Was sind Pneumokokken?

Pneumokokken sind Bakterien, die verschiedene Erkrankungen auslösen können. Sie machen den größten Anteil an bakteriell verur­sachten Lungen­entzündungen aus [1]. Es gibt über 90 Stämme dieses Bakteriums. Daher kann man sich auch nach einer durch­gemachten Pneumokokken-Erkrankung erneut mit Pneumokokken eines anderen Stamms infizieren.
Deshalb ist eine Pneumokokken-Impfung so wichtig: Sie wappnet den Körper gegen die 23 Bakterien-Stämme, die am häufig­sten für Pneumokokken-Erkrankungen verantwortlich sind.

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Deutschsprachige Fachinformation.

Welche Erkrankungen werden durch Pneumokokken verursacht?

Pneumokokken besiedeln den Nasen- und Rachenraum des Menschen, rufen aber meist keine Symptome hervor. Erst wenn sie sich ausbreiten, wird es kritisch: In diesem Fall können sie Krankheiten der oberen Atemwege (etwa eine Nasen­neben­höhlen- oder Mittel­ohr­ent­zündung) und unteren Atemwege (Lungen­entzündung) verursachen. Neben einer Lungen­entzündung können Pneumokokken folgende Krankheiten auslösen:

  • Mittelohrentzündungen
  • Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Blutvergiftung (Sepsis)

Bei einer Lungen­entzündung durch Pneumokokken stirbt etwa jeder zehnte Erkrankte über 60 an den Folgen. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immun­system. In Deutschland sterben jährlich schätzungsweise mehr als 5.000 Menschen über 60 Jahre an einer Pneumokokken-Erkrankung [1].

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Epidemiologisches Bulletin 36/2016.

Welche Verbindung besteht zwischen Pneumokokken und Grippe?

Sowohl schwere Pneumokokken-Erkrankungen als auch Grippe treten zu bestimmten Zeiten im Jahr gehäuft auf – und zwar zu den gleichen Zeiten. Das Risiko für eine schwere Pneumokokken-Erkrankung steigt, wenn Sie schon eine Grippe haben. Beide Impfungen gemeinsam reduzieren daher das Risiko vor einer Sepsis.

 

 

Grippe und Pneumokokken-Erkrankungen treten zur gleichen Zeit am häufigsten auf

Zu sehen ist der zeitliche Verlauf der Meldungen von schweren Pneumokokken-Erkrankungen aus Laboren zwischen Januar 2015 und Juni 2016 (in Orange)*. Zusätzlich sind die dem Robert Koch-Institut gemeldeten Grippe-Fälle, die durch eine Labordiagnose bestätigt wurden, im gleichen Zeitraum dargestellt (in Rot). Dabei wird deutlich, dass sowohl die Pneumokokken-Erkrankungen als auch die Grippe im gleichen Zeitraum verstärkt vorkommen. Deshalb ist eine Impfung gegen Pneumokokken und gegen Grippe wichtig.

Grippe und Pneumokokken-Erkrankungen treten zur gleichen Zeit am häufigsten auf. Die Grafik zeigt den zeitlichen Verlauf der Meldungen von schweren Pneumokokken-Erkrankungen aus Laboren zwischen Januar zweitausendfünfzehn und Juni zweitausendsechszehn. Zusätzlich sind die dem Robert Koch-Institut gemeldeten Grippe-Fälle, die durch eine Labordiagnose bestätigt wurden, im gleichen Zeitraum dargestellt. Dabei wird deutlich, dass sowohl die Pneumokokken-Erkrankungen als auch die Grippe im gleichen Zeitraum verstärkt vorkommen. Deshalb ist eine Impfung gegen Pneumokokken und gegen Grippe wichtig.

* Die Gesamtzahl der Erkrankungsfälle in Deutschland ist wesentlich höher, da nur bestimmte Labore auf freiwilliger Basis ihre Fälle an das Robert Koch-Institut melden.

Welche Verbindung besteht zwischen Pneumokokken und Sepsis?

Die meisten Sepsis-Fälle entstehen als Komplikation einer Lungen­entzündung [1]. Wie gegen viele Infektionen wehrt sich der Körper mit Fieber und anderen Reaktionen gegen die Erkrankung. Wenn diese sinnvolle Abwehr­reaktion nicht nur Erreger abtötet, sondern auch die eigenen Organe schädigt, sprechen Mediziner von Sepsis. Wenn die Entzündungs­reaktion so ausgeprägt ist, dass der Blutkreislauf und Blutdruck des Patienten nur noch mit starken Kreislauf­medikamenten (so wie z.B. häufig angewandt bei einem Herzstillstand) aufrechter­halten werden kann, spricht man von einem septischen Schock. Eine Sepsis und ein septischer Schock sind ein Notfall und müssen auf der Intensiv­station versorgt werden. Das Risiko einer Sepsis kann durch Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe deutlich verringert werden.

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation.

Patienten mit schweren Pneumokokken-Erkrankungen und Sepsis in deutschen Krankenhäusern (2010–2014)

Patienten mit schweren Pneumokokken-Erkrankungen und Sepsis in deutschen Krankenhäusern zweitausendzehn bis zweitausendvierzehn. Die Grafik zeigt, dass es in den Jahren zweitausendzehn bis zweitauendvierzehn neunzehntausendfünfhundertneunzehn Patienten mit einer schweren Pneumokokken-Erkrankung in ein deutsches Krankenhaus eingeliefert wurden. Davon erkrankten zusätzlich sechszehntausendneunhundertfünf an einer Sepsis. Elftausenddreihundertfünfundfünfzig Personen, also siebenundsechzig Komma zwei Prozent davon, waren über sechzig Jahre alt. Die Daten Stammen von Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Wie werden Pneumokokken-Erkrankungen behandelt?

Pneumokokken-Bakterien können nur mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings nehmen Antibiotika-Resistenzen weltweit zu. Der Schutz durch die Pneumokokken-Impfung als vorbeugende Maßnahme wird daher immer wichtiger.

Kann ich mich vor Pneumokokken schützen?

Durch eine Impfung können Sie Ihr Immunsystem gegen Pneumokokken wappnen und sich so vor den gängigsten Erregern einer Lungen­entzündung schützen. Personen über 60 Jahre wird die Impfung empfohlen, weil ihr Immunsystem mit dem Alter schwächer wird.

Was für ein Impfstoff ist in der Pneumokokken-Impfung?

PPSV 23, der sogenannte Polysaccharid-Impfstoff, für Erwachsene bietet Schutz vor den 23 wichtigsten Pneumokokken-Typen. Diese sind in Deutschland aktuell für etwa 70% aller schweren Pneumokokken-Erkrankungen verantwortlich [1].
Er wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Es handelt es sich dabei um einen Impfstoff aus den Zuckern der Bakterienkapsel.

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Pneumoweb - Sentinel schwerer Pneumokokken-Erkrankungen des Robert Koch-Instituts.

Wieso Pneumokokken-Impfung für Menschen 60+?


Ab einem Alter von 60 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Erwachsenen eine Impfung gegen Pneumokokken. Je nach Gesund­heits­zustand sollte diese nach frühestens sechs Jahren aufgefrischt werden. Auch jüngeren Menschen mit erhöhtem gesund­heit­lichen Risiko wird ein Schutz gegen Pneumokokken empfohlen. Zu diesen Risiken gehören berufliche Belastungen (etwa bei Metal­larbeitern) und Vor­erkrankungen wie die chronisch-obstruktive Lungen­erkrankung (COPD), Asthma, Diabetes mellitus, HIV oder Nierenschäden. Die Impfung verringert die Gefahr zu erkranken oder schwere Komplikationen zu erleiden.

Ist die Pneumokokken-Impfung sicher?

Wie alle Arzneimittel durchläuft auch jeder Impfstoff ein strenges Zulassungs­verfahren. Bevor ein Impfstoff in Deutschland verwendet werden darf, müssen die Hersteller Sicher­heit und Wirksam­keit in umfangreichen Studien nachweisen. Bevor die erste Impfung bei Ihrem Hausarzt landet, wurde sie bereits an über 10.000 Freiwilligen getestet. Auch nach der Zulassung erfolgen weitere Prüfungen, um eine dauerhafte Sicherheit der Impfstoffe zu gewährleisten.

So wird ein Impfstoff geprüft

So wird ein Impfstoff geprüft. Die Graphik zeigt die verschiedenen Stufen der Prüfung von Impfstoffen durch das Paul-Ehrlich-Institut. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, wird dieser zuerst an Tieren und zuletzt an bis zu 10000 Menschen getestet auf Wirksamkeit, Sicherheit und Effektivität. Selbst nach der Zulassung werden Impfstoffe im Einsatz überwacht.

Die Pneumokokken-Impfung sollte übrigens unbedingt auch bei Patienten durchgeführt werden, die bereits eine Lungen­entzündung überstanden haben. Eine Pneumokokken-Lungen­entzündung hinterlässt nämlich nur Immunität gegen einen einzigen Stamm, der Impfstoff jedoch schützt vor 23 Stämmen.

Welche Nebenwirkungen hat die Pneumokokken-Impfung?

Von 100 geimpften Personen treten bei etwa 30 bis 50 Personen lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötungen oder Anschwellen der Impfstelle auf. Bei weniger als einer von 100 geimpften Personen treten Fieber und Muskelschmerzen auf. Darüber hinausgehende schwerwiegende Komplikationen sind absolute Ausnahmen [1]. Diese Nebenwirkungen sind ein Anzeichen dafür, dass sich der Körper mit dem geimpften Erreger auseinandersetzt und einen Schutz aufbaut. Im Allgemeinen klingen die Beschwerden nach ein bis drei Tagen wieder ab und können, wenn nötig, mit Schmerz- oder Fiebermedikamenten behandelt werden. 
Solche Impfreaktionen sind jedoch weniger riskant als die Krankheiten, die durch die Impfung verhindert werden können. „Unterm Strich“ ist das Risiko einer Impfkomplikation viel geringer als das Risiko einer bedrohlichen Komplikation durch eine Pneumokokken-Erkrankung.

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation.

Häufigkeit der Nebenwirkungen der Pneumokokken-Impfung

Abhängig zum Impfpräparat gibt es verschiedene Nebenwirkungen. Die hier dargestellten Nebenwirkungen beziehen sich auf das Präparat PPSV23 – den von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlenen Impfstoff für Menschen 60+.

Häufigkeit der Nebenwirkungen der Pneumokokken-Impfung. Die Grafik zeigt, dass bei dreißig bis fünfzig Personen Fieber und Rötungen oder Anschwellungen der Injektionsstelle auftreten können. Außerdem können bei einer von hundert Personen Fieber und Muskelschmerzen auftreten.

Das Auftreten von Nebenwirkungen muss sehr genau überprüft und ausgewertet werden. Nach internationalem Standard wird die Häufigkeit von Nebenwirkungen in folgende Kategorien unterteilt:
sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10 (also >10%),
häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100 (also 1–10%),
gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000 (also 0,1–1%),
selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000 (also 0,01–0,1%),
sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000 (also <0,01%),
Häufigkeit nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Wie wirksam ist die Pneumokokken-Impfung?

Für Aussagen über die Wirksamkeit von Impfungen werden in wissen­schaftlichen Studien häufig Geimpfte mit Ungeimpften verglichen.
Bei über 60-jährigen zeigen die zusammen­geführten Daten von vier randomisierten und kontrollierten Studien zu dem empfohlenen Pneumokokken-Impfstoff eine Effektivität von über 73% gegen schwere Pneumokokken-Erkrankungen. Dies bedeutet, dass Geimpfte ein um 73% geringeres Risiko hatten zu erkranken als Ungeimpfte [1, 2].

Effektivität der Pneumokokken-Impfung

Effektivität der Pneumokokken-Impfung. Die Grafik zeigt, dass eine Impfung gegen Pneumokokken das Risiko einer schweren Pneumokokken-Erkrankung um dreiundsiebzig Prozent verringert. Außerdem ist das Risiko an einer Pneumokokken verursachten Lungenentzündung zu erkranken, um zweiundsechzig Prozent geringer. Die Daten stammen von der Studie der Ständigen Impfkommission, „Wissenschaftliche Begründung für die Aktualisierung der Pneumokokken-Impfempfehlung für Senioren“.

Zusammen mit der Grippe-Impfung wurde die Wirksamkeit der Pneumokokken-Impfung außerdem in einer Studie aus Schweden mit mehr als 250.000 Teilnehmern überprüft. 30% weniger Aufenthalte im Krankenhaus aufgrund einer Lungenentzündung bei Menschen über 60 Jahre unterstreichen auch bei dieser Untersuchung die Wirksamkeit der beiden gemeinsamen Impfungen [3].

Wie oft soll gegen Pneumokokken geimpft werden?

Da die Schutzdauer der Pneumokokken-Impfung begrenzt ist, empfiehlt die STIKO Menschen über 60 im Abstand von ca. sechs Jahren Wiederholungsimpfungen.
Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt direkt auf die Pneumokokken-Impfung an.

Fazit:

Pneumokokken sind Bakterien und die häufigste Auslöser von Lungen­entzündungen, die eine lebens­bedroh­liche Sepsis zur Folge haben können. Haben Sie zum Beispiel eine Grippe und infizieren sich zusätzlich mit Pneumokokken, verstärken sich die Infektionen gegen­seitig und schwächen das Immun­system. Solche Pneumokokken-Erkrankungen verlaufen als zeitgleiche Infektionen mit Grippe besonders schwer – und erhöhen das Risiko für eine Sepsis. Der wirksamste Schutz dagegen sind die Pneumokokken- und die Grippe-Impfungen.