Kurze Fakten zum Keuchhusten

Keuchhusten, in der Fachsprache Pertussis genannt, ist weit mehr als „nur Husten“. Er wird durch Bakterien ausgelöst, ist hoch ansteckend und kann schlimme gesundheitliche Folgen haben. Weltweit ist Pertussis eine der häufigsten Infektionskrankheiten der Atemwege. Bestimmte Erreger befallen dabei die Schleimhäute und verursachen starke, krampfartige Hustenattacken. Bei Kindern und Säuglingen kann es sogar zu Erstickungsanfällen kommen.

Früher galt Keuchhusten als Kinderkrankheit, doch mittlerweile trifft die Infektion immer häufiger Erwachsene. So lag das Durchschnittsalter der Pertussis-Patienten im Jahr 1995 bei 15 Jahren, seit dem Jahr 2013 hat es sich dagegen bei rund 40 Jahren eingependelt [1]. Der Grund: Während mittlerweile die meisten Kinder gegen Keuchhusten geimpft sind, vergessen viele Erwachsene die Auffrischimpfung. Die Grundimmunisierung im Kindesalter schützt jedoch nicht lebenslang vor der Erkrankung [2].

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Epidemiologisches Bulletin 21/2017, 
[2] Webseite des Robert Koch-Instituts.

Keuchhusten-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland (2010–2016)

* bis Anfang 2013 bestand keine bundesweite Meldepflicht für Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland. Hier lesen Sie mehr zum Meldeweg der SurvStat.

Keuchhusten-Erkrankungen nach Altersgruppen in Deutschland in den Jahren zweitausendelf bis zweitausendsiebzehn. Die Grafik zeigt, dass die Keuchhusten-Erkrankungen in allen Altersgruppen über die Jahre, mit kleinen Ausnahmen, kontinuierlich anstiegen.  In der Altersgruppe der unter neunzehnjährigen schwankten die Erkrankungszahlen zwischen einem Minimum von tausendfünfhundertvier Fällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von sechstausendfünfhundert Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn.  In der Altersgruppe der zwanzig- bis neununddreißigjährigen schwankten die Zahlen zwischen einem Minimum von sechshunderteinunddreißig Erkrankungsfällen im Jahr zweitausendelf und einem Maximum von dreitausendacht Fällen im Jahr zweitausendsiebzehn.  In der Altersgruppe der sechzig- bis neunundsiebzigjährigen gab es im Jahr zweitausendelf ein Minimum von fünfhundertfünfundfünfzig Fällen und im Jahr zweitausendsiebzehn ein Maximum von zweitausendfünfhundertacht Fällen. Im Vergleich dazu gab es in der Altersgruppe der über achtzigjährigen insgesamt weniger Fälle von Keuchhusten; hier lagen die Zahlen zwischen siebenundvierzig im Jahr zweitausendelf und dreihundertfünfundvierzig im Jahr zweitausendsiebzehn.

Fakt ist:

  • Auch wenn Sie schon einmal an Keuchhusten erkrankt waren, sind Sie nicht immun.
  • Der Schutz nimmt vier Jahren nach der Erkrankung ab, er wirkt nur für ca. vier bis 20 Jahre.
  • Nicht-Impfen gefährdet auch Ihre Enkel. 

Zu wenige Erwachsene sind in Deutschland ausreichend vor den Erregern geschützt

Das ist gefährlich, denn beinahe jeder Kontakt zwischen einem Erkrankten und einem ungeschützten Gesunden führt zu einer Ansteckung. Beim Husten, Niesen oder Sprechen können sich die Bakterien über winzige Tröpfchen aus dem Nasen-Rachen-Raum in der Luft weiter verbreiten und eingeatmet werden. Die beste Möglichkeit, sich zu schützen, ist eine Impfung! Sie verringert das Risiko, überhaupt zu erkranken oder schwere Komplikationen zu erleiden. Allen Erwachsenen wird deshalb eine einmalige Impfung gegen Pertussis bei der nächsten Auffrisch-Impfung gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung (Poliomyelitis) empfohlen.
Damit schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihr Umfeld. Denn Säuglinge können erst mit ca. zwei Monaten gegen Keuchhusten geimpft werden. Gleichzeitig sind sie durch eine Keuchhustenerkrankung besonders gefährdet. Unsere Kleinsten sind deshalb darauf angewiesen, dass sich die Menschen um sie herum vor den Erregern schützen.

Noch nicht geimpft? Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin ob und wann Sie sich gegen Keuchhusten impfen lassen sollten.

Vier Fakten zu Keuchhusten:

Fakt 1: Heute erkranken mehr Menschen an Keuchhusten als früher.

Die Erkrankungszahlen steigen – das zeigen Erhebungen aus den neuen Bundesländern. Dort besteht schon seit ca. 15 Jahren eine Meldepflicht für Keuchhusten-Fälle. In den alten Bundesländern werden die Daten hingegen erst seit 2013 gesammelt. 1990 gab es in den neuen Bundesländern nur 0,4 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner [1]. Im Jahr 2012 waren es bereits 42 Fälle [2]. Während in der DDR eine Impfpflicht bestand, wurden Impfungen nach der Wiedervereinigung auch in den neuen Bundesländern zu einer freiwilligen Schutzmaßnahme. In der Folge sanken die Impfraten – und die Erkrankungszahlen stiegen an. Deutschlandweit wurden im Jahr 2017 rund 26.000 Keuchhusten-Fälle gemeldet [3]. Einen großen Teil davon hätten altersgerechte Impfungen verhindern können.

Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland* (1965–2015)

* bis Anfang 2013 bestand keine bundesweite Meldepflicht für Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland. Hier lesen Sie mehr zum Meldeweg der SurvStat.

Keuchhusten-Erkrankungen in Deutschland neunzehnhundertfünfundsechzig bis zweitausendfünfzehn.  Die Grafik zeigt, dass im Jahr neunzehnhundertfünfundsechzig zweiundzwanzigtausendvierzig Menschen an Keuchhusten erkrankten. Im Jahr neunzehnhundertsiebzig waren es siebentausendeinhundertsechsunddreißig, im Jahr neunzehnhundertfünfundsiebzig nur noch dreihundertsechzig, neunzehnhundertachtzig erkrankten zweihundertachtundfünfzig, im Jahr neunzehnhundertfünfundachtzig -dreihundertsechs, im neunzehnhundertneunzig noch siebenundfünfzig. Im Jahr zweitausend erkrankten zweitausendachthundertvierundfünfzig Menschen an Keuchhusten, im Jahr zweitausendfünf - dreitausendsechshunderteinundsechzig, im Jahr zweitausendzehn - zweitausendeinhundertsiebzehn und im Jahr zweitausendfünfzehn stieg Anzahl der Keuchhusten-Erkrankungen auf zirka neuntausend Fälle an. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut sowie der offiziellen Berichtserstattung, Themenhefte November zweitausenddrei. Es ist zu beachten, dass die Zahlen neunzehntausendfünfundsechzig bis neunzehnhundertachtundneunzig nur aus der DDR stammen.

In den Jahren von 1965-1989 waren in der DDR und BRD unterschiedliche übertragbare Infektionserkrankungen meldepflichtig. Zusätzlich wurde und wird die Meldepflicht angepasst. Sollte eine meldepflichtige übertragbare Krankheit über mehrere Jahre hinweg nicht vorkommen, so kann die Meldepflicht ausgesetzt werden. Dies wird gesetzlich festgelegt.  Daher gibt es Daten zu der Anzahl und Art von Erkrankungen die nur die Fallzahlen der DDR oder nur der BRD wiedergeben oder Jahre in denen keine Daten vorliegen. Nach 1989 wurde die Meldepflicht zusammengeführt.

Fakt 2: Zu wenige Deutsche sind gegen Keuchhusten geimpft.

Nur 7,6 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben einen ausreichenden Impfschutz gegen Keuchhusten (in den letzten 10 Jahren) [1]. Vor allem in den neuen Bundesländern ist die Impfrate sehr niedrig. Im Vorschulalter sieht die Situation deutlich besser aus: Rund 96% der Kinder wurden vor Schuleintritt gegen Keuchhusten geimpft [2]. Doch die Grundimmunisierung in jungen Jahren schützt nicht ein Leben lang, sondern nur für ca. 4 bis 12 Jahre. Auch nach einer überwundenen Keuchhusten-Erkrankung können sich Menschen jeden Alters erneut anstecken. Frischen Sie Ihre Impfung deshalb im Erwachsenenalter auf oder lassen Sie sich erstmalig gegen Keuchhusten impfen.

Quellen (öffnen in neuem Fenster): 
[1] Deutschsprachige Fachinformation,
[2] Epidemiologisches Bulletin 16/2018.

Keuchhusten-Impfquoten nach Altersgruppen in Deutschland (2013)

Keuchhusten-Impfquote nach Altersgruppe in Deutschland zweitausenddreizehn. Die Grafik zeigt, dass die Impfquote der achtzehn bis neunundzwanzigjährigen siebenundfünfzig Komma zwei Prozent war, bei den dreißig bis neununddreißigjährigen - neunundvierzig Komma vier Prozent, bei den vierzig bis neunundvierzigjährigen waren achtunddreißig Komma neun Prozent geimpft. In der Altersgruppe der fünfzig bis neunundfünfzigjährigen waren im Jahr zweitausenddreizehn dreiundzwanzig Komma drei Prozent und in der Gruppe der sechzig bis neunundsechzigjährigen achtzehn Komma zwei Prozent sowie bei den siebzig bis neunundsiebzigjährigen vierzehn Komma eins Prozent geimpft. Die Daten stammen von dem Robert Koch-Institut.

Fakt 3: Keuchhusten kann mit schweren Komplikationen einhergehen.

Krampfanfälle, Nebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen, Inkontinenz, Atemstillstand, Rippenfrakturen, Hirnschädigungen – die Liste möglicher Komplikationen durch Pertussis ist lang und hässlich. Das größte Risiko für derartige Beschwerden und Schäden haben Säuglinge. Sie landen häufiger als Erwachsene wegen einer Keuchhusten-Infektion im Krankenhaus. Doch auch ältere Menschen können betroffen sein. Bis zu 10 Prozent aller älterer Erkrankten leiden schwerer unter den Folgen einer Pertussis als üblich. Todesfälle sind im Erwachsenenalter zum Glück selten. Bei den seltenen Todesfällen sind ältere Menschen häufiger betroffen. Acht von elf Patienten, die seit 2002 an den Folgen einer Keuchhusten-Erkrankung in Deutschland starben, waren älter als 60 Jahre [1]. Ein wirksamer Schutz vor Keuchhusten durch eine entsprechende Impfung ist deshalb nicht nur für Kinder wichtig!

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Deutschsprachige Fachinformation.

Fakt 4: Die Impfung verursacht keine Schäden.

In den 70er Jahren kam der Verdacht auf, der damals verwendete ,,Ganzkeimimpfstoff" könnte für seltene Hirnschäden bei Säuglingen verantwortlich sein. Die Keuchhusten-Impfung wurde damals in Westdeutschland vorsichtshalber nur noch für Kinder mit hohem Erkrankungsrisiko empfohlen. Umfassende Untersuchungen konnten jedoch keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und möglichen Schädigungen finden [1,2]. In Deutschland wird deshalb seit 1991 wieder flächendeckend gegen Keuchhusten geimpft. Im Gegensatz zu früher werden heute so genannte ,,azelluläre" Impfstoffe verwendet, die nur einzelne Bestandteile des Bakteriums enthalten und sehr gut verträglich sind. Auch Keuchhusten selbst kann dadurch nicht ausgelöst werden. Zwar kann es sein, dass die Einstichstelle in den ersten Tagen etwas gerötet und geschwollen ist. Auch kann die Körpertemperatur leicht ansteigen und ein Gefühl von Muskelkater im Arm entstehen. Doch diese Reaktionen sind kein Grund zur Sorge. Sie zeigen nur, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt und die Körperabwehr aktiv wird.

Quellen (öffnen in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation,
[2] Englischsprachige Fachinformation.