Auch für Erwachsene sind Impfungen wichtig

Und, fällt Ihnen spontan ein, wo Sie Ihren Impfausweis verstaut haben? Keine Idee? Da müssten Sie erst suchen? Damit sind Sie nicht alleine. So wie Ihnen geht es vielen Erwachsenen. In den „besten Jahren“ denken wir häufig nicht mehr über unseren Impfschutz nach. Dabei sind Impfungen nicht nur für Kinder und Menschen über 60 wichtig. Auch als fitter Erwachsener können Sie an Infektionen erkranken. Lassen Sie deshalb spätestens alle zehn Jahre Ihren Impfstatus prüfen. Damit schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihre Freunde und Ihre Familie.

Fakt ist:

  • Nicht-Impfen gefährdet die Lebensqualität der ganzen Familie.
  • Impfen hat viele positive Effekte und sehr wenige Nebenwirkungen.
  • Impfungen fördern keine Allergien.

Wieso schützt eine Impfung Ihre Freunde und Familie?

Wenn sich genügend Menschen in Thüringen impfen lassen, werden auch die Menschen geschützt, die nicht geimpft werden können. Zum Beispiel Babys oder Menschen mit stark geschwächten Immunsystem (wie Krebspatienten mit Chemotherapie). Sie sind darauf angewiesen, dass sich die Menschen in ihrem Umfeld impfen lassen und sie so vor der Ansteckung mit Krankheiten schützen. Dieses Phänomen wird als Gemeinschaftsschutz (auch „Herdenimmunität”) bezeichnet.

Gemeinschaftsschutz

Gemeinschaftsschutz. Die Grafik zeigt drei verschiedene Varianten der Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten, in einer Gruppe von Menschen von denen einige geimpft und einige nicht. Variante eins: Niemand ist geimpft. Ansteckende Krankheiten verbreiten sich ungehindert, fast alle erkranken.  Variante zwei: Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist geimpft. Ansteckende Krankheiten verbreiten sich teilweise, weniger Mitbürger erkranken. Variante drei: Ein Großteil der Bevölkerung ist geimpft. Die Verbreitung ansteckender Krankheiten wir verhindert, kaum jemand erkrankt.

Empfohlene Impfungen für Sie

Auf der Basis jahrelanger wissenschaftlicher Forschung zum Thema Impfen, hat ein unabhängiges Gremium aus Wissenschaftlern und Ärzten („Ständige Impfkommission”, STIKO) Empfehlungen erarbeitet, gegen welche Viren und Bakterien Sie sich impfen lassen sollten. Dabei werden der Nutzen und mögliche Nebenwirkungen abgewogen – sowohl für den Einzelnen als auch für alle Bürger. Die empfohlenen Impfungen sind für Sie kostenfrei.

Empfohlene Impfungen für Sie sind gegen folgende Erkrankungen:

  • Masern – einmalige Impfung für alle nach 1970 geborenen Personen über 18 mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit.
  • Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten – Auffrischung der Impfung oder falls Sie noch nicht geimpft wurden, eine Grundimmunisierung.
  • Kinderlähmung (Polio) – sollten Sie noch nicht geimpft sein oder Ihr Impfschutz gegen Kinderlähmung unvollständig sein, wird empfohlen diese Impfung nachzuholen.
  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis – eine durch Viren verursachte Gehirn-, Hirnhaut-, oder Rückenmarksentzündung) – für Personen, die in FSME-Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen.
  • Röteln – für Frauen im gebärfähigem Alter, falls Sie sich unsicher sind über Ihren Impfstatus oder wissen, dass Sie noch nicht geimpft wurden.
  • Windpocken (Varizellen) – Frauen mit Kinderwunsch, die keinen Impfschutz haben oder noch nicht an Windpocken erkrankt waren, sollten diese Impfung nachholen.

Impfen schützt – Nicht-Impfen gefährdet

Seit mehr als 100 Jahren werden in Deutschland meldepflichtige Infektionskrankheiten erfasst. Waren es zu Beginn nur „Volksseuchen“, wie z. B. Lepra, Cholera oder Fleckfieber, kamen bald Krankheiten wie Tuberkulose, Hirnhautentzündung, Masern, Kinderlähmung und Diphtherie hinzu. All diese Krankheiten kosteten jedes Jahr Tausenden Menschen das Leben.
So erkrankte z. B. vor der Einführung der Impfung fast jedes Kind an Masern – mit teilweise erheblichen Folgeschäden wie Lähmungen und geistigen Behinderungen. Auch Krankheiten, deren Namen wir nur noch aus Erzählungen kennen, wurden durch Impfungen und bessere Lebensumstände zurückgedrängt. Allerdings können diese Krankheiten, wie z. B. Kinderlähmung (Poliomyelitis), wieder stärker aufkommen, wenn sich nicht genug Menschen dagegen impfen lassen.

Wussten Sie? Sollten Sie keinen ausreichenden Impfschutz haben, reicht eine Standardimpfung gegen Masern aus, um Ihren Impfschutz aufzubauen. 

Und was ist mit Nebenwirkungen?

Wie alle anderen medizinischen Produkte könnenann auch die Impfungen Nebenwirkungen verursachen. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Dies sind Anzeichen dafür, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert und gerade dabei ist, den Körper gegen eine mögliche Infektion zu wappnen. Diese Nebenwirkungen sind aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Impfungen Allergien verursachen können. Dieser Irrtum kann entstehen, weil es heutzutage sowohl mehr Impfungen als auch mehr Allergien gibt. Auch wenn zwei Dinge gleichzeitig auftreten, heißt das nicht, dass sie etwas miteinander zu tun haben.

Die Erfahrung aus Deutschland bestätigt das: In der ehemaligen DDR gab es eine  gesetzliche Impfpflicht und fast alle Kinder waren geimpft. Es gab kaum Allergien. Diese nahmen in den neuen Bundesländern erst nach der Wende zu, während zeitgleich die Impfquoten sanken [1]. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien [2]. Generell gilt: Impfungen sind sehr sicher.

Quellen (öffnen in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation,
[2] Webseite des Robert Koch Instituts.

Und was ist mit den Zusatzstoffen?

Alle Inhaltsstoffe in den zugelassenen Impfungen sind vom Bundesinstitut für Impfstoffe (Paul-Ehrlich-Institut) geprüft. Es gilt: Die Zusatzstoffe von Impfungen sind sicher.  

So wird ein Impfstoff geprüft

So wird ein Impfstoff geprüft. Die Graphik zeigt die verschiedenen Stufen der Prüfung von Impfstoffen durch das Paul-Ehrlich-Institut. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, wird dieser zuerst an Tieren und zuletzt an bis zu 10000 Menschen getestet auf Wirksamkeit, Sicherheit und Effektivität. Selbst nach der Zulassung werden Impfstoffe im Einsatz überwacht.

So geht Impfen

Sie können sich bei Ihrem Hausarzt, Frauenarzt oder Internisten impfen lassen. Auch einige Gesundheitsämter bieten Impfungen an. Die Kosten der empfohlenen Impfungen werden von den Krankenkassen übernommen.

Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zu empfohlenen Impfungen kurz zusammengefasst.
Wir wollen Ihnen wissenschaftlich fundiert und gut verständlich Informationen für eine eigenständige Entscheidung bieten.