Kurze Fakten zur Kinderlähmung

Kinderlähmung trifft nur Kinder? Von wegen. Auch Erwachsene können davon betroffen sein. Die Erkrankung, in der Fachsprache Poliomyelitis (kurz: Polio) genannt, wird durch ein Virus verursacht und von Mensch zu Mensch übertragen. In schweren Fällen leiden die Betroffenen unter Lähmungen der Beine, Arme, Augenmuskeln, des Bauchs oder des Brustkorbs. Lebensgefährlich wird es, wenn auch die Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur betroffen ist.

Vor Einführung der Impfung im Jahr 1955 waren Polioviren weltweit verbreitet [1]. Auch in Mitteleuropa grassierte der Erreger so schlimm, dass sich die Menschen meist schon im Kindesalter damit ansteckten. So kam es zu dem Namen: „Kinderlähmung“. Heute tritt Polio in nur noch wenigen Regionen auf, etwa in Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Pakistan und Syrien [1,2]. Doch auch in poliofreien Ländern wie Deutschland könnte die Kinderlähmung wieder zum Problem werden, wenn sich nicht ein großer Teil der Bevölkerung dagegen impfen lässt.

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Epidemiologisches Bulletin 20/2015,
[2] Englischsprachige Fachinformation.

Kinderlähmung-Erkrankungen weltweit (2017)

Kinderlähmung-Erkrankungen weltweit im Jahr zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt eine Weltkarte, in der Regionen markiert sind, in denen Fälle von Kinderlähmung (Poliowildvirus Typ) I im Jahr zweitausendsiebzehn noch auftraten. Dazu gehören die Regionen Afghanistan, Pakistan, Syrien und der Demokratischen Republik Kongo. In der Demokratischen Republik Kongo gab es keine Fälle von Kinderlähmung aber 22 Fälle mit vom Impfstoff abgeleiteten virulenten Polioviren. In Syrien gab es ebenfalls keine Fälle von Kinderlähmung aber 74 Fälle mit vom Impfstoff abgeleiteten virulenten Polioviren. In Afghanistan gab es vierzehn Fälle und in Pakistan acht Fälle von Kinderlähmung. Diese Daten werden von der Weltgesundheitsorganisation zur Verfügung gestellt.


Noch nicht geimpft?
Fragen Sie am besten Ihren Arzt/Ihre Ärztin, ob und in welchen Abständen Sie sich gegen Poliomyelitis impfen lassen sollten.

Fakt ist:

  • Nur die vollständige Impfung schützt vor einer Ansteckung mit Polioviren.
  • Bei einer von 200 Infektionen kommt es zu unheilbaren Schäden.
  • Sind nicht genügend Menschen gegen Kinderlähmung geimpft, können sich die Viren auch in Deutschland wieder ausbreiten. Polio ist weiterhin eine Gefahr!

Vier Fakten zur Kinderlähmung (Polio):

Fakt 1: Die Polio-Impfung schützt erfolgreich.

Im Jahr 1988 setzte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Ziel, die Kinderlähmung weltweit einzudämmen. Die flächendeckenden Impfungen zeigten beachtlichen Erfolg: 80% der Weltbevölkerung lebt heute in poliofreien Gebieten [1]. Über 16 Millionen Menschen wurden durch das Impfprogramm vor unheilbaren und zum Teil tödlichen Lähmungen bewahrt [1]. Allerdings verhinderten Krisen und Konflikte bisher, dass die Erkrankung komplett aus der Welt geschafft werden konnte. So gab es in den letzten Jahren immer wieder örtlich begrenzte Epidemien durch Polioviren, z. B. in Afrika und Asien [2,3]. Die WHO befürchtet, dass es bis 2020 weltweit rund 200.000 neue Fälle pro Jahr geben könnte [1]. 

Kinderlähmung-Erkrankungen in Deutschland

Kinderlähmung-Erkrankung in Deutschland. Die Grafik zeigt, die Anzahl der erkrankten Fälle an Kinderlähmung im Zeitraum von neunzehnhundertfünfundfünfzig bis zweitausendfünfzehn. Im Jahr neunzehnhundertfünfundfünfzig betrug die Anzahl der Fälle viertausendeinhundertsechsundfünfzig, welche sich auf ein Maximum von viertausenddreihundertvierundzwanzig Fälle im Jahr neunzehnhundertsechzig steigert. Neunzehnhundertfünfundsechzig nimmt die Anzahl der Fälle rapide ab und sinkt auf neunundvierzig. Von neunzehnhundertfünfundneunzig bis zweitausendfünfzehn sind keine Fälle der Kinderlähmung aufgetreten. Diese Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt 2: Kinderlähmung ist weiterhin eine Gefahr.

Zahlreiche Beispiele zeigen: Sind zu wenige Menschen in einem Land dagegen geimpft, kann die Kinderlähmung zurückkehren. Auch nach Europa und Deutschland. So geschehen beispielsweise im Jahr 2015, als neue Fälle in der Ukraine auftraten [1]. Weil der internationale Reiseverkehr die Welt so eng vernetzt, kann der Erreger leicht aus dem Ausland eingeschleppt werden – und sich erneut ausbreiten, wenn die Bevölkerung nicht ausreichend dagegen geschützt ist. Deshalb bleibt die Impfung gegen Kinderlähmung weiterhin wichtig! Die Zirkulation des Poliovirus, dem Verursacher der Kinderlähmung, kann nur verhindert werden, wenn über 95% der Bevölkerung gegen den Erreger geimpft sind. Aktuell trifft das allerdings nur auf 85,6% der Erwachsenen in Deutschland zu [2]. Lassen Sie sich jetzt von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin beraten, ob bei Ihnen eine Grundimmunisierung oder Auffrisch-Impfung angeraten ist, und schützen Sie damit sich und Ihre Nächsten vor dem Virus.

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Epidemiologisches Bulletin 38/2015, 
[2] Deutschsprachige Fachinformation.

Kinderlähmung-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland (2008–2011)

Kinderlähmung-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland zweitausenddreizehn. Die Grafik zeigt, dass die Impfquote der achtzehn bis neunundzwanzigjährigen zweiundneunzig Komma sechs Prozent war, bei den dreißig bis neununddreißigjährigen neunundachtzig Komma drei Prozent, bei den vierzig bis neunundvierzigjährigen waren neunundachtzig Komma fünf Prozent geimpft. In der Altersgruppe der fünfzig bis neunundfünfzigjährigen waren im Jahr zweitausenddreizehn siebenundachtzig Komma sechs Prozent und in der Gruppe der sechzig bis neunundsechzigjährigen achtzig Komma sechs Prozent sowie bei den siebzig bis neunundsiebzigjährigen achtundsechzig Prozent geimpft. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt 3: Polio kann schwere Folgen haben.

Zwar verläuft die Infektion bei den allermeisten Erkrankten ohne Symptome, doch in manchen Fällen kann der Virus schwere Komplikationen verursachen. Dazu zählen Lähmungen, Muskelschwund, vermindertes Knochenwachstum sowie die Zerstörung von Gelenken. Selten kommt es auch zu einer Schädigung der Hirnnervenzellen und einer lebensgefährlichen zentralen Atemlähmung [1]. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation führt eine von 200 Infektionen zu unheilbaren Schäden. Von den Patienten, die unter Lähmungen leiden, sterben fünf bis zehn Prozent daran, dass auch ihre Atemmuskulatur betroffen ist [2]. Hinzu kommt: Noch Jahrzehnte nach der Infektion können Beschwerden wie Muskelschwund, Schwächegefühl oder Schmerzen erneut auftreten (Post-Polio-Syndrom). Die Betroffenen leiden teils erheblich unter den Spätfolgen und sind vielfach auf Hilfe im Alltag angewiesen.

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts, 
[2] Englischsprachige Fachinformation.

Fakt 4: Nebenwirkungen der Polio-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Polio-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Kinderlähmung und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Kinderlähmung-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines vierfach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung für Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr und Erwachsene dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Kindern im Alter zwischen vier bis acht Jahre bei mehr als zehn Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Schläfrigkeit vorkommen. Bei weniger als zehn Personen kann Fieber bis zu siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, Blutung, Juckreiz und Verhärtung an der Injektionsstelle, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit und Kopfschmerzen auftreten. Bei bis zu einem Kind von einhundert geimpften Kindern kommt es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit, trockener Rachen und Müdigkeit.  Bei Kindern über zehn Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen kann es bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen zu Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen kommen. Bei einer bis zu zehn von einhundert geimpften Personen kann es zu Fieber von siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, zu Bluterguss, Juckreiz und Verhärtung, Wärme und Taubheit an der Injektionsstelle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei weniger als einer Person kommt es zu Fieber höher als neununddreißig Grad Celsius, Schüttelfrost, Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen, Juckreiz, Lippenherpes, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Appetitlosigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Schläfrigkeit und Asthma kommen. Bei mehr als zehn Personen verringerter Appetit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Schreien, Reizbarkeit, Rötung, Schmerz und Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber auftreten können.  Bei etwa bis zu zehn Personen von geimpften Personen können Diarrhö, Induration, Bluterguss oder Knötchen an der Injektionsstelle auftreten.  Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften Personen können verstärkter Appetit, Schlafstörung einschließlich Schlaflosigkeit, Unruhe, Schnupfen, Schwellung von Lymphknoten, erniedrigter Blutdruck, Husten, Blässe, Bauchschmerz, allgemeiner Ausschlag, übermäßige Schweißproduktion, Ausschlag und Erwärmung an der Injektionsstelle sowie Müdigkeit auftreten können.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.