Kurze Fakten zur Diphtherie

„Würgeengel der Kinder“ wurde Diphtherie früher im Volksmund genannt. Mit gutem Grund: Die Infektionskrankheit forderte jahrhundertelang unzählige Kinderleben. Verursacht wird sie von Bakterien, übertragen wird sie durch Tröpfcheninfektion oder direkten Körperkontakt. Typische Symptome sind Fieber, Halsschmerzen, Unwohlsein, weißlicher Belag im Rachenraum und Atemnot. In schweren Fällen kann es zu Erstickung, Kreislaufversagen, Entzündung des Herzmuskels, Herzversagen und Lähmungen kommen. Dabei sucht der „Würgeengel“ keineswegs nur Kinder heim – auch Erwachsene sind betroffen. Heute sind die Erkrankungszahlen zum Glück deutlich geringer, denn mittlerweile stehen uns gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung. Nutzen wir dieses Angebot jedoch nicht, dann kann es auch in Europa zu neuen Ausbrüchen kommen.

Diphtherie-Erkrankungen und Impfquote weltweit (1980–2015)

Diphtherie-Erkrankungen und Impfquote weltweit neunzehnhundertachtzig bis zweitausendfünfzehn. Die Grafik zeigt in einer Gegenüberstellung der Diphtherie-Erkrankungen und der Impfquote weltweit, dass mit steigender Impfquote die Anzahl der Diphtherie-Erkrankungen abnimmt.

Fakt ist:

  • Nur dank der hohen Impfquote ist Diphtherie in Deutschland heute so selten.
  • Sie sollten sich also auch dann impfen lassen, wenn Sie bereits einmal an Diphtherie erkrankt waren. Eine überstandene Diphtherie-Erkrankung schützt nicht sicher vor erneuter Ansteckung.
  • Diphtherie ist ansteckend. Ihre Impfung trägt zum Schutz von anderen bei.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Diphtherie allen Personen,

  • die nicht dagegen geimpft sind,
  • deren Grundimmunisierung nicht vollständig ist oder- deren letzte Auffrisch-Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt.

Die von der STIKO empfohlenen Impfungen werden übrigens von den Krankenkassen übernommen und sind für Sie kostenlos. Noch nicht geimpft? Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob und wann Sie sich gegen Diphtherie impfen lassen sollten.

Vier Fakten zu Diphtherie

Fakt 1: Die Diphtherie-Impfung schützt.

Über Jahrhunderte forderte Diphtherie überall auf der Welt unzählige Todesopfer. Erst die Entwicklung des Diphtherie-Serums durch Emil von Behring konnte den Erreger eindämmen. Heute gehört die Impfung zum Standard für Kleinkinder. Auch für Erwachsene wird eine Auffrisch-Impfung dringend empfohlen, denn Diphtherie ist in anderen Ländern noch immer verbreitet und kann jederzeit wieder nach Deutschland eingeschleppt werden. Nur solange ein genügend großer Teil der Bevölkerung (95%) geimpft ist, werden Ausbrüche verhindert. Dabei ist es wichtig zu wissen: Auch wer bereits einmal Diphtherie durchgemacht hat, muss geimpft werden, denn die überstandene Krankheit bietet keinen dauerhaften Immunschutz. Nach drei Impfungen sind dagegen 94 bis 100 Prozent der Geimpften ausreichend geschützt. Der Impfschutz hält ca. zehn Jahren an und sollte dann wieder aufgefrischt werden.

Diphtherie-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland (2008–2011)

Diphtherie-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland im Jahr zweitausendacht bis zweitausendelf. Die Grafik zeigt, dass mit zunehmendem Alter die Impfquote abnimmt. Bei den achtzehn bis neunundzwanzigjährigen sind neunzig Komma neun Prozent geschützt. Bei den sechzig bis fünfundsechzigjährigen sind es noch sechsundsiebzig Komma zwei Prozent und bei den siebzig bis neunundsiebzigjährigen noch siebzig Komma sieben Prozent.

Fakt 2: Diphtherie ist selten – dank der Impfung.

Während in den 50er Jahren noch über 4.000 Deutsche an Diphtherie starben, waren es in den 60ern nur noch 273 Menschen. Seit 1984 werden – dank hoher Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen – nur noch Einzelfälle gemeldet [1]. Trotzdem ist die Gefahr nicht gebannt. Durch den internationalen Reiseverkehr und Migrationsbewegungen kann die Krankheit jederzeit wieder ausbrechen. Lassen Sie sich deshalb von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin beraten, ob bei Ihnen eine Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung fällig ist, und schützen Sie damit sich und Ihre Nächsten vor der Infektion. 

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Diphtherie-Erkrankungen in Deutschland

Diphtherie-Erkrankungen in Deutschland. Die Grafik zeigt die Anzahl der Fälle in Deutschland zwischen neunzehnhundertfünfundsechzig und zweitausendfünfzehn. Neunzehnhundertfünfundsechzig gab es in Deutschland noch vierhundertfünfzehn Fälle, neunzehnhundertsiebzig nur noch dreiundsechzig und neunzehnhundertachtzig nur noch neunzehn Fälle. Zweitausendfünfzehn gab es wieder vierzehn Fälle von Diphtherie in Deutschland.

Fakt 3: Bei Auslandsreisen ist eine Impfung besonders wichtig.

Auch wenn Diphtherie in den Industrienationen nur noch selten vorkommt, ist die Krankheit in einigen Regionen dieser Welt weiterhin ein Thema. Das trifft beispielsweise auf Russland, Lettland, Afghanistan, Indien, Indonesien, die Philippinen, Haiti und einige afrikanische Länder zu.

Vor Reisen in Gegenden, in denen die Erkrankung stärker grassiert, wird die Impfung deshalb dringend empfohlen. Sie sollten den Impfschutz gegen Diphtherie frühzeitig vor ihrer Auslandsreise überprüfen lassen, denn nur ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland ist ausreichend geschützt [1]. Zählen Sie dazu? Lassen Sie sich von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin beraten und informieren Sie sich vor Ihrer Reise auf den Seiten des Auswärtigen Amtes über die Gesundheitsrisiken am Reiseziel.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Fakt 4: Nebenwirkungen der Diphtherie-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Diphtherie-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Diphtherie und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Diphtherie-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines eines vierfach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung für Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr und Erwachsene dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Kindern im Alter zwischen vier bis acht Jahre bei mehr als zehn Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Schläfrigkeit vorkommen. Bei weniger als zehn Personen kann Fieber bis zu siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, Blutung, Juckreiz und Verhärtung an der Injektionsstelle, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit und Kopfschmerzen auftreten. Bei bis zu einem Kind von einhundert geimpften Kindern kommt es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit, trockener Rachen und Müdigkeit.  Bei Kindern über zehn Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen kann es bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen zu Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen kommen. Bei einer bis zu zehn von einhundert geimpften Personen kann es zu Fieber von siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, zu Bluterguss, Juckreiz und Verhärtung, Wärme und Taubheit an der Injektionsstelle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei weniger als einer Person kommt es zu Fieber höher als neununddreißig Grad Celsius, Schüttelfrost, Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen, Juckreiz, Lippenherpes, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Appetitlosigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Schläfrigkeit und Asthma kommen. Bei mehr als zehn Personen verringerter Appetit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Schreien, Reizbarkeit, Rötung, Schmerz und Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber auftreten können.  Bei etwa bis zu zehn Personen von geimpften Personen können Diarrhö, Induration, Bluterguss oder Knötchen an der Injektionsstelle auftreten.  Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften Personen können verstärkter Appetit, Schlafstörung einschließlich Schlaflosigkeit, Unruhe, Schnupfen, Schwellung von Lymphknoten, erniedrigter Blutdruck, Husten, Blässe, Bauchschmerz, allgemeiner Ausschlag, übermäßige Schweißproduktion, Ausschlag und Erwärmung an der Injektionsstelle sowie Müdigkeit auftreten können.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.