Was ist eigentlich eine Sepsis?

Eine Sepsis ist ein lebens­bedroh­licher Zustand. Sie ist die schwerste Komplikation von Infektions­erkrankungen und wird im Volksmund auch Blutvergiftung genannt. Jede Infektion kann zu einer Sepsis führen, also auch eine Grippe oder eine Lungenentzündung. Bei einer Sepsis bekämpft der Körper nicht nur die Erreger der Infektion, sondern greift plötzlich die eigenen Organ an. Wenn die Sepsis nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann sie einen septischen Schock auslösen, multiples Organ­versagen verursachen und so zum Tod führen [1]. Wegen der Schwere der Erkrankung ist oft eine Behandlung auf einer Intensivstation notwendig [2].

Quellen (öffnen in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation,
[2] Englischsprachige Fachinformation.

Wieso höre ich den Begriff Sepsis so selten?

Wenn Menschen an einer Infektions­krank­heit sterben, z. B. an einer Lungen­entzündung, wird als Todes­ursache meist Lungen­entzündung angegeben, obwohl die direkte Todes­ursache oft Sepsis ist. Jede Infektion kann eine Sepsis verursachen. Organ­versagen, hervor­gerufen durch eine Sepsis, ist dann die Todes­ursache. Wenn Sie also hören, dass jemand infolge einer Infektion, z. B. einer Lungen­entzündung, auf einer Intensiv­station behandelt werden musste oder starb, gab es wahr­schein­lich genau diese schwere Komplikation: eine Sepsis.

Wie häufig ist Sepsis?

Sepsis ist eine sehr häufige und meist unter­schätzte Erkrankung. In Ländern wie Deutschland oder den USA erkranken mehr Menschen an einer Sepsis als an einem Herz­infarkt oder einem Schlag­anfall [1]. In Deutschland wurden im Jahr 2013 mehr als 270.000 Menschen mit einer Sepsis in einem Kranke­nhaus behandelt, etwa 68.000 Menschen verstarben an oder mit einer Sepsis [1]. Weltweit wird eine Zahl von jährlich 31 Millionen Sepsis-Fällen geschätzt, wovon über 5 Millionen Menschen versterben [2]. Die Welt­­gesund­­heits­­organisation hat aus diesem Grund Sepsis zu einer der zentralen Prioritäten für alle 194 Mitglieds­staaten erklärt und hält die Mehrzahl der Sepsis-Todesfälle für vermeidbar. Sie fordert zur Erreichung dieses Zieles dazu auf, Nationale Sepsis-Pläne zu entwickeln. Auch in Deutschland gibt es auf Anregung der Sepsis-Stiftung ein breites Aktions­bündnis für einen Nationalen Sepsis-Plan.  
In Thüringen wurden zwischen 2010 und 2014 mehr als 51.000 Patienten mit einer Sepsis behandelt. Leider verstarb davon fast ein Viertel [3].

Sepsis-Fälle in Deutschland

Sepsis-Fälle in Deutschland zweitausendsieben bis zweitausendvierzehn. Die Grafik zeigt, dass zweitausendsieben die jährliche Anzahl der Sepsis-Fälle noch zweihunderttausendfünfhundertfünfunddreißig betrug und die Zahl der Todesfälle durch Sepsis vierundfünfzigtausendeinhundertsechsundneunzig. Diese Zahl steigt konstant bis zum Jahr zweitausendvierzehn auf zweihundertneunundneunzigtausendvierhundertvierundsechzig Sepsis-Fälle und achtundsechzigtausendneunhundertsiebenundsiebzig Todesfälle. Das sind hundertneunundachtzig Todesfälle am Tag durch Sepsis. Die Daten stammen von einer Studie „Fallzahlen und Sterblichkeitsraten von Sepsis-Patienten im Krankenhaus“ und von Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

*Zahlen 2014 exkl. ICD-Codes für schwangerschaftsassoziierte Infektionen (O85, O75.3) ohne Organdysfunktion

Es zeigt sich, dass heute mehr Menschen an einer Sepsis erkranken als früher [4]. Ein Grund dafür ist der demografische Wandel: Menschen werden immer älter. Mit zunehmendem Alter wird das Immun­system schwächer. Infektionen häufen sich und chronische Erkrankungen der Lunge, der Niere, des Herz­kreis­lauf­systems und Stoff­wechsel­erkrankungen wie Diabetes, die eine Sepsis begünstigen, nehmen zu. Somit sind Menschen ab 60 besonders gefährdet, eine Sepsis zu entwickeln. Weitere Gründe für die große Zahl an Sepsis-Fällen könnten der stärkere Einsatz von immun­suppressiven Medikamenten, Chemo­therapien, Operationen und Transplantationen sein. Auch kommen multiresistente Erreger immer häufiger vor. Gleichzeitig ist das Themenfeld Sepsis heute besser untersucht und Fälle, die früher unerkannt blieben, werden heute medizinisch eher festgestellt bzw. dokumentiert.

Quellen (öffnen in neuem Fenster):
[1] Fallzahlen und Sterblichkeitsraten von Sepsis-Patienten im Krankenhaus
[2] Englischsprachige Fachinformation,
[3] FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Fallpauschalbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik), 2014, Eigene Berechnungen
[4] Englischsprachige Fachinformation.

Wie entsteht Sepsis?

Nahezu jede akute Infektion kann eine Sepsis verursachen. Die lokale Eind­ämmung des Infektions­fokus versagt und Erreger gelangen in den Blut­kreislauf. Die eigentlich dienliche (physiologische) Reaktion des Körpers gerät außer Kontrolle und verursacht erhebliche Schäden an bis dahin unbeteiligten Organen. So breitet sich die Entzündungs­reaktion aus und zieht auch solche Gewebe und Organe in Mitleidenschaft, die vom Infekt ursprünglich nicht betroffen waren.
Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders anfällig für eine Sepsis. Ihre lokale Infektabwehr ist von vorneherein zu schwach, um das Eindringen von Erregern zu verhindern, sodass die Immunabwehr diesem Ansturm ohne extreme Gegenwehr unterliegt.

Was unterscheidet eine Sepsis von einer Infektion?

Eine Sepsis unter­scheidet sich von einer Infektion dadurch, dass nicht nur Anzeichen für eine Infektion wie Fieber, Abge­schlagen­heit, Schmerzen oder Erhöhung der weißen Blut­körperchen im Blut vorliegt, sondern dass sich bereits Störungen von Organen zeigen, die gar nicht unmittelbar von der Infektion betroffen sind:

  • Die am häufigsten betroffenen Organe sind das zentrale Nerven­system (Verwirrung, Lethargie), die Nieren (Rückgang der Urin­ausschei­dung und der Entgiftungs­funktionen der Niere), die Lunge (schwere, schnelle Atmung), das Kreislauf­system (Abfall des Blutdrucks, Anstiege der Pulsfrequenz), die Leber (Versagen der Entgiftungs­funktion der Leber und der Produktion von lebens­wichtigen Eiweißen), das Gerinnungss­ystem (gesteigerte Blut­gerinnung, Verstopfung der kleinen Blutgefäße, Absterben von Gliedern). Darüber hinaus kann es zu Darm­versagen mit Darm­lähmung, aber auch zu Durchfällen kommen.
  • Der septische Schock ist die schwerste Verlaufsform einer Sepsis. Er ist durch einen Kreis­lauf­zusammen­bruch gekennzeichnet, der eine kreis­lauf­unterstützende, notfall­medizinische Behandlung erfordert. Meist sind zusätzlich einzelne oder mehrere Organsysteme betroffen. Dann spricht man von Multiorganversagen.

Sterblichkeit der Sepsis in deutschen Krankenhäusern (2010–2014)

Sterblichkeit der Sepsis in deutschen Krankenhäusern zweitausendzehn bis zweitausendvierzehn. An einer Sepsis Erkrankung sind von einer Million dreihunderttausendzweihundertfünfzehn Fällen vierundzwanzig Komma acht Prozent verstorben. Von fünfhundertachtundachtzigtausenddreihundertsiebenundsiebzig schweren Sepsis-Fällen verstarben vierundvierzig Komma fünf Prozent. Von einhundertfünfzigtausendachthundertsiebenundachtzig Patienten, die einen Septischen Schock erlitten, starben achtundfünfzig Komma acht Prozent. Die Daten Stammen von Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Kann ich mich vor Sepsis schützen?

Ja, jedoch gibt es keinen 100%igen Schutz gegen eine Infektion und einer daraus entstehenden Sepsis. Sie können aber viel tun, um einer Sepsis vorzubeugen.

  • Schützen Sie sich so weit als möglich vor Infektionen.
  • Behandeln Sie auftretende Infektionen so schnell wie möglich, um ein Fortschreiten einer Infektion zu einer Sepsis zu verhindern.
  • Notärztliche Hilfe bei den ersten Zeichen einer Sepsis, um die Folgen zu minimieren.

Die effektivste Maßnahme zur Vorbeugung ist ein Schutz durch eine Grippe- und Pneumokokken-Impfung und eine gesunde Lebensweise – chronischer Alkohol­missbrauch, Rauchen und Drogen­konsum erhöhen das Sepsis-Risiko. Bei einer saisonalen Grippe wird Ihr Körper geschwächt, sodass Sie sich leichter mit Pneumokokken-Bakterien infizieren können und die Gefahr einer Lungen­entzündung steigt. Die beiden Erreger unterstützen sich demnach gegenseitig. Solche Superinfektionen verlaufen deutlich schwerer als eine normale Influenza oder Lungen­entzündung.
Vorbeugung ist daher der beste Schutz für Sie. Eine Impfung gegen Pneumokokken und Grippe reduziert das Risiko einer Sepsis bei Menschen über 60 sehr. Zusätzlich tragen Sie mit Ihrer Impfung dazu bei, dass auch Ihre Ange­hörigen sowie Menschen, die sich nicht selbst impfen lassen können, wie Babys oder Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem (z. B. Krebs­patienten mit Chemo­therapie), geschützt sind.

Sind Grippe, Pneumokokken und Sepsis verbunden?

Sowohl eine Lungenentzündung als auch eine Grippe können eine Sepsis auslösen. Die Gefahr einer Sepsis istam höchsten, wenn beide Infektionen gleichzeitig auftreten. Meist muss eine Sepsis auf der Intensivstationbehandelt werden. Grippe- und Pneumokokken-Impfungen beugen dem vor. Daher sind sie der bisher effektivste Schutz gegen Sepsis. Wenn Sie hören, dass jemand wegen einer Grippe oder Lungenentzündung auf der Intensivstation behandelt werden musste oder gestorben ist, gab es wahrscheinlich genau diese Komplikation: eine Sepsis.

Die mögliche Verbindung von Grippe, Lungenentzündung und Sepsis

Mögliche Verbindung von Grippe, Lungenentzündung und Sepsis. Die Grafik zeigt das Risiko von Krankenhausaufenthalten, Krankheitstagen, schweren Komplikationen und Tod bei einem gesunden Menschen, einer Grippe, einer Lungenentzündung und einer Sepsis. Bei einem gesunden Menschen ist das Risiko für alle Bereiche sehr niedrig. Während einer Grippe ist das Risiko für Krankheitstage hoch und auch das Risiko für Krankenhausaufenthalte, schwere Komplikationen und Tod steigt. Kommt es zu einer Lungenentzündung stiegt das Risiko für Krankheitstage weiter an. Ebenso steigt das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt und schwere Komplikationen auf ein höheres Maß. Auch das Risiko für den Tod als Folge einer Erkrankung steigt. Eine Sepsis birgt das höchste Risiko. Es steigt auf ein Maximum hinsichtlich eines Krankenhausaufenthaltes, Krankheitstagen und schweren Komplikationen. Zusätzlich steigt das Risiko an einer Sepsis zu sterben. Die Grippe-Impfquoten betrugen in der Grippe-Saison zweitausendfünfzehn zweitausendsechszehn nur fünfunddreißig Komma drei Prozent bei Personen im Alter von über sechzig Jahren. Jedoch mehr als vierzig Prozent der durch Grippe verursachten Krankenhausaufenthalte betreffen Menschen im diesem Alter. Dreizehn Prozent der von Lungenentzündungen verursachten Krankenhausaufenthalte enden tödlich und täglich sterben hundertneunundachtzig Menschen an einer Sepsis. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut, von dem Institut für Qualitätssicherung und Transparenz in Gesundheitswesen und von Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Während der Monate der Grippe- und Erkältungszeit, meist von Anfang Oktober bis Ende März, sind ganz alltägliche Dinge wie gründliches Händewaschen und Hygiene (z. B. beim Zubereiten von Salaten) wichtig. Sollten Sie trotz dieser Maßnahmen erkranken, husten Sie in Ihren Ellenbogen, um zu verhindern, dass sich die Erreger verbreiten.

Wie erkenne ich eine Sepsis frühzeitig?

Sepsis entsteht überwiegend außerhalb des Krankenhauses - in Ihrem Alltag!
Sepsis kann sich in vielen verschiedenen Symptomen äußern:

  • häufig Fieber, seltener Schüttelfrost
  • Betroffene beschreiben oft, dass sie sich noch nie so krank gefühlt haben.
  • plötzliche Verwirr­theit bzw. Wesen­sveränderungen oder Apathie
  • Atemnot mit schneller Atmung
  • Blutdruck­abfall und hoher Puls
  • manchmal auch Durchfälle

Wichtig ist zu wissen, dass eine Sepsis wahr­scheinlicher ist, wenn zwei oder mehrere dieser Symptome vorliegen und Sie sich vorher schon krank gefühlt haben. Eine Sepsis kann jedoch auch plötzlich und unerwartet ohne Vorerkrankung auftreten.

Welche Symptome deuten auf eine Sepsis hin?

Welche Symptome deuten auf eine Sepsis hin? Die Grafik zeigt, welche Symptome bei einer Sepsis auftreten. Sie sind Verwirrtheit, extremes Unwohlsein, Wesensveränderungen, Apathie, sehr schnelle Atmung und Herzrasen, Fieber, Schüttelfrost und klamme Haut.

Wussten Sie, dass der „zum Herzen aufsteigende, rote Strich“, den viele mit dem Wort Blut­vergiftung verbinden, kein Symptom der Sepsis ist? Der Strich weist auf eine Entzündung der Lymphgefäße hin, die von einer Wunde ausgeht. Unbehandelt kann dies jedoch zu einer Sepsis führen. Deshalb suchen Sie auch in diesem Fall einen Arzt auf.

Zu den möglichen Symptomen einer Sepsis kommen außerdem die Symptome der ursprüng­lichen Infektion.

  • Bei einer Lungen­entzündung: Kurz­atmigkeit, Husten
  • Bei einer Harn­wegs­entzündung: Schmerzen beim Wasser­lassen, stark riechender Urin, Schmerzen in der Nierenregion
  • Bei einer Hirn­haut­entzündung: schwere Kopf­schmerzen, Licht­empfind­lichkeit, steifer Nacken
  • Infektionen im Bauchraum: starke Schmerzen im Bauch­bereich
  • Bei einer Haut- oder Wundinfektion: Schmerzen, Schwellung, Rötung, lokale Erwärmung

Wer ist gefährdet?

Jeder Mensch kann eine Sepsis entwickeln. Besonders gefährdet sind Menschen, die

  • sehr jung sind (Frühgeborene und Kinder unter einem Jahr).
  • älter sind, da die Sepsis-Häufigkeit ab dem 50. Lebensjahr kontinuierlich ansteigt.

Altersangabe von Patienten mit Sepsis in deutschen Krankenhäusern (2007–2013)

Altersangabe von Patienten mit Sepsis in deutschen Krankenhäusern zweitausendsieben bis zweitausenddreizehn. Die Grafik zeigt, dass in den Jahren von zweitausendsieben bis zweitausenddreizehn insgesamt eine Million sechshundertfünfundzwanzigtausendfünf Sepsis-Fälle auftraten. Vierhundertfünftausendachthundertneunzehn dieser Patienten waren über achtzig Jahre alt. Siebenhunderteinundsiebzigtausendsechshundertzweiundneunzig waren in der Altersgruppe der sechzig bis neunundsiebzig jährigen und zweihundertvierundfünfzigtausendsechshundertundvier in der Altersgruppe der vierzig bis neunundfünfzig jährigen. Die kleinste Altersgruppe mit dreiundsiebzigtausendneunhundertvierundzwanzig bilden die zwanzig bis neununddreißig jährigen. Bei den null bis neunzehnjährigen traten einhundertachtzehntausendneunhundertsechsundsechzig Fälle von Sepsis auf. Diese Daten entstammen dem Ärzteblatt.

Weitere Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sind Menschen, die

  • offene Verletzungen haben.
  • chronische Erkrankungen der Lunge, des Herzens, der Leber, der Nieren oder Stoff­wechsel­erkrankungen wie Diabetes haben.
  • ein geschwächtes Immun­system haben (z. B. Krebs­patienten mit Chemo­therapie oder durch die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem schwächen, wie Kortison).
  • verwundet sind oder eine größere Operation hatten.
  • alkohol- oder drogen­abhängig sind.
  • spezielle invasive Behandlungen benötigen (Beatmungs­kanülen, Blasen- oder Gefäß­katheter, Wund­drainagen).
  • Kunststoff­prothesen in sich tragen (z. B. Gefäß­prothesen, künstliche Gelenke und Herzklappen).
  • genetisch anfällig dafür sind, eine Sepsis zu entwickeln.

Wie wird Sepsis behandelt?

Sepsis gilt als ein Notfall und muss genauso schnell behandelt werden wie ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine schwere Unfall­verletzung. Sepsis ist lebens­bedrohlich, Patienten müssen deshalb in einer Notaufnahme bzw. auf einer Intensiv­station versorgt werden.

Die Therapie basiert auf zwei Säulen [1]:

1) Behandlung der Infektion, die die Sepsis auslöst:
Sollte die Sepsis von Bakterien, z. B. Pneumokokken, ausgelöst worden sein, werden zu Beginn der Behandlung meist Antibiotika mit mehreren Wirk­stoffen (Breitband­antibiotika) eingesetzt. Sobald durch einen Bluttest bekannt ist, welche Bakterien genau für die Sepsis verantwortlich sind, können spezifische Antibiotika angewendet werden. Wenn nötig, müssen auch Abszesse (Eiter­sammlungen), Infektions­herde oder infizierte Fremdkörper durch chirurgische Eingriffe entfernt werden.

2) Unterstützung des Kreislauf­systems und Behandlung der geschädigten Organsysteme:
Wenn nötig, wird die Lunge durch künstliche Beatmung oder die Niere durch Dialyse unterstützt. Nötig sind oft auch Behandlungs­möglichkeiten wie:

  • intravenöse Flüssigkeits­gabe und den Kreislauf aufrechter­haltende Medikamente
  • Behandlung von Gerinnungs­störungen
  • künstliche Ernährung
  • Schmerzmittel oder Beruhigungs­mittel
  • Gefäß­katheter
  • Medikamente gegen Stress zur Vermeidung von Stress­geschwüren

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation.

Hat eine Sepsis Folgeschäden?

Je später die Sepsis erkannt und behandelt wird, umso höher ist das Risiko von Folge­schäden und desto höher ist die Sterberate. Weil die Erkrankung sehr schwerwiegend und die Behandlung auf der Intensiv­station umfassend ist, können nach über­standener Sepsis Spätfolgen auftreten [1].
Nach ihrer Kranken­haus­entlassung durchlaufen Patienten häufig lange Phasen des Wieder­aufbaus der körperlichen und geistigen Leistungs­fähigkeit. Trotz dieser Maßnahmen zur Rehabilitation ist es für manche Patienten schwer, nach einer Sepsis wieder Fuß zu fassen und in den Beruf oder das frühere Umfeld zurück­zukehren.
Neben physischen Spätfolgen können psychische Probleme auftreten [2]. Dazu gehören Schlaf­losigkeit, Depression, Albträume oder Angst­zustände. Auch Konzentrations- und Gedächtnis­störungen können entstehen und monatelang anhalten [3]. Physische Folgen können Muskel­schwäche, chronische Schmerzen und Miss­empfindungen in Händen und Füßen sein. Rehabilitations­maßnahmen wie Physio­therapie, Ergotherapie oder Psycho­therapie können helfen, diese Folgen zu lindern.
In besonders schweren Fällen können Menschen trotzdem zu lebens­langen Pflegefällen werden, weil ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu stark eingeschränkt sind.

Beispiele von Folgeschäden bei Sepsis-Überlebenden

Beispiele von Folgeschäden bei Sepsis-Überlebenden. Die Grafik zeigt, welche Folgeschäden bei Sepsis-Überlebenden auftreten können. Es kann zu schweren körperlichen Einschränkungen, zum Verlust einzelner Finger oder des Unterarms kommen. Außerdem können kognitive Einschränkungen auftreten, wie zum Beispiel Konzentrationsstörungen.

Sie sind selbst von einer Sepsis betroffen?

Bei Fragen können Sie sich an die Deutsche Sepsis-Hilfe oder die Sepsis-Stiftung wenden. Sie bietet für Angehörige und Patienten zahlreiche Informationen und Hilfestellungen. Wenn Sie die Aufklärungsarbeit und den Kampf gegen Sepsis aktiv unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte an die Sepsis-Stiftung.

Mehr Informationen gibt es unter folgenden Webseiten:
www.sepsis-hilfe.org
www.Sepsis-Stiftung.org
www.world-sepsis-day.org

Ist Sepsis ansteckend?

Nein, Sepsis ist nicht ansteckend. Allerdings kann der Auslöser einer Sepsis, die Infektion, ansteckend sein. Zum Beispiel können Sie eine Grippe an Ihren noch ungeimpften Enkel weiterreichen, umgekehrt kann der gegen Pneumokokken ungeimpfte Enkel eine Lungen­entzündung auf Sie übertragen. Sepsis ist die schwerste Verlaufs­form und Reaktion des Körpers auf eine Infektion, nicht eine Infektion an sich. Daher sind Impfungen, die Infektions­krankheiten vorbeugen, der bisher effektivste Schutz gegen Sepsis.

Fazit:

Jede Infektion kann zu einer Sepsis führen – also sowohl eine Lungenentzündung als auch eine Grippe. Die Gefahr einer Sepsis ist am höchsten, wenn beide Infektionen gleichzeitig auftreten. Meist muss eine Sepsis auf der Intensivstation behandelt werden. Grippe- und Pneumokokken-Impfungen beugen dem vor. Daher sind die Grippe- und Pneumokokken-Impfungen, der bisher effektivste Schutz gegen Sepsis.