Kurze Fakten zu Röteln

Röteln sind eine hochansteckende Virusinfektion. Sie wird durch Tröpfchen (zum Beispiel durch Husten und Niesen) übertragen und hat besonders schwerwiegende Konsequenzen, wenn sich eine schwangere Frau damit ansteckt. Dann kann das ungeborene Kind eine sogenannte Rötelnembryopathie bekommen – eine Schädigung während der ersten vier Schwangerschaftsmonate, die mit Blindheit, Taubheit, Herzfehlern, geistigen Behinderungen oder sogar dem Tod des Babys einhergehen kann [1].

Wirksamen Schutz gegen diese schlimmen Folgen bietet nur eine Impfung der Mutter. Ihre Antikörper übertragen sich auf das Ungeborene und schützen es bis kurz nach der Geburt. Nur so kann verhindert werden, dass sich Mutter und Kind infizieren. Denn der Gemeinschaftsschutz greift im Fall der Röteln leider noch nicht. Dafür müssten über 90 Prozent der Bevölkerung gegen das Virus geimpft sein. In Thüringen sind zwar 93 Prozent der Kinder bei Schuleintritt auseichend geschützt [2]. Doch nur 35 Prozent der Erwachsenen wurden hierzulande mindestens einmal gegen Röteln geimpft [3]. 

Röteln-Impfquote nach Altersgruppen in Deutschland (2008–2011)

Röteln-Impfquote nach Altersgruppe in Deutschland zweitausendacht bis zweitausendelf. Die Grafik zeigt, dass bei den achtzehn bis neunundzwanzigjährigen dreiundsiebzig Komma eins Prozent geimpft waren, bei den dreißig bis neununddreißigjährigen siebenunddreißig Komma fünf Prozent und bei den vierzig bis neunundvierzigjährigen waren fünfundzwanzig Komma fünf Prozent geimpft. In der Altersgruppe der fünfzig bis neunundfünfzigjährigen waren vierzehn Komma sechs Prozent und in der Gruppe der sechzig bis vierundsechzigjährigen waren drei Komma neun Prozent geimpft. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

So sind Röteln nach wie vor eine Gefahr. Bundesweit wurden in den letzten fünf Jahren über 800 Fälle gemeldet [4]. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung deshalb allen Frauen im gebärfähigen Alter, die noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Röteln geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar ist. Sie wird zweimalig als Kombinationsimpfstoff verabreicht, der auch gegen Mumps und Masern schützt. 

Röteln-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland (2010–2016)

Röteln-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland Die Grafik zeigt, dass jüngere Menschen generell stärker von Röteln betroffen waren als ältere Menschen.  So lag das Minimum der Röteln-Erkrankungen in der Altersgruppe der unter neunzehnjährigen im Jahr zweitausendelf bei vier Fällen und das Maximum im Jahr zweitausenddreizehn bei vierundzwanzig Fällen. Zweitausendsechzehn erkrankten in dieser Altersgruppe elf Personen und zweitausendsiebzehn zehn Personen an Röteln.  In der Altersgruppe der zwanzig- bis neununddreißigjährigen lag das Minimum im Jahr zweitausendsiebzehn bei zwei Fällen und das Maximum im Jahr zweitausenddreizehn bei sechsundzwanzig Fällen.  In der Altersgruppe der vierzig- bis neunundfünfzigjährigen gab es zweitausendelf und –zwölf überhaupt keine Röteln-Erkrankungen. In den darauffolgenden Jahren schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von vier Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn und einem Maximum von elf Fällen im Jahr zweitausendvierzehn.  In der Altersgruppe der sechzig- bis neunundsiebzigjährigen gab es in den Jahren zweitausendelf und zweitausendzwölf ebenfalls keine Fälle von Röteln, in den Jahren zweitausenddreizehn bis zweitausendfünfzehn einen Fall jährlich und im Jahr zweitausendsechzehn und –siebzehn dann drei Fälle von Röteln-Erkrankungen. Die Daten stammen aus dem Robert Koch-Institut.

Fakt ist:

  • Röteln sind besonders für ungeborene Kinder eine große Gefahr.
  • Schwangere sind nicht durch Gemeinschaftsschutz vor einer Ansteckung geschützt.
  • Die Impfung kann während der Schwangerschaft nicht nachgeholt werden.

Die Röteln-Impfung kann während der Schwangerschaft nicht nachgeholt werden

Wenn Sie in nächster Zeit Nachwuchs planen, sollten Sie Ihren Impfschutz frühzeitig überprüfen lassen. Denn die Impfung gegen Röteln kann während der Schwangerschaft nicht nachgeholt werden. Zwischen Impfung und Schwangerschaft sollte vorsichtshalber ein Monat Abstand liegen. Wenn Sie als Schwangere nicht geimpft sind und selbst noch keine Röteln hatten, sollten Sie darauf achten, nur mit Personen in Kontakt zu kommen, die selbst durch Impfung oder eine durchgemachte Erkrankung geschützt sind und daher die Röteln nicht übertragen können [1]. 

Röteln-Symptome bei Erwachsenen

Röteln-Symptome bei Erwachsenen. Die Grafik zeigt unterschiedliche Symptome, die bei einer Erkrankung mit Röteln auftreten können. Diese reichen von leichtem Fieber und Kopfschmerzen über Bindehautentzündungen und Lymphknotenschwellungen bis zu roten Hautflecken, welche zuerst im Gesicht auftreten.

Sie sind noch nicht geimpft? Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob und wann Sie sich gegen Röteln impfen lassen sollten.

Vier Fakten zu Röteln:

Fakt 1: Die Impfung ist sicher.

Entgegen eines kursierenden Gerüchts erhöht die Impfung nicht das Risiko, an Autismus zu erkranken. Zahlreiche großangelegte wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt. Entstanden war das Gerücht durch einen Artikel von Andrew Wakefield, der 1998 erschienen war. Es stellte sich heraus, dass der britische Arzt die Studienergebnisse gefälscht hatte. Wakefield war von einem Anwalt beauftragt und bezahlt worden, der die Interessen von Eltern autistischer Kindern vertrat. 2010 wurde sein Artikel vollständig widerrufen, Andrew Wakefield erhielt ein Berufsverbot [1].
Für den in der Vergangenheit beobachteten Anstieg von Autismus-Fällen gibt es eine gute wissenschaftliche Erklärung: Er liegt vor allem an neueren, sensibleren Diagnosekriterien und dem gesteigerten öffentlichen Bewusstsein für die Erkrankung [2,3,4]. Auch die amerikanische Autismus-Wissenschaftsstiftung (Autism Science Foundation) weist ausdrücklich darauf hin, dass es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus gibt.

Fakt 2: Röteln können schlimme Folgen haben.

Vor allem für ungeborene Kinder. Durch eine Röteln-Infektion werden in den ersten acht Schwangerschaftswochen 90 Prozent der Kinder schwer geschädigt. Zu einem späteren Zeitpunkt sind es noch rund 25 bis 30 Prozent [1]. Während der ersten vier Monate kann es zu Fehlgeburten, Frühgeburten oder zu einer Rötelnembryofetopathie kommen, einer vorgeburtlichen Schädigung des Kindes im Mutterleib. Die möglichen Folgen reichen dabei von Defekten am Herz, an den Augen und dem Gehör, über eine verminderte Blutplättchenzahl und einen kleineren Kopfumfang, bis hin zu einer Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, einer Vergrößerung von Leber und Milz sowie einer Herzmuskelentzündung. 15 bis 20 Prozent der erkrankten, ungeborenen Kinder sterben an der Rötelnembryofetopathie [1]. Schutz bietet nur eine Impfung! Denn die Antikörper der Mutter übertragen sich auf das Kind und bieten ihm einen wirksamen Nestschutz

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts. 

Fakt 3: Sie können Ihr Kind impfen lassen, auch wenn Sie aktuell schwanger sind.

Die Impfviren gehen nicht auf andere Personen über. Von ihrem geimpften Kind geht keine Gefahr für sein ungeborenes Geschwisterchen aus. Im Gegenteil: Das Risiko für Komplikationen ist deutlich höher, wenn Kontakt zu einem ungeimpften, ansteckungsgefährdeten Kind besteht. Je mehr Menschen in Ihrer Umgebung gegen Röteln geimpft sind, desto besser sind Sie und Ihr Baby gegen eine Infektion geschützt [1].

Fakt 4: Nebenwirkungen der Röteln-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Röteln-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Röteln-Symptome und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Röteln-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines dreifach-Impfstoffes für Masern, Röteln und Mumps ab einem Alter von 10 Monaten dargestellt.

Nebenwirkungen der Masern-Impfung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen Schmerzen und Rötungen an der Injektionsstelle und Fieber von achtunddreißig Grad oder höher auftreten können. Bei etwa einer bis zu zehn Personen von einhundert geimpften Personen treten Schwellungen an der Injektionsstelle, Fieber von höher als neununddreißig Komma fünf Grad, Reizbarkeit, Hautausschlag wie Flecken und oder Bläschen auf. Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften treten Unwohlsein, Lethargie, Müdigkeit, ungewöhnliches Schreien, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Infektion der oberen Atemwege, Schnupfen sowie Schwellung der Lymphknoten auf.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.