Was ist Diphtherie?

Diphtherie ist eine weltweit verbreitete, plötzlich auftretende Infektionskrankheit. Sie wird von dem Corynebacterium diphtheriae Bakterium verursacht und durch Tröpfcheninfektion oder direkten Körperkontakt übertragen. Das Tückische: Der Erreger kann auch von Personen weitergegeben werden, die selbst nicht daran erkranken. Bei anderen infiziert das Diphtherie-Bakterium die Haut, die Schleimhäute oder breitet sich im ganzen Körper aus. Dort bildet es ein gefährliches Gift, das Organe wie Herz, Niere und Leber dauerhaft schädigen kann. Typische Symptome der Krankheit sind Fieber, Halsschmerzen, Unwohlsein, weißlicher Belag im Rachenraum und Atemnot. In schweren Fällen kann es zu Erstickungsanfällen, Kreislaufversagen, Entzündung des Herzmuskels, Herzversagen und Lähmungen kommen. Unbehandelt führt Diphtherie in der Hälfe aller Fälle zum Tod [1]. Mit Behandlung stirbt immer noch einer von zehn Patienten [1]. Vor allem ungeimpfte Kleinkinder und ältere Menschen überleben die Erkrankung meist nicht.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Englischsprachige Fachinformation.

Diphtherie-Erkrankungen in Deutschland

Diphtherie-Erkrankungen in Deutschland. Die Grafik zeigt die Anzahl der Fälle in Deutschland zwischen neunzehnhundertfünfundsechzig und zweitausendfünfzehn. Neunzehnhundertfünfundsechzig gab es in Deutschland noch vierhundertfünfzehn Fälle, neunzehnhundertsiebzig nur noch dreiundsechzig und neunzehnhundertachtzig nur noch neunzehn Fälle. Zweitausendfünfzehn gab es wieder vierzehn Fälle von Diphtherie in Deutschland.

Wie äußert sich Diphtherie?

Die Erkrankung beginnt meist allmählich mit Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden. Etwa ein bis fünf Tage nach einer Infektion bilden sich fest haftende Beläge in der Nase, dem Rachen und/oder der Luftröhre. Denn das Gift des Diphtherie-Bakteriums zerstört gesundes Gewebe im Atmungssystem. Das tote Gewebe bildet eine dicke, graue Schicht, eine sogenannte „Pseudomembran“. Gefährlich wird Diphtherie, wenn sie auf den Kehlkopf übergreift. Dann leiden Betroffene unter Atemnot und Erstickungsanfällen. Das Gift des Bakteriums verursacht außerdem Organschäden, beispielsweise Herzversagen oder Nerven-Lähmungen. Auch Nierenversagen, Lungenembolien oder Hirninfarkte treten in selteneren Fällen auf. Das Schlimme daran: Einmal entstandene Schäden können nicht mehr rückgängig gemacht werden, sie bleiben den Patienten lebenslang. Deshalb muss bei Krankheitsverdacht sofort mit Antiserum und Antibiotikum behandelt werden. 

Wieso höre ich über Diphtherie so selten?

Diphtherie ist in Deutschland mittlerweile praktisch eliminiert. In den letzten Jahren gab es nur noch vereinzelte Fälle. Die Erkrankung ist jedoch nicht gänzlich eingedämmt [1]. Sobald die Rate der geimpften Personen unter einen bestimmten Wert sinkt, nehmen die Erkrankungszahlen wieder massiv zu. Das war beispielsweise in Russland zu beobachten, wo 1994 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion immer weniger Bürger und Bürgerinnen sich gegen Diphtherie impften und so 48.000 neue Fälle auftraten [1]. Durch umfangreiche Impfaktionen konnten die Erkrankungszahlen wieder gesenkt werden. Trotzdem besteht in einigen ehemaligen Staaten der UdSSR weiterhin ein erhöhtes Risiko. So weist beispielsweise Lettland eine der höchsten Inzidenzen weltweit auf [2]. Weil die Krankheit auch wieder nach Deutschland eingeschleppt werden kann, wird eine Impfung auch heute noch dringend empfohlen. Nur solange ein genügend großer Teil der Bevölkerung geimpft ist, werden neue Ausbrüche verhindert.

Bei den Klein- und Vorschulkindern in Deutschland ist der Diphtherie-Impfschutz mit über 97% ähnlich gut wie der gegen Tetanus und Kinderlähmung [2]. Die empfohlenen Auffrisch-Impfungen werden jedoch häufig nicht mehr in Anspruch genommen. So ist z. B. unter den Rekruten der Bundeswehr meist nur noch etwa die Hälfte altersgerecht geimpft, obwohl über 95% von ihnen als Kinder eine Grundimmunisierung erhalten haben [2]. Bei Menschen über 60 ist die Quote ähnlich schlecht, so dass insgesamt zu wenige Erwachsenen schützende Antikörper besitzen. Bislang profitieren sie von einem guten Gemeinschaftsschutz – bedingt durch die hohen Impfraten bei den Kindern. Bei Auslandsreisen entfällt dieser Schutz jedoch, so dass die Impfung vor Reisen in eines der zahlreichen Diphtherie-Risikogebiete unbedingt aufgefrischt werden sollte.

Diphtherie-Erkrankungen und Impfquote weltweit

Diphtherie-Erkrankungen und Impfquote weltweit neunzehnhundertachtzig bis zweitausendfünfzehn. Die Grafik zeigt in einer Gegenüberstellung der Diphtherie-Erkrankungen und der Impfquote weltweit, dass mit steigender Impfquote die Anzahl der Diphtherie-Erkrankungen abnimmt.

Wie kann ich mich vor Diphtherie schützen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Diphtherie allen Personen,

  • die nie gegen Diphtherie geimpft wurden,
  • deren Grundimmunisierung nicht vollständig ist oder
  • deren letzte Auffrisch-Impfung mehr als 10 Jahre zurückliegt.

Denn die Impfung basiert auf zwei wesentlichen Säulen:

1. Grundimmunisierung Die Grundimmunisierung erfolgt in der Regel im Kindesalter. Wenn die Grundimmunisierung nicht im Kindesalter durchgeführt wurde, sollte diese so schnell wie möglich nachgeholt werden.

2. Auffrischungsimpfung Im Erwachsenenalter sollte die Impfung ungefähr alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Bei Kontakt zu Erkrankten oder bei Ausbrüchen bereits schon 5 Jahre nach der letzten Impfung.


Wichtig: Eine überstandene Diphtherie-Erkrankung schützt nicht sicher vor einer erneuten Ansteckung. Sie sollten sich also auch dann impfen lassen, wenn Sie bereits einmal an Diphtherie erkrankt waren. Auf dem deutschen Markt sind verschiedene Kombinationsimpfstoffe zugelassen. Sie enthalten mehrere Komponenten zum Schutz gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis) und/oder Kinderlähmung (Poliomyelitis). Ihr Arzt/Ihre Ärztin berät Sie, welcher Impfstoff der richtige für Sie ist.

Warum braucht man eine Auffrischung der Impfung?

Das Immunsystem merkt sich über viele Jahre hinweg, was es durch die Impfung gelernt hat. Es kann eindringende Erreger erkennen und abwehren. Aber mit den Jahren kreisen nicht mehr so viele Abwehrstoffe (Antikörper) im Blut. Damit es schnell genug reagieren kann, braucht das Immunsystem daher bei einigen Impfungen in bestimmten Abständen eine Auffrischung. Eine Übersicht über empfohlenen Impfungen für verschiedene Altersgruppen gibt der Impfkalender. 

Ist die Impfung sicher?

Jeder Impfstoff benötigt eine Zulassung und unterliegt strengen Regeln, bevor er in Deutschland verwendet darf. Seine Sicherheit und Effektivität müssen von den Herstellern nachgewiesen werden. Bevor die erste Impfung bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin landet, wurde sie bereits an über 10.000 Freiwilligen getestet. Ohne diese umfangreichen Studien darf der Impfstoff nicht verkauft oder verwendet werden. Dies gilt auch für den Diphtherie-Impfstoff. Nachdem der Impfstoff erstmals zugelassen wurde, erfolgen weitere Prüfungen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Weil der Diphtherie-Impfstoff nur das unschädlich gemachte Gift des Bakteriums enthält, gegen das die Körperabwehr aktiv werden soll, ist eine Diphtherie-Erkrankung durch die Impfung nicht möglich.

Zulassungsprozess des Impfstoffes

So wird ein Impfstoff geprüft. Die Graphik zeigt die verschiedenen Stufen der Prüfung von Impfstoffen durch das Paul-Ehrlich-Institut. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, wird dieser zuerst an Tieren und zuletzt an bis zu 10000 Menschen getestet auf Wirksamkeit, Sicherheit und Effektivität. Selbst nach der Zulassung werden Impfstoffe im Einsatz überwacht.

Was sind die Nebenwirkungen der Diphtherie-Impfung?

Nebenwirkungen der Diphtherie-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten.
Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Symptome der Diphtherie und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Diphtherie-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines eines vierfach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung für Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr und Erwachsene dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Kindern im Alter zwischen vier bis acht Jahre bei mehr als zehn Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Schläfrigkeit vorkommen. Bei weniger als zehn Personen kann Fieber bis zu siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, Blutung, Juckreiz und Verhärtung an der Injektionsstelle, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit und Kopfschmerzen auftreten. Bei bis zu einem Kind von einhundert geimpften Kindern kommt es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit, trockener Rachen und Müdigkeit.  Bei Kindern über zehn Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen kann es bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen zu Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen kommen. Bei einer bis zu zehn von einhundert geimpften Personen kann es zu Fieber von siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, zu Bluterguss, Juckreiz und Verhärtung, Wärme und Taubheit an der Injektionsstelle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei weniger als einer Person kommt es zu Fieber höher als neununddreißig Grad Celsius, Schüttelfrost, Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen, Juckreiz, Lippenherpes, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Appetitlosigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Schläfrigkeit und Asthma kommen. Bei mehr als zehn Personen verringerter Appetit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Schreien, Reizbarkeit, Rötung, Schmerz und Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber auftreten können.  Bei etwa bis zu zehn Personen von geimpften Personen können Diarrhö, Induration, Bluterguss oder Knötchen an der Injektionsstelle auftreten.  Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften Personen können verstärkter Appetit, Schlafstörung einschließlich Schlaflosigkeit, Unruhe, Schnupfen, Schwellung von Lymphknoten, erniedrigter Blutdruck, Husten, Blässe, Bauchschmerz, allgemeiner Ausschlag, übermäßige Schweißproduktion, Ausschlag und Erwärmung an der Injektionsstelle sowie Müdigkeit auftreten können.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Ich will in ein Land mit hohem Diphtherie-Risiko reisen. Was muss ich beachten?

Infektionen durch das Diphtherie-Bakterium werden weltweit beobachtet. In den westlichen Industrieländern ist die Zahl der Erkrankungen erheblich zurückgegangen. In anderen Teilen der Welt ist die Diphtherie immer noch ein Problem. Das trifft beispielsweise auf Russland, Lettland, Afghanistan, Indien, Indonesien, die Philippinen, Haiti und einige afrikanische Länder zu [1]. Eine Diphtherie-Impfung schützt Sie vor einer Ansteckung. Frischen Sie Ihre Impfung deshalb vor einer Auslandsreise auf. Sollten Sie unsicher sein, ob Sie aktuell gegen Diphtherie geschützt sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und informieren Sie sich vor Ihrer Reise auf den Seiten des Auswärtigen Amtes über die Gesundheitsrisiken am Reiseziel.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Wer darf sich nicht gegen Diphtherie impfen lassen?

Nicht geimpft werden sollten Personen mit bekannter Allergie gegen einen Impfstoffbestandteil. Informieren Sie in diesem Fall Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. Auch wer an einer fieberhaften Erkrankung (Körpertemperatur über 38,5°C) oder einer akuten Infektion leidet, darf zunächst nicht geimpft werden. Die Impfung sollte dann aber nach der vollständigen Genesung schnellstmöglich nachgeholt werden.

Woher weiß ich, ob ich geschützt bin?

Um sicher zu gehen, sollten Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin über Ihren Impfstatus sprechen. Bringen Sie dafür Ihren Impfpass mit in die Sprechstunde, wenn Sie einen besitzen. Unter folgenden Links finden Sie daneben weitere Informationen:

  • Eine Übersicht der empfohlenen Impfungen bietet der Impfkalender der STIKO.
  • Bei dem Online-Impfchecker bekommen Sie Auskunft darüber, welche Impfungen für Sie oder Ihre Familienmitglieder wichtig sind und vor welchen Krankheiten Sie sich schützen sollten. 

Fazit:

Diphtherie ist eine gefährliche Erkrankung, die trotz Intensivmedizin in fünf bis zehn Prozent der Fälle tödlich endet [1]. Durch eine Impfung schützen Sie sich und auch Ihre Familie, Freunde und Mitbürger vor einer Ansteckung. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob und wann Sie sich gegen Diphtherie impfen lassen sollten.

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Webseite des Robert Koch-Instituts.