Kurze Fakten zur Sepsis

Eine Sepsis ist die schwerste Komplikation von Infektions­erkrankungen. Sie verläuft oft tödlich oder geht mit lang andauernden Folgen einher. Eine Sepsis entsteht, wenn die Abwehr­reaktion des Körpers außer Kontrolle gerät und nicht nur die Erreger der Infektion bekämpft, sondern auch körpereigene Organe angreift. Eine der häufigsten Ursachen für Sepsis-Fälle in Deutschland ist eine Lungen­entzündung [1], die meist durch Pneumokokken hervorgerufen wird [2]. Treten die Pneumokokken gemeinsam mit Grippe-Viren auf, ist die Sterblichkeit durch Sepsis am höchsten. Wenn Sie also hören, dass jemand infolge einer Infektion, wie zum Beispiel einer Lungen­entzündung, auf einer Intensiv­station behandelt werden musste oder starb, gab es wahrscheinlich genau diese schwere Komplikation: eine Sepsis.

Quellen (öffnen in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation,
[2] Deutschsprachige Fachinformation.

Sepsis-Fälle in Deutschland (2007–2014)

Sepsis-Fälle in Deutschland zweitausendsieben bis zweitausendvierzehn. Die Grafik zeigt, dass zweitausendsieben die jährliche Anzahl der Sepsis-Fälle noch zweihunderttausendfünfhundertfünfunddreißig betrug und die Zahl der Todesfälle durch Sepsis vierundfünfzigtausendeinhundertsechsundneunzig. Diese Zahl steigt konstant bis zum Jahr zweitausendvierzehn auf zweihundertneunundneunzigtausendvierhundertvierundsechzig Sepsis-Fälle und achtundsechzigtausendneunhundertsiebenundsiebzig Todesfälle. Das sind hundertneunundachtzig Todesfälle am Tag durch Sepsis. Die Daten stammen von einer Studie „Fallzahlen und Sterblichkeitsraten von Sepsis-Patienten im Krankenhaus“ und von Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

*Zahlen 2014 exkl. ICD-Codes für schwangerschaftsassoziierte Infektionen (O85, O75.3) ohne Organdysfunktion

 

Die gute Nachricht ist, dass eine Impfung gegen Pneumokokken-Bakterien und Grippe-Viren das Risiko für eine Sepsis einfach und zuverlässig senken kann. Noch nicht geimpft? Fragen Sie am besten Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob und in welchen Abständen Sie sich gegen Pneumokokken und Grippe impfen lassen sollten.

Mögliche Verbindung von Grippe, Lungenentzündung und Sepsis

Mögliche Verbindung von Grippe, Lungenentzündung und Sepsis. Die Grafik zeigt das Risiko von Krankenhausaufenthalten, Krankheitstagen, schweren Komplikationen und Tod bei einem gesunden Menschen, einer Grippe, einer Lungenentzündung und einer Sepsis. Bei einem gesunden Menschen ist das Risiko für alle Bereiche sehr niedrig. Während einer Grippe ist das Risiko für Krankheitstage hoch und auch das Risiko für Krankenhausaufenthalte, schwere Komplikationen und Tod steigt. Kommt es zu einer Lungenentzündung stiegt das Risiko für Krankheitstage weiter an. Ebenso steigt das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt und schwere Komplikationen auf ein höheres Maß. Auch das Risiko für den Tod als Folge einer Erkrankung steigt. Eine Sepsis birgt das höchste Risiko. Es steigt auf ein Maximum hinsichtlich eines Krankenhausaufenthaltes, Krankheitstagen und schweren Komplikationen. Zusätzlich steigt das Risiko an einer Sepsis zu sterben. Die Grippe-Impfquoten betrugen in der Grippe-Saison zweitausendfünfzehn zweitausendsechszehn nur fünfunddreißig Komma drei Prozent bei Personen im Alter von über sechzig Jahren. Jedoch mehr als vierzig Prozent der durch Grippe verursachten Krankenhausaufenthalte betreffen Menschen im diesem Alter. Dreizehn Prozent der von Lungenentzündungen verursachten Krankenhausaufenthalte enden tödlich und täglich sterben hundertneunundachtzig Menschen an einer Sepsis. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut, von dem Institut für Qualitätssicherung und Transparenz in Gesundheitswesen und von Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Sepsis kann jeden treffen.

Aus allen Infektionen kann sich eine Sepsis entwickeln – egal ob bei einem ungeborenen Baby oder einem hochbetagten Senior. Trotzdem gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind. Dazu gehören Kinder unter einem Jahr, Menschen über 60 sowie Personen mit stark geschwäch­tem Immun­system (wie Krebs­patienten mit Chemo­therapie). Gerade für diejenigen, die sich nicht selbst durch eine Impfung vor Infektionen schützen können oder anfälliger gegenüber Infektionen sind, ist es wichtig, dass Sie sich impfen lassen. So tragen Sie auch zu deren Gesundheit bei.

Fakt ist:

  • Aus jeder Infektion kann sich eine Sepsis entwickeln.
  • Nicht-Impfen erhöht das Risiko einer lebens­bedroh­lichen Sepsis.
  • Eine Sepsis entsteht häufig zuhause.
  • Sepsis ist in Thüringen, Deutschland und weltweit eine der häufigsten Todesursachen.

Fünf Fakten zu Sepsis:

Fakt 1: Sepsis ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland und Thüringen.

Häufig hören Sie: „Er liegt mit einer Lungen­entzündung auf der Intensiv­station“, oder: „Sie ist an einer Lungen­entzündung gestorben.“ Richtig wäre hier, nicht nur von der auslösenden Infektion, wie z. B. einer Lungen­entzündung, sondern von einer Sepsis zu sprechen. Denn diese ist meist der Grund dafür, wenn eine Infektions­erkrankung lebens­bedroh­lich wird bzw. tödlich verläuft.
In Deutschland wurden zwischen 2010 und 2014 ungefähr 1,3 Millionen Patienten mit einer Sepsis in einem Krankenhaus behandelt [1]. Etwa ein Viertel dieser Menschen verstarben. Im gleichen Zeitraum wurden in Thüringen mehr als 51.000 Patienten mit einer Sepsis behandelt. Leider verstarben 24% dieser Patienten. Weltweit gilt Sepsis als Nummer 1 der vermeid­baren Todes­ursachen. Vermeidbar, weil sie sich zum Beispiel durch eine Influenza- und Pneumokokken-Impfung häufig verhindern lässt, und Früh­erkennung bzw. Behandlung die Sterbe­wahr­schein­lichkeit um bis zu 50% senkt [2].

Quellen (öffnen in neuem Fenster):
[1] FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Fallpauschalenbezogene
    Krankenhausstatistik (DRG-Statistik), [Erhebungsjahr 2014], eigene Berechnungen.
[2] Englischsprachige Fachinformation.

Patienten mit Sepsis in Thüringer Krankenhäusern (2010–2014)

Patienten mit Sepsis in Thüringer Krankenhäusern zweitausendzehn bis zweitausendvierzehn. Die Grafik zeigt, dass einundfünfzigtausendzweihunderteinundsiebzig Patienten mit Sepsis in Thüringer Krankenhäusern behandelt wurden, von denen sechsundsiebzig Komma vier Prozent, also neununddreißigtausendeinhundertneunundachtzig, über sechzig Jahre waren. Zehntausendfünfhunderteinundachtzig davon endeten tödlich. Die Daten Stammen von Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Fakt 2: Eine Pneumokokken- und Grippe-Impfung reduziert das Risiko einer Sepsis.

Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken verringern das Risiko, an einer Lungen­entzündung oder Grippe zu erkranken [1]. In Kombination schützen die beiden Impfungen vor einer schweren Form der Lungen­entzündung, die eine der häufigsten Ursachen von Sepsis ist [2]. Grippe und Lungen­entzündung können das Immunsystem so schwächen, dass sie das Auftreten anderer bakterieller, viraler oder Pilz­infektionen fördert, die ihrerseits eine Sepsis auslösen können. Zu einer Sepsis kommt es immer dann, wenn es dem immun­geschwächten Körper nicht mehr gelingt, die Ausbreitung einer ursprünglich örtlich begrenzten Infektion zu verhindern. Der Übertritt von Erregern vom Ort der Infektion in die Blutbahn führt zu einer maximalen Steigerung der Abwehr­reaktionen. Die gefährlichen Krankheits­erreger breiten sich über den Blut­kreislauf aus, am Ende versagen die lebens­notwen­digen Organe. Wegen ihrer unspezifischen Symptome wie Verwirrtheit, Fieber, Schüttelfrost, schwere Atmung, schneller Puls oder Schmerzen wird eine Sepsis häufig nicht rechtzeitig erkannt. Sepsis muss jedoch wie Herzinfarkt als Notfall behandelt werden, da jede Ver­zögerung der Therapie zu einer Erhöhung des Sterb­lich­keits­risikos um 2% pro Stunde führt [3].

Das Risiko einer Sepsis kann durch die Schutz­impfungen gegen Pneumokokken und Influenza deutlich verringert werden. Eine umfangreiche Studie aus Schweden mit über 250.000 Teilnehmern hat gezeigt, dass eine Impfung gegen Pneumokokken und Influenzaviren das Risiko der Sterb­lich­keit bei der Altersgruppe 65+ um ca. 40% senkt [1].

Effektivität der Grippe- und Pneumokokken-Impfung

Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse einer Studie von Christenson und Kollegen (2004) mit ca. 250.000 Teilnehmern im Alter 65+. In der Studie wurden die prozentualen Anteile der Sterbefälle mit und ohne Impfungen von den Wissenschaftlern berechnet. Es kommt zu jährlichen Schwankungen. Eine weitere Studie zur Wirksamkeit der Pneumokokken-Impfung (englischsprachige Fachinformation) können Sie hier lesen.

Effektivität der Grippe- und Pneumokokken-Impfung. Die Grafik zeigt, dass die Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken die Sterblichkeit bei über fünfundsechzig jährigen um vierzig Prozent reduzieren. Die Daten entstammen einer Studie von Christenson und Kollegen aus dem Jahr zweitausendvier mit zirka zweihundertfünfzigtausend Teilnehmern im Alter von über fünfundsechzig.

Fakt 3: Sepsis entsteht meist nicht im Krankenhaus - sondern in Ihrem Alltag. 

In ca. 80% der Fälle entwickelt sich eine Sepsis im häuslichen Umfeld, im Urlaub oder in Pflegeheimen [1,2]. Eine Sepsis kann sich auch aus jeder zunächst harmlosen Infektion entwickeln, nicht selten aus einer Grippe, einer unscheinbaren Erkältung oder Halsentzündung. Umso wichtiger ist es, dass Sie die Symptome einer Sepsis früh erkennen. Wenn sich eine Sepsis entwickelt, ist sie immer ein Notfall.

Welche Symptome deuten auf eine Sepsis hin?

Fakt 4: Sepsis bedeutet einen langen Krankenhausaufenthalt mit oft schwerwiegenden Langzeitfolgen.

Eine Sepsis muss lange und intensiv behandelt werden. Sie erfordert wegen der Schädigung verschiedener Organsysteme wie Lunge, Herzkreislauf und Niere meist eine Behandlung auf der Intensivstation. Das bedeutet häufig künstliche Beatmung, künstliches Koma und Dialyse. Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus beträgt oft Wochen.

Patienten mit Lungenentzündung und Sepsis in Thüringer Krankenhäusern (2014)

Patienten mit Lungenentzündung und Sepsis in Thüringer Krankenhäusern zweitausendvierzehn. Die Grafik zeigt, dass dreitausenddreihundertneunundsechzig Patienten mit einer Lungenentzündung und Sepsis in Thüringer Krankenhäuser eingeliefert wurden. Davon waren zweitausendsiebenhundertfünfzig Patienten über sechzig Jahre alt.  Tausenddreihundertachtzig davon mussten auf die Intensivstation verlegt werden, tausendeinhundertachtundsiebzig brauchteten eine Beatmungshilfe und bei vierhundertzweiundfünfzig trat ein Nierenversagen auf.

Nach ihrer Entlassung haben Patientinnen und Patienten oft noch lange mit den Folgen dieser Zeit zu kämpfen [1]. Schlaf­losig­keit, Depressionen oder Angstzustände entstehen durch den Stress der Behandlung und die schlimmen Erinnerungen an die Krankheit. Auch Konzentrations- und Gedächtnis­störungen können auftreten. Daneben kann es zum teilweisen Verlust von Gliedmaßen, zu Muskelschwäche, chronischen Schmerzen und Missempfindungen in Händen und Füßen kommen. An eine Sepsis schließt sich deshalb oft eine lange Rehabilitation an. Ebenfalls besteht nicht selten eine erhöhte Anfälligkeit für erneute Infektionen und Sepsis. Die Folgeschäden einer Sepsis können die Lebens­qualität auf lange Zeit und unter Umständen sogar für immer einschränken.

Quelle (öffnet in neuem Fenster):
[1] Englischsprachige Fachinformation.