Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Der hoch ansteckende Erreger befällt Nase, Rachen, Luftröhre und Lunge und verursacht krampfartige Hustenanfälle. Das Bakterium vermehrt sich auf den Schleimhäuten, dort sondert es verschiedene Gifte ab. Die schädigen das umliegende Gewebe, schwächen das Immunsystem und führen schließlich zu den Krankheitssymptomen. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Durch Husten, Niesen oder Sprechen werden die Bakterien in winzigen Tröpfchen in einem Radius von ca. einem Meter über die Luft verbreitet. Auch beim Küssen oder durch das Benutzen von gemeinsamem Besteck können sich Gesunde bei infizierten Menschen anstecken.

Wann und wie lange kann ich andere anstecken?

Meist dauert es sieben bis zehn Tage, bis sich nach der Ansteckung die ersten Symptome zeigen [1]. Manchmal kommt es aber auch erst nach zwei, drei Wochen zu ersten Krankheitszeichen. Das Problem dabei: Die Erkrankten sind schon kurz vor dem Auftreten der ersten Beschwerden ansteckend. Wenn sich bereits grippeähnliche Symptome, aber noch nicht die typischen Hustenanfälle zeigen, ist die Übertragungsgefahr am höchsten. Nach Beginn der Hustenattacken hält das Ansteckungsrisiko ca. drei Wochen an. Wird Keuchhusten mit einem Antibiotikum behandelt, verkürzt sich die Ansteckungszeit auf rund fünf Tage nach Beginn der Behandlung.

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Englischsprachige Fachinformation.

Wie kann ich mich vor Keuchhusten schützen?

Klare Antwort: nur mit einer Impfung. Bevor sie im Jahr 1955 eingeführt wurde, starben in Deutschland jedes Jahr mehrere Hundert Kinder an einer Keuchhusten-Infektion [1]. Im Vergleich dazu sind die Erkrankungs- und Todeszahlen heute deutlich geringer. Zwar bietet die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz, doch sie reduziert das Erkrankungsrisiko erheblich. Zwei Säulen sind die Basis für diesen Schutz:

1. Die Grundimmunisierung
Sie erfolgt normalerweise im Kindesalter, kann aber jederzeit nachgeholt werden. Im Erwachsenenalter reicht dafür eine einmalige Impfung. Sie wird als Kombinationsimpfung bei der nächsten Auffrischungimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Polio durchgeführt.

2. Die Auffrischungsimpfung
Für Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere, Eltern, Großeltern, Tagesmütter und andere enge Kontaktpersonen von Säuglingen ist es wichtig, den Impfschutz alle zehn Jahre auffrischen zu lassen. Gleiches gilt für Beschäftigte im Gesundheitswesen und in Gemeinschaftseinrichtungen. Denn: Durch die Impfung wird nicht nur die geimpfte Person selbst vor Keuchhusten geschützt. Sie reduziert auch das Risiko, dass sich Menschen in der Umgebung mit den Bakterien infizieren. Das ist vor allem für Säuglinge wichtig, die erst an dem zweiten Monat geimpft werden können, aber besonders gefährdet sind, schlimme Komplikationen zu erleiden.

Wichtig: Auch wenn Sie schon einmal an Keuchhusten erkrankt waren, sind Sie nicht immun. Sie sind nur ca. vier bis 20 Jahre geschützt und können sich auch nach einer überwundenen Infektion erneut anstecken [2].

Wie erkenne ich, dass ich Keuchhusten habe?

Keuchhusten verläuft typischerweise in drei Phasen:

1. Stadium: In den ersten ein bis zwei Wochen haben Erkrankte Beschwerden, die einer Erkältung oder leichten Grippe ähneln: Schnupfen, Husten, Schwächegefühl und nur selten leichtes Fieber.

2. Stadium: In den darauffolgenden vier bis sechs Wochen kommt es vor allem bei Kindern und Säuglingen zu den typischen Hustenattacken, denen die Erkrankung ihren Namen verdankt. Sie leiden unter anfallsartigen, trockenen Hustenstößen, bei denen oft die Zunge vorgestreckt wird. Meist enden die Hustenstöße mit einem keuchenden Einatmen. Die Anfälle quälen die Betroffenen nachts häufiger als tagsüber und können sehr zahlreich sein. Oft müssen Keuchhusten-Patienten zähen Schleim hervorwürgen oder erbrechen. Bei Neugeborenen und Säuglingen kann Keuchhusten zu lebensgefährlichen Atemstillständen führen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft Keuchhusten ebenfalls mit langanhaltendem Husten, jedoch ohne die typischen Anfälle. Weil sich bei ihnen die Symptome oft nicht stark von denen einer Erkältung unterscheiden, wird die Erkrankung zum Teil nicht erkannt.

3. Stadium: Ist die heftige Hustenphase überstanden, klingen die Anfälle in den folgenden sechs bis zehn Wochen langsam ab. Doch noch monatelang können kalte Luft, Zigarettenrauch oder körperliche Anstrengung Hustenattacken auslösen.

Stadien und Symptome des Keuchhusten

Stadien und Symptome des Keuchhusten. Die Grafik zeigt, welche Symptome in welchem Stadium der Erkrankung mit Keuchhusten auftreten. Im ersten, sogenannten erkältungsartigen Stadium, welches ein bis zwei Wochen dauert, treten grippeähnliche Symptome wie leichter Schnupfen, Husten, leichte Schwäche und kein oder nur leichtes Fieber auf. Im zweiten, sogenannten Anfallstadium, welches vier bis sechs Wochen dauert, kommt es zu Hustenanfällen mit anschließendem Keuchen beim Einatmen, Erschöpfung nach Hustenanfällen und Erbrechen. Während des letzten Stadiums, sogenannten Erholungsstadium, klingt der Keuchhusten allmählich ab. Es kann sechs bis zehn Wochen anhalten. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut.

Wie ist die Prognose bei der Infektion?

Erwachsene mit Keuchhusten leiden meist unter wochenlangem, quälendem Husten. Darüber hinaus können sie aber auch schwerer erkranken. Gewichtsverlust, Leisten- und Rippenbrüche, Lungen- oder Mittelohrentzündung, Inkontinenz oder Hirnschädigungen – die Liste möglicher Komplikationen ist lang. Etwa fünf Prozent aller erwachsenen Keuchhusten-Patienten über 60 Jahre müssen deswegen im Krankenhaus behandelt werden [1]. Todesfälle sind im Erwachsenenalter zum Glück selten. Doch auch hier sind ältere Menschen eine Risikogruppe. Acht von elf Patienten, die seit 2002 an den Folgen einer Keuchhusten-Erkrankung in Deutschland starben, waren älter als 60 Jahre [1]. Ein wirksamer Schutz vor Keuchhusten durch eine entsprechende Impfung ist deshalb nicht nur für Kinder wichtig!

Quelle (öffnet in neuem Fenster): 
[1] Epidemiologisches Bulletin 01/2014.

Wie wird Keuchhusten behandelt?

Wird die Krankheit früh genug entdeckt, wird dem Patienten ein Antibiotikum verabreicht. Sobald die typischen Hustenanfälle beginnen (3. Stadium), kann es den Krankheitsverlauf nicht mehr verkürzen oder abmildern. Weil der Infekt aber auch zu einem späteren Zeitpunkt noch ansteckend ist und Antibiotika die Dauer der Übertragungszeit verkürzen, werden sie auch in späteren Stadien noch verschrieben. Ungefähr fünf bis sechs Tage lang sollten die Patienten nach Beginn der Therapie mit möglichst wenigen Menschen Kontakt haben – denn so lange kann der Erreger noch weitergegeben werden.

Wichtige Maßnahmen sind daneben:

  • eine reizarme Umgebung (z.B. kein Zigarettenrauch) zu schaffen,
  • ausreichend zu trinken und
  • häufige kleine Mahlzeiten einzunehmen.

Was sind die Nebenwirkungen der Keuchhusten-Impfung?

Nebenwirkungen der Keuchhusten-Impfung sind möglich, aber normalerweise harmlos und gehen schnell vorüber. Nahezu jeder kennt Begleiterscheinungen des Impfens wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auch Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen können auftreten.
Dies sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit der Impfung auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Jeder Impfstoff kann verschiedene Nebenwirkungen haben – abhängig ob es z.B. eine Grundimmunisierung oder eine Auffrischungsimpfung ist oder welcher Impfstoff von welchem Hersteller geimpft wird. Sollten Sie dazu Fragen haben, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Nebenwirkungen klingen meist nach 1-3 Tagen wieder ab und sind weniger schlimm als die Keuchhusten-Symptome und deren möglichen Folgeschäden. Generell gilt, dass Impfungen sehr sicher sind und nur äußerst selten schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Nebenwirkungen der Keuchhusten-Impfung

Abhängig vom Impfpräparat, Hersteller oder Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Hier werden beispielhaft die sehr häufigen bis gelegentlichen Nebenwirkungen eines vierfach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung für Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr und Erwachsene dargestellt.

Nebenwirkungen des Kombinationspräparat für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung. Die Grafik zeigt, dass bei einhundert geimpften Kindern im Alter zwischen vier bis acht Jahre bei mehr als zehn Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Schläfrigkeit vorkommen. Bei weniger als zehn Personen kann Fieber bis zu siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, Blutung, Juckreiz und Verhärtung an der Injektionsstelle, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit und Kopfschmerzen auftreten. Bei bis zu einem Kind von einhundert geimpften Kindern kommt es zu Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit, trockener Rachen und Müdigkeit.  Bei Kindern über zehn Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen kann es bei einhundert geimpften Personen bei mehr als zehn Personen zu Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen kommen. Bei einer bis zu zehn von einhundert geimpften Personen kann es zu Fieber von siebenunddreißig Komma fünf Grad Celsius oder höher, zu Bluterguss, Juckreiz und Verhärtung, Wärme und Taubheit an der Injektionsstelle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei weniger als einer Person kommt es zu Fieber höher als neununddreißig Grad Celsius, Schüttelfrost, Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen, Juckreiz, Lippenherpes, Lymphknotenschwellung an Hals, Achsel oder Leiste, Appetitlosigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Schläfrigkeit und Asthma kommen. Bei mehr als zehn Personen verringerter Appetit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Schreien, Reizbarkeit, Rötung, Schmerz und Schwellung an der Injektionsstelle und Fieber auftreten können.  Bei etwa bis zu zehn Personen von geimpften Personen können Diarrhö, Induration, Bluterguss oder Knötchen an der Injektionsstelle auftreten.  Bei weniger als einer Person von einhundert geimpften Personen können verstärkter Appetit, Schlafstörung einschließlich Schlaflosigkeit, Unruhe, Schnupfen, Schwellung von Lymphknoten, erniedrigter Blutdruck, Husten, Blässe, Bauchschmerz, allgemeiner Ausschlag, übermäßige Schweißproduktion, Ausschlag und Erwärmung an der Injektionsstelle sowie Müdigkeit auftreten können.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:

sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Wer ist gefährdet?

Keuchhusten kann jeden treffen. In Deutschland erkranken jedoch zunehmend Jugendliche und Erwachsene ohne Impfschutz. Sie stellen wiederum eine ernstzunehmende Ansteckungsquelle für Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit Grunderkrankungen dar – Personengruppen also, bei denen eine Infektion dramatische Folgen haben kann. Sie sind darauf angewiesen, dass ihr Umfeld geimpft ist und sie indirekt vor einer Übertragung schützt. Beispielsweise werden über die Hälfte der Säuglinge, die an Keuchhusten erkranken, von ihren Eltern oder Großeltern angesteckt.

Keuchhusten-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland

Keuchhusten-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland in den Jahren zweitausendelf bis zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt, dass die Keuchhusten-Erkrankungen in allen Altersgruppen über die Jahre, mit kleinen Ausnahmen, kontinuierlich anstiegen.  In der Altersgruppe der unter neunzehnjährigen schwankten die Erkrankungszahlen zwischen einem Minimum von tausendfünfhundertvier Fällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von sechstausendfünfhundert Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn.  In der Altersgruppe der zwanzig- bis neununddreißigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von sechshunderteinunddreißig Erkrankungsfällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von dreitausendacht Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn.  In der Altersgruppe der sechzig- bis neunundsiebzigjährigen gab es im Jahr zweitausendelf ein Minimum von fünfhundertfünfundfünfzig Fällen und im Jahr zweitausendsiebzehn ein Maximum von zweitausendfünfhundertacht Fällen. Im Vergleich dazu gab es in der Altersgruppe der über achtzigjährigen insgesamt weniger Fälle von Keuchhusten; hier lagen die Zahlen zwischen siebenundvierzig im Jahr zweitausendelf und dreihundertfünfundvierzig im Jahr zweitausendsiebzehn.

Fazit:

Keuchhusten ist weit mehr als „nur Husten“. In Deutschland erkranken zunehmend Jugendliche und Erwachsene ohne Impfschutz. Sie stellen wiederum eine ernstzunehmende Ansteckungsquelle für Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit Grunderkrankungen dar – also Personengruppen, bei denen eine Infektion dramatische Folgen haben kann. Noch nicht geimpft? Mit einer Impfung gegen Keuchhusten schützen Sie sich und Ihr Enkelkind.