht-fiebrige Erkrankungen, wie beispielsweise ein Schnupfen, sind meist unproblematisch. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin unterstützt Sie bei der richtigen Entscheidung.