Informationen zur Kampagne impfen60+

Die Webseite www.thüringen-impft.de wurde in Zusammenarbeit zwischen dem wissenschaftlichen Verbundprojekt impfen60+ und dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie erarbeitet und erstellt.

Im wissenschaftlichen Verbundprojekt impfen60+ entwickeln die Universität Erfurt, das Designbüro Lindgrün GmbH, das Universitätsklinikum Jena und das Robert Koch-Institut Strategien und Maßnahmen der Gesundheitskommunikation, um in der Altersgruppe 60+ die Impfquote zu steigern. Impfen60+ ist unabhängig von der Pharmaindustrie und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Teil der Forschungsinitiative InfectControl 2020.

Wieso impfen60+? 


Wenn Patientinnen und Patienten über 60 mit Infektionen ins Krankenhaus kommen, lautet die Diagnose sehr häufig: Lungenentzündung (Pneumonie). Die Pneumonie ist die häufigste Infektion, die zu einer Sepsis führt. Sepsis ist die schwerste Komplikation einer Infektion und kann lebensbedrohlich sein. Tritt diese Pneumonie in Kombination mit einer Grippe auf, verstärken sich die Infektionen gegenseitig. Solche Pneumokokken-Erkrankungen verlaufen als zeitgleiche Infektionen mit Grippe besonders schwer – und erhöhen das Risiko für eine Sepsis. Insbesondere Menschen über 60 sind gefährdet. Bei Ihnen ist die Sterblichkeit in der Folge durch eine Sepsis am höchsten.

Effektivität der Grippe- und Pneumokokken-Impfung

Die folgende Abbildung zeigt die Ergebnisse einer Studie von Christenson und Kollegen (2004) mit ca. 250.000 Teilnehmern im Alter 65+. In der Studie wurden die prozentualen Anteile der Sterbefälle mit und ohne Impfungen von den Wissenschaftlern berechnet. Es kommt zu jährlichen Schwankungen. Eine weitere Studie zur Wirksamkeit der Pneumokokken-Impfung (englischsprachige Fachinformation) können Sie hier lesen.

Effektivität der Grippe- und Pneumokokken-Impfung. Die Grafik zeigt, dass die Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken die Sterblichkeit bei über fünfundsechzig jährigen um vierzig Prozent reduzieren. Die Daten entstammen einer Studie von Christenson und Kollegen aus dem Jahr zweitausendvier mit zirka zweihundertfünfzigtausend Teilnehmern im Alter von über fünfundsechzig.

Was sind die Ziele von impfen60+?


Impfen60+ will das Wissen rund um die relevanten Impfungen steigern und in der Folge eine Steigerung der Influenza- und Pneumokokken-Impfquoten erreichen. Dadurch sollen Influenza, Pneumonien und Sepsis sowie die Kosten durch die stationäre und ambulante Behandlung verringert werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, das Risiko einer Sepsis als mögliche Folge des Nicht-Impfens zu vermitteln. Die Partner in impfen60+ vereint das Ziel, dass weniger Menschen über 60 Jahre aufgrund vermeidbarer Grippe- und Pneumokokken-Infektionen im Krankenhaus behandelt werden und eine Sepsis durchleiden müssen. 

Wieso in Thüringen?

Jedes Jahr lassen sich weniger Thüringerinnen und Thüringer über 60 Jahre gegen Influenza impfen. Auch die Pneumokokken-Impfungen liegen seit Jahren unter den offiziellen Empfehlungen.

2013/2014 war in Thüringen nur knapp jeder zweite über 60 Jahre gegen Grippe geimpft [1] – bei Pneumokokken war es nur knapp jeder dritte [2]. Insbesondere für Menschen ab dem 60. Lebensjahr steigt somit die Gefahr, an einer Influenza oder Pneumonie zu erkranken und an Komplikationen wie einer schweren Sepsis zu versterben. Neben dem demografischen Wandel und einer Zunahme operativer und immunsuppresiver Therapien (das heißt Therapien, die das Immunsystem schwächen, wie Chemotherapien) kann der Rückgang der Impfraten für einen Anzahl der Infektions- und Sepsisfallzahlen in Thüringer Krankenhäusern mit verantwortlich gemacht werden. So wurden beispielsweise zwischen 2010 und 2014 thüringenweit über 50.000 Patientinnen und Patienten mit einer Sepsis behandelt – Dreiviertel der Patienten waren über 60 Jahre; jeder Vierte ist an oder mit einer der Sepsis verstorben [3]. Die Kampagne hat das Ziel, diesem Trend entgegen zu wirken.

Dass Thüringen als Modellregion ausgewählt wurde, ist kein Zufall: Seit vielen Jahren beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Erfurt mit den Barrieren, die Menschen von Impfungen abhalten. Das Universitätsklinikum Jena  forscht seit Jahren zu Infektionserkrankungen und Sepsis. Der Zusammenschluss mit dem Designbüro Lindgrün GmbH, die spezialisiert sind auf nutzerzentrierte Informations-Kampagnen, und dem Robert-Koch-Institut hat so die perfekte Ausgangslage geschaffen, um wissenschaftlich fundierte Informationen rund um das Thema Impfen zugänglich zu machen - damit sich mehr Menschen in Thüringen impfen lassen.

Quellen:
[1,2] KV-Impfsurveillance (unveröffentlichte Daten) - ein Gemeinschaftsprojekt des Robert Koch-Instituts mit allen Kassenärztlichen Vereinigungen
[3] FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik), 2010–2014, eigene Berechnungen.

Hospitalisierung wegen CAP in Thüringen (2015)

Wissenschaftliche Grundlagen zu den Empfehlungen für die Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken sowie zur Sepsis.

Hintergrund:
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat 2016 ihre Empfehlungen zur Impfung gegen  Influenza und Pneumokokken für die Zielgruppe der Senioren nach ihrer neuen, verbesserten Methodik bewertet und die Ergebnisse publiziert [bitte im Download nachlesen]. Die STIKO ist ein unabhängiges, vom Bundesministerium für Gesundheit berufenes Expertengremium, dessen Tätigkeit von der Geschäftsstelle beim Robert Koch-Institut koordiniert und beispielsweise durch systematische Analysen der Fachliteratur unterstützt wird. Die von der STIKO empfohlenen Impfungen sind Grundlage für die Schutzimpfungsrichtlinie (SI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und werden mit Aufnahme in die SI-RL Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland. Die STIKO hat die Evidenz zur Influenza- und Pneumokokken-Impfung in Bezug auf verschiedene Endpunkte, relative und absolute Effekte sowie die Ergebnisse aus mathematischen Modellierungen zur Abschätzung der voraussichtlichen epidemiologischen Effekte der Impfung bewertet.

Fazit:
Die Ergebnisse der mathematischen Modellierungen verdeutlichen, dass bei der Bewertung des Nutzens einer Impfung neben der Impfeffektivität auch die Häufigkeit der Erkrankung sowie mögliche Gemeinschaftseffekte (Herdenschutz) berücksichtigt werden müssen. Die STIKO empfiehlt deshalb die jährliche Impfung gegen saisonale Influenza und die Impfung gegen Pneumokokken für alle Menschen ab dem Alter von 60 Jahren sowie für jüngere Menschen mit Risikofaktoren.

Hier können Sie sich die vollständige Informationen zur wissenschaftlichen Grundlage herunterladen.

Kostenfreie Materialien zur Unterstützung der Kampagne impfen60+

Ganz einfach. Erzählen Sie Ihren Bekannten, Ihrer Familie, Ihren Nachbarn oder Ihrem Arbeitgeber von dieser Webseite. Sollten Sie als Privat Person, Apotheker oder Apothekerin, Betriebsarzt oder Betriebsärztin, Arzt oder Ärztin oder als Sportverein Ihre Mitmenschen, Kunden oder Kollegen, Freunde und Familie zum Thema Grippe - und Pneumokokken-Impfung und Sepsis informieren wollen, können Sie hier kostenfrei und ohne weitere Verpflichtungen Materialien bestellen:
impfen60.bestellen-wir.de
Jeder kann dazu beitragen, dass alle geschützt sind.

Wer ist verantwortlich für „impfen60+“?

Für das + im Leben

  • Universität Erfurt: Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Abteilungen Soziale Kommunikation, Gesundheitskommunikation
  • Lindgrün GmbH: Design und Kommunikation für Gesundheit
  • Universitätsklinikum Jena: Institut für Allgemeinmedizin, Zentrum für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
  • Robert Koch-Institut: Fachbereich für Impfprävention

Wissenschaftlicher Beirat von impfen60+

  • Prof. Dr. Eva Baumann
    Professorin für Kommunikationswissenschaft, Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover
  • Dr. Heidrun Thaiss 
    Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
  • Prof. Dr. Sylvia Sänger
    Professorin für Gesundheitswissenschaften, Hochschule für Gesundheit, Gera
  • Dr. Jan Leidel 
    Vorsitzender der Ständigen Impfkommission
  • Dr. med Ulf Zitterbart
    Vorsitzender des Thüringer Hausärzteverbands, Facharzt für Allgemeinmedizin

Unsere Unterstützer

Impfen60+ wird unterstützt durch:

  • Kassenärztliche Vereinigung Thüringen
  • Landesärztekammer Thüringen
  • Hausärzteverband Thüringen
  • Landesapothekerkammer Thüringen
  • Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. Thüringen
  • Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Thüringen
  • Barmer, Landesvertretung Thüringen
  • AOK Landesvertretung Thüringen