Kurze Fakten zu Windpocken

In Deutschland sind sie unter den Infektionskrankheiten am häufigsten: Windpocken, auch Varizellen genannt. Sie werden durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst. Rund 25.000 Erkrankte gibt es hierzulande pro Jahr [1]. Für Schwangere ist eine Ansteckung besonders gefährlich: Zwischen der 5. und der 24. Schwangerschaftswoche kann die Infektion ein fetales Varizellensyndrom verursachen – eine Erkrankung des Säuglings, die zu Hautdefekten, neurologischen Schäden, Fehlbildungen, Organerkrankungen, Augenschäden und Skelettanomalien führen kann [2].
Das Gefährliche an Windpocken: Die Viren werden extrem leicht übertragen – fast jeder Kontakt mit Erkrankten führt zur Ansteckung. Meist werden die Erreger durch Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion) verbreitet, eine Übertragung ist aber auch durch die Flüssigkeit aus den Bläschen des typischen Hautausschlags möglich. Die Viren aus diesen Windpocken-Bläschen schweben lange Zeit in der Luft und können auch in großer Entfernung noch eingeatmet werden. Daher der Name: „Windpocken“.

Wer sollte sich impfen lassen?

Weil sowohl Mutter als auch Kind während der Schwangerschaft besonders gefährdet sind, schwerwiegende Komplikationen zu erleiden, empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) allen Frauen im gebärfähigen Alter eine zweimalige Impfung gegen Varizellen –  sofern sie noch nicht eindeutig an Windpocken erkrankt waren oder noch nicht dagegen geimpft sind [2].

Wenn Sie in nächster Zeit Nachwuchs planen, sollten Sie Ihren Impfschutz frühzeitig überprüfen lassen. Denn die Impfung gegen Varizellen kann während der Schwangerschaft nicht nachgeholt werden. Zwischen Impfung und Schwangerschaft sollte vorsichtshalber ein Monat Abstand liegen [2]. Wenn Sie als Schwangere nicht geimpft sind und selbst noch keine Windpocken hatten, sollten Sie darauf achten, nur mit Personen in Kontakt zu kommen, die selbst durch Impfung oder eine durchgemachte Erkrankung geschützt sind und die Varizellen nicht übertragen können. 

Windpocken-Symptome bei Erwachsenen

Windpocken-Symptome bei Erwachsenen. Die Grafik zeigt eine Frau, die Windpocken Symptome aufweist. Zu den Symptomen zählen Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Unwohlsein und ein juckender Hautausschlag mit wasserklaren Bläschen sowie „Sternenhimmel“.

Sie sind noch nicht geimpft? Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über geeignete Impftermine.

Fakt ist:

  • Die vollständige Impfung schützt erfolgreich vor einer Ansteckung mit Windpocken.
  • Windpocken können mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen – besonders bei Ungeborenen.
  • Auch für Schwangere selbst ist eine Ansteckung mit großen Gesundheitsrisiken verbunden.

Vier Fakten zu Windpocken:

Fakt 1: Windpocken können schwere Folgen für Mutter und Kind haben.

Eine schwerwiegende Komplikation ist die Varizellenpneumonie – eine Lungenentzündung in Folge einer Windpockenerkrankung. Schwangere Frauen sind besonders gefährdet: Bei ihnen kommt diese Komplikation etwa zehnmal öfter vor als bei Nichtschwangeren. Gleichzeitig steigt bei schwangeren Frauen die Sterblichkeit durch eine solche Varizellen-Pneumonie auf das etwa Dreifache an.
Doch nicht nur für die Mütter selbst kann eine Windpocken-Erkrankung schlimme Folgen haben, auch für das Ungeborene stellt eine Infektion eine große Gefahr dar. Steckt sich eine schwangere Frau zwischen der 5. und der 24. Schwangerschaftswoche mit Varizellen an, können die Windpockenerreger über den Mutterkuchen auf das Kind übertragen werden. Ein fetales Varizellensyndrom kann die Folge sein – eine Erkrankung des Säuglings, die zu Hautdefekten, neurologischen Schäden, Fehlbildungen, Organerkrankungen, Augenschäden und Skelettanomalien führen kann. Da die meisten Mütter jedoch bereits Antikörper gegen das Virus haben und auch bei ungeschützten Schwangeren nicht jede Infektion zu dem fetalen Varizellensyndrom führt, sind zum Glück nur wenige Säuglinge (etwa ein bis zwei Prozent) davon betroffen [1].

Doch für das Baby gibt es eine weitere Gefahr: neonatale Windpocken. Steckt sich die Mutter innerhalb eines Zeitraums von fünf Tagen vor der Geburt bis zwei Tage nach der Geburt mit Windpocken an, haben die Neugeborenen ein besonders hohes Risiko für einen schwerwiegenden Verlauf der Windpocken-Erkrankung. Über 30 Prozent der Neugeborenen sterben an den Folgen [2]. Schützen Sie deshalb sich und Ihr Kind vor den Komplikationen einer Varizellen-Infektion – mit einer Impfung!

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Deutschsprachige Fachinformation, 
[2] Englischsprachige Fachinformation.

Fakt 2: Die Impfung schützt erfolgreich.

Vor der allgemeinen Impfempfehlung gab es in Deutschland durchschnittlich etwa 750.000 Erkrankungen pro Jahr [1]. Nach Einführung der allgemeinen Impfempfehlung gingen die Erkrankungszahlen bereits in den ersten acht Jahren um insgesamt 85% zurück [1]. Heute erkranken nur noch rund 25.000 Menschen jährlich an Varizellen [2]. Der Rückgang zeigte sich in allen Altersgruppen, am stärksten jedoch bei den (Klein-) Kindern. Auch in den Altersgruppen, für die es keine generelle Impfempfehlung gibt (wie Säuglinge und Erwachsene), sank die Zahl der Windpockenpatienten. Diese Tatsache kann damit erklärt werden, dass sich durch die Impfung der Gemeinschaftsschutz verbessert hat und das Virus in Deutschland weniger zirkuliert. Ein weiterer Beleg für die Wirksamkeit der Impfung: Auch die Zahl der Komplikationen durch Varizellen ist ebenfalls stark rückläufig. Sie sank von 142 auf 10 im sechsten Jahr, also um 93 % [3].

Windpocken-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland

Windpocken-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland in den Jahren zweitausendelf bis zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt, dass die Altersgruppe der unter neunzehnjährigen am stärksten von Windpocken betroffen ist. Hier stiegen die Fälle kontinuierlich über die Jahre an, ausgehend von einem Minimum von tausendvierhundertzweiundfünfzig Fällen in zweitausendelf auf ein Maximum von zweiundzwanzigtausendachtundachtzig Fälle im Jahr zweitausendsechzehn.  In Gegensatz dazu gab es in den höheren Altersgruppen insgesamt wesentlich weniger Windpocken-Erkrankungen. In der Altersgruppe der zwanzig- bis neununddreißigjährigen zeigt sich allerdings ebenfalls ein ansteigender Verlaufstrend der Erkrankungsfälle, wenngleich auf einem viel geringeren Niveau: hier stiegen die Fälle ausgehend von einem Minimum von neununddreißig Fällen im Jahr zweitausend elf auf ein Maximum von tausendsechshundertfünfundachtzig im Jahr zweitausendsechzehn. Zweitausendsiebzehn sank die Zahl erstmalig wieder auf tausenddreihundertzwanzig Fälle. In der Altersgruppe der vierzig bis neunundfünfzigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von achtundzwanzig Fällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von siebenhunderteinundzwanzig Fällen im Jahr zweitausendsechzehn.  In der Altersgruppe der sechzig bis neunundsiebzigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von zwanzig Fällen im Jahr zweitausendzwölf und einem Maximum von vierhundert Fällen im Jahr zweitausendvierzehn. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt 3: Sie können Ihr Kind impfen lassen, auch wenn Sie aktuell schwanger sind.

Das Risiko, dass ein geimpftes Kind das Impfvirus auf seine schwangere Mutter überträgt und sich auch das Ungeborene angesteckt, ist nach Einschätzung der STIKO sehr gering. Auch das Robert-Koch-Institut kommt auf Basis aktueller wissenschaftlicher Studien zu der Einschätzung, dass das Risiko für Komplikationen deutlich höher ist, wenn Kontakt zu einem ungeimpften, ansteckungsgefährdeten Kind besteht. Deshalb gilt: Lassen Sie Ihr Kind gegen Windpocken impfen, wenn Sie gerade Nachwuchs erwarten. Je mehr Menschen in Ihrer Umgebung gegen Windpocken immun sind, desto besser sind Sie und Ihr Baby gegen eine Infektion geschützt.

Fakt 4: Nebenwirkungen der Windpocken-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber.

Die Windpocken-Impfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung der Krankheit. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten. Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Windpocken-Symptome und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Windpocken-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines vierfach-Kombinationspräparat für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken für Kinder ab einem Alter von 12 Monaten und Erwachsene dargestellt. 

Nebenwirkungen der Windpocken-Impfung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen Schmerzen und Rötungen an der Injektionsstelle und Fieber von achtunddreißig Grad oder höher auftreten können. Bei etwa einer bis zu zehn Personen von einhundert geimpften Personen treten Schwellungen an der Injektionsstelle, Fieber von höher als neununddreißig Komma fünf Grad, Reizbarkeit, Hautausschlag wie Flecken und oder Bläschen auf. Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften treten Unwohlsein, Lethargie, Müdigkeit, ungewöhnliches Schreien, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Infektion der oberen Atemwege, Schnupfen sowie Schwellung der Lymphknoten auf.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.